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Buchen lassen Blätter hängen

Fröste im Mai haben an den Bäumen im Osterzgebirge großen Schaden hinterlassen. Auch Heidelbeeren wird es in diesem Jahr kaum geben.

Revierförster Uwe Liebscher steht bei Rehefeld in einem vom Frost betroffenen Buchenbestand. Überall hängt vertrocknetes Laub an den Ästen.
Revierförster Uwe Liebscher steht bei Rehefeld in einem vom Frost betroffenen Buchenbestand. Überall hängt vertrocknetes Laub an den Ästen. © Egbert Kamprath

Wenn sie es denn könnten, die Bäume im Osterzgebirge hätten allen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Es geht ihnen schlecht. Doch es sind nicht nur die vom Borkenkäfer geplagten Fichten, die den Forstleuten Sorgen machen. In den oberen Gebirgslagen bieten auch die Buchen ein Bild des Jammers. Vielen Ausflüglern und Einheimischen ist es schon aufgefallen und sie fragen sich nach dem Warum. 

Statt frischer grüner Blätter hängt nur welkes Laub an den Ästen. Grund ist der späte Frosteinbruch vom 11. bis 16. Mai mit Temperaturen von bis zu minus sechs Grad und bis zu 15 Zentimetern Schnee. Genau zu dieser Zeit trieben die Buchen aus und die jungen Triebe erfroren. 

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Das 1.750 Hektar große Revier Rehefeld von Revierförster Uwe Liebscher ist mit 400 Hektar Frostschäden, bei 700 Hektar im gesamten Forstbezirk, besonders hart betroffen. In Mitleidenschaft gezogen ist der gesamte Bestand, vom über 200 Jahre alten Baum bis zum jungen Schössling im Schutz des Unterholzes. „Fröste im Mai sind an sich nichts Besonderes“, sagt Uwe Liebscher. „Problematisch war, dass es nicht nur am Boden Minusgrade gab, sondern die Kälte aufstieg.“

Während die anderen Baumarten damit ganz gut klarkamen, traf es die Buche umso heftiger. Das ist besonders stark an den weitläufigen Beständen rund um Rehefeld zu sehen. Nur den Eschen ging es ähnlich. Fast alle standen kahl inmitten der erwachenden Natur, doch inzwischen zeigen sich hier langsam die Blätter. Um die Buchen bangen die Forstleute dagegen noch. 

Zaghaft entwickeln sich die ersten Spitzen des neuen Johannistriebes, es ist also noch Leben in den Bäumen. Das gibt Hoffnung. Wie viel Prozent der Pflanzen den Frost am Ende überstanden haben, lässt sich nicht sagen. Geschwächt sind die Buchen nach Meinung von Uwe Liebscher auf jeden Fall. 

Zum Glück habe es in der letzten Zeit ausgiebig geregnet. Ein trockener Sommer, wie er schon in den letzten beiden Jahren herrschte und seine Spuren hinterließ, könnte die positive Entwicklung in den Beständen allerdings wieder umkehren.

Braun und kahl stehen diese Buchen im Wald bei Rehefeld inmitten des Grüns der wiedererwachenden Natur, hier ein Blick zum Hemmschuh mit seinem Altbestand
Braun und kahl stehen diese Buchen im Wald bei Rehefeld inmitten des Grüns der wiedererwachenden Natur, hier ein Blick zum Hemmschuh mit seinem Altbestand © Egbert Kamprath

Die Frostschäden beschäftigen die Forstleute noch aus einem anderen Grund. Die Blütenknospen wurden komplett zerstört, sodass es keine Bucheckern für Saatgut gibt. „Die Buche ist neben der Tanne die Hauptbaumart für den Waldumbau. Doch das Saatgut für die jungen Setzlinge muss aus der Region stammen, um sich den Naturbedingungen anpassen zu können“, schildert Uwe Liebscher das Problem. 

Die Buchen müssen mit Schnee, Temperaturunterschieden und kurzen Vegetationszeiten klar kommen. Zu DDR-Zeiten wurden Setzlinge aus Mecklenburg gepflanzt. Doch die Umweltbedingungen im Gebirge setzen ihnen zu und sie haben sich bis heute nicht voll entwickelt. 

Allein in diesem Jahr wurden 150.000 junge Buchen auf einer Fläche von 20 Hektar gepflanzt. Das zeigt die Ausmaße der Aufforstung. Zeitversetzt in drei Jahren stehen die Forstleute vor dem Problem, dass keine Jungpflanzen zur Verfügung stehen. Uwe Liebscher will sich das Szenario jetzt noch gar nicht ausmalen, da auch unklar ist, wie die Saatgutausbeute im nächsten Jahr sein wird. 

Dieses Bild ist ein Zeichen der Hoffnung, zaghaft zeigen sich zwischen welkem Laub neue Triebe an den Buchenzweigen.
Dieses Bild ist ein Zeichen der Hoffnung, zaghaft zeigen sich zwischen welkem Laub neue Triebe an den Buchenzweigen. © Egbert Kamprath

Der Wintereinbruch im Mai hat noch eine weitere Folge, denn wegen erfrorener Blüten wird auch die Heidelbeerernte in diesem Jahr ausfallen. Doch das ist für die Forstleute eher ein unbedeutender Nebenschauplatz. Sie sorgen sich jetzt vor allem um die weitere Entwicklung der Borkenkäferplage bei den Fichten. 

Um den 9. und 20. Mai gab es in den oberen Gebirgslagen den ersten Käferflug nach dem Winter. Die Kontrollfallen mit Lockstoff füllten sich zunehmend. Dann kam zum Glück der Regen, der die Situation entschärfte. Besonders die oberen Bodenschichten, in denen die Wurzeln verlaufen, wurden gut durchnässt. Das gibt den Fichten, die sich jetzt mit frischem Maiwuchs schmücken neue Kraft. 

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So sieht Uwe Liebscher noch Hoffnung, dass es zumindest in seinem Revier vorerst nicht zu der befürchteten explosionsartigen Massenvermehrung der zweiten Käferpopulation kommt. Durch die Niederschläge und die etwas geringeren Temperaturen ist die Lage im oberen Gebirge gegenwärtig schwer einzuschätzen. Anders ist die Situation für seine Försterkollegen im Tharandter Wald. Sie befinden sich in schon Alarmbereitschaft vor Buchdrucker und Kupferstecher.

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