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Broda schwingt wieder den Taktstock

Der frühere Geschäftsführer der Dresdner Eislöwen hat eine neue Aufgabe gefunden, die ihn an seine Vergangenheit erinnert.

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© SZ-Archiv/Hentschel

Von Berthold Neumann

Matthias Broda hat seine alte Liebe wiederentdeckt: die zum Eishockey. Allerdings eine Nummer kleiner als zu seinen Dresdner Zeiten. Broda ist neuer Manager für Marketing und Sponsoring bei den IceFighters Leipzig, dem Oberliga-Meister der zurückliegenden Saison.

Zuvor hatte der langjährige Geschäftsführer der Dresdner Eislöwen einen Ausflug in den Volleyball mit einer Bruchlandung abgeschlossen: Bundesligist VC Dresden ging Ende Dezember vorigen Jahres in die Insolvenz, und Broda war damit seinen Job als Geschäftsführer los.

Dass die „Suche nach einer neuen Herausforderung“ ihn nun ausgerechnet wieder in die Puck-Szene führte, betrachtet der gebürtige Eislebener als Glücksfall. „Eishockey ist die geilste Sportart der Welt“, sagte der 52-Jährige. „Und Leipzig ist ein toller Standort mit viel Potenzial“, fügte er hinzu. Über 2 000 Zuschauer sahen durchschnittlich in der vorigen Saison die Partien der IceFighters in der Halle in Taucha. Bloß: Euro-Scheine fliegen allerdings auch in der Messestadt nicht vom Himmel.

Mit dem wirtschaftlich übermächtigen Fußball-Zweitligisten RB Leipzig könne sich der Verein ohnehin nicht messen. Aber die Leipziger stehen zudem in harter Konkurrenz mit den – nach dem Bundesliga-Aufstieg noch populäreren – DHfK-Handballern und den etablierten Bundesliga-Handballerinnen vom HC Leipzig. Die Situation kommt Broda aus Dresden bekannt vor. „Auch bei den Eislöwen mussten wir uns dem nicht einfachen Wettbewerb um Anteile am Kuchen gegen solche starken Konkurrenten wie Dynamo oder die DSC-Volleyballerinnen stellen.“ Deshalb ist für Broda wichtig: „Mir gefällt besonders, dass bei den IceFighters keine Luftschlösser gebaut werden, sondern Schritt für Schritt gegangen wird.“

Dennoch sind die Ambitionen bei den Leipzigern hochgesteckt. „Wir möchten in die DEL 2“, sagte Broda – und damit unmittelbarer Konkurrent seiner früheren Liebe, der Eislöwen, und der anderen sächsischen Zweitligisten Lausitzer Füchse und Eispiraten Crimmitschau werden. Ein verführerischer Gedanke, glaubt Broda. Weil: „Dann gäbe es vier sächsische Vereine in der Liga. Und die Mehrzahl an attraktiven Derbys würde die Fans noch mehr in die Hallen locken und damit auch die wirtschaftliche Basis stärken.“ Er habe bereits in seiner Dresdner Zeit eine sportliche Kooperation mit den Leipzigern angestrebt.

Ob der Umbau der deutschen Oberliga den Leipzigern entgegenkommt, muss freilich abgewartet werden. Vorbehaltlich der Lizenzierung sollen ab dem Start am 25. September 18 Mannschaften in einer neuen Oberliga Nord um die Playoff-Plätze und den Aufstieg in die DEL 2 kämpfen. Die dritthöchste Spielklasse, die bisher aus mehreren Staffeln mit 9 bis 12 Teams bestand, soll gestärkt werden. „Damit kann die Oberliga den nächsten Schritt hin zu einer nachhaltigen und verlässlichen Ligenstruktur gehen“, erklärte Marc Hindelang, Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes. Schönheide als weiterer sächsischer Oberligist wechselt in die Gruppe Süd.

Auch Broda begrüßt die größte Umwälzung im Unterbau der Profiligen seit Jahrzehnten. „Dadurch wird die neue Oberliga sehr attraktiv. Das kann der ganzen Sportart nur guttun.“ Die Leipziger treffen sogar auf internationale Konkurrenz: Der 14-malige niederländische Meister Tilburg Trappers spielt in der kommenden Saison in der neuen Oberliga.

Und die alte Liebe Dresden? Broda sieht keinen Interessenkonflikt. „Ich arbeite mit voller Leidenschaft für die IceFighters. Wir sind jetzt Konkurrenten“, sagte er. „Aber ich breche meine gewachsenen menschlichen Kontakte zu dem Fanklub der Eislöwen nicht ab“, fügte er hinzu.

Aus den turbulenten Jahren bei den Eislöwen kennt Broda auch die unbedingte Voraussetzung für Erfolge. „Man darf nicht nur beim Vertragsabschluss und zu Weihnachten, wenn das Geld knapp wird, bei den Geldgebern auftauchen“, sagte der Marketing-Manager. „Sportliche Träume muss man auch finanzieren können.“