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Brückenbauer feuern See-Streit an

Ein neuer Verein nennt sich „Görlitzer See“. Das eckt an. Aber die Görlitzer suchen keinen Ärger.

Von Anja Beutler

Brücken bauen. Das ist ihr Ziel: Thomas Schynol, Steve Gerlach und Ralf Richter stehen zwar auf der Görlitzer Altstadtbrücke. Ihre Brücken wollen sie aber am Berzdorfer See bauen. Wobei ein Pfeiler dieser Brücken durchaus die Stadt sein soll, die die drei Männer alle vereint: Görlitz. Mit ihrem neuen Verein, dem Görlitzer See-Verein, wollen sie Menschen zusammenbringen – mit Kultur am besten, erklärt der erste Vorsitzende Schynol.

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Engagieren sich am See: Ralf Richter, Steve Gerlach und Thomas Schynol (v.l.) haben den Verein Görlitzer See gegründet. Ihnen geht es vor allem um mehr Miteinander am Berzdorfer See. Fotos. Archiv (1)/Sosnowski (1)
Engagieren sich am See: Ralf Richter, Steve Gerlach und Thomas Schynol (v.l.) haben den Verein Görlitzer See gegründet. Ihnen geht es vor allem um mehr Miteinander am Berzdorfer See. Fotos. Archiv (1)/Sosnowski (1) © Pawel Sosnowski/80studio.net

Die Pläne des Vereins sind eigentlich nichts Neues. Bereits seit zwei Jahren sind die Männer am See gemeinsam unterwegs: Schynol als Segler, Richter mit seinem Gastronomie-Angebot Carari und Gerlach als Organisator von Veranstaltungen und Festen. Ein Projekt, das sie gemeinsam auf die Beine gestellt haben, ist FotoGen. Bei dieser Art Fotowettbewerb können alle mitmachen und ihre Foto-Sicht auf den See einreichen. Daraus entstanden in den vergangenen Jahren Kalender. Für 2014 liegt er bereits vor.

Doch beim Kalender soll es nicht bleiben. Er ist nur ein Mosaikstein. Bislang haben die Drei ihre Initiativen auf eigenes Risiko getragen. Dafür aber sind ihre Ziele inzwischen ein bisschen zu groß. Als Verein haben sie mehr Chancen, Partner und Fördergelder zu gewinnen. Ihr Anliegen für den Start ist es, dass künftig alle gehört werden, die den See nutzen wollen: die Badegäste ebenso wie die Sportler oder Kreativen – egal welchen Alters und welcher Nationalität. Denn dass der Berzdorfer See bei Polen und Tschechen genauso beliebt ist wie bei den Deutschen, ist kein Geheimnis. Das birgt auch Konflikte, wie es sich bereits zeigte.

Warum aber soll just ein Verein diese Aufgaben übernehmen? Schynol, Richter und Gerlach haben sich diese Frage auch gestellt – und bislang vergeblich auf die Gründung eines Zweckverbandes oder etwas Ähnlichem gewartet, der die Interessen am See bündelt. In den vergangenen Jahren haben sie nämlich festgestellt, dass die meisten Vereine und auch Privatpersonen, die hier unterwegs sind, gar nicht so wirklich etwas vom anderen wissen. Oftmals, so beschreiben sie es, ließe sich aus einer Veranstaltung oder einem Vorhaben viel mehr und viel leichter etwas machen, wenn die Initiatoren einfach mehr voneinander oder von den Möglichkeiten gewusst hätten. Und dafür wollen sie mit ihrem Verein nun sorgen.

Elf Mitglieder sind es derzeit. Sechs weitere Interessenten gibt es bereits – auch aus Polen und Tschechien, betont Gerlach. Eine Parallelwelt zum Planungsverband können und wollen sie nicht sein. Aber natürlich sähen es die drei sehr gern, wenn auch die Stadt Görlitz und die Gemeinden Schönau-Berzdorf und Markersdorf in dem Verein Mitglied werden würden. „Wir wollen eine Schnittstelle sein für alle, die hier etwas auf die Beine stellen wollen“, sagt Gerlach.

Doch an dieser Stelle wird es auch für den neu gegründeten Verein schwierig: Denn mit ihrem Namen polarisieren sie. Investor Winfried Stöcker, der sich bereits mit seiner Stöcker Hotel GmbH in der Blauen Lagune engagiert und auf der Neuberzdorfer Höhe eine neue Firmenniederlassung mit Tagungshotel bauen will, stieg der Vereinsname bereits in die Nase: Er plädiere weiterhin für den Namen Berzdorfer See – im Andenken an das untergegangene Dorf. Den Wechsel zu Görlitzer See zugunsten eines in seinen Augen geringen Marketingvorteils halte er für unnötig, ließ er den Verein wissen. Und auch Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) ist zwar im Gedanken an mehr Taten und weniger Gerede und Gestreite am See auf der Seite des Vereins. Aber auch er lässt durchblicken, dass er die neuerliche Debatte um den Namen für wenig glücklich hält. Dagegen spricht sich der Görlitzer OB, Siegfried Deinege, für einen Kompromiss aus: Görlitzer See und Berzdorfer Hafen. Schließlich solle die Vergangenheit bewahrt, aber die Zukunft gestaltet werden. Ob die skeptische Haltung im Süden so bleibt, wird sich Anfang kommenden Jahres zeigen: Dann will sich der Görlitzer See e. V. öffentlich präsentieren und über seine Vorhaben berichten. Denn als Erstes haben es sich die Mitstreiter zur Aufgabe gemacht, nach Stimmungen, Gefühlen und Wünschen der See-Nutzer zu fragen. Darauf wollen sie dann Konzepte aufbauen.

Den Kalender gibt es im SZ-Treffpunkt Görlitz.