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Bürger lehnen Wohnheim ab

Im ehemaligen Ärztehaus sollen Kinder und Jugendliche betreut werden. Dagegen sammeln die Anwohner Unterschriften.

Von Sylvia Mende

Dem Bürgermeister liegt eine Liste mit mehr als 60 Unterschriften von Großweitzschener Anwohnern vor. Sie melden Bedenken wegen der Einrichtung an, die im ehemaligen Ärztehaus entstehen soll. Bis zu zwölf Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen, könnten hier einziehen.

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Die Bürger stellen unter anderem das Vorliegen einer Baugenehmigung infrage. Außerdem befürchten die Anwohner, dass das Gebäude nicht zur Unterbringung der Kinder und Jugendlichen geeignet und das Areal viel zu groß ist. Infrage gestellt wird auch der Bedarf dieser Einrichtung für die Region. Grundsätzlich gehe es nicht darum, diesen Kindern und Jugendlichen, keine Heimstatt in der Nachbarschaft geben zu wollen, so die Anwohner. Sie bezweifeln, dass das Konzept auf Dauer umgesetzt werden kann und im Einklang mit der dörflichen Umgebung steht.

Thomas Mehlhorn wird die Einrichtung, die den Namen Distel tragen soll, leiten. Die Kinder und Jugendlichen erhalten eine intensivtherapeutische Betreuung und werden rund um die Uhr betreut.

Thomas Mehlhorn und seine Mutter Barbara eröffneten im September 2001 die intensivtherapeutische Kinder- und Jugendwohngruppe „Der Kaktus“ in Höckendorf. Nun will sich das Familienunternehmen erweitern.

Den Gemeinderäten lag ein Antrag auf Nutzungsänderung zur Kinder- und Jugendeinrichtung vor. Barbara und Thomas Mehlhorn sind Eigentümer des gesamten ehemaligen HTH-Objektes. Diesem Antrag stimmten die Räte nach einer längeren Diskussion Anfang November zu (DA berichtete). „Die Gemeinde hat nur die Zustimmung zur baulichen Veränderung gegeben. Ob eine Einrichtung für die Kinder und Jugendlichen entstehen kann, ist Sache der Ämter“, so Bürgermeister Ulrich Fleischer (parteilos). Hier entscheide das Landesjugendamt. Fleischer setzte sich aber dafür ein, dass es eine Zusammenkunft von Vertretern der Anwohner und der Gemeinderäte gibt, bei der Thomas Mehlhorn das Konzept der Einrichtung vorstellen und zu den Bedenken der Anwohner sprechen kann.

In der Gemeinde gibt es bereits zwei Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche wohnen, die aus zerrütteten Familienverhältnissen stammen. Das sind der „Kaktus“ in Höckendorf und das Erziehungs- und Betreuungsdomizil „Kompass“ in Gallschütz.

Gemeinderat Bernd Fochtmann wollte zur Ratssitzung im November wissen, wie viel Ärger es mit den Kindern und Jugendlichen bisher gab. „Sicher gibt es einige Streiche, die aber nicht immer nur den Bewohnern dieser Einrichtungen zugeordnet werden können“, sagte der Bürgermeister. Ihm sei nicht bekannt, dass es im Umfeld große Schwierigkeiten gebe. Auch Gemeinderätin Ute Petzold hat bisher gute Erfahrungen mit den Kindern und Jugendlichen der beiden Einrichtungen gemacht. Sie legte ein Wort für die Kinder ein und bat darum, keine Vorurteile zu haben. Diese Einstellung unterstützte Peter Seitz. „Die Kinder und Jugendlichen hatten bisher ein schweres Leben. Wir sollten sie nicht verbannen.“

Der „Kaktus“ in Höckendorf bleibt bestehen und wird von Barbara Mehlhorn geleitet. Mit der Erweiterung regiert das Familienunternehmen nach eigenen Angaben auf den ständig wachsenden Bedarf für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen aus zerrütteten Familien. „Wir haben schon seit drei bis vier Jahren nach einem Objekt gesucht, dass eine Erweiterung unserer Einrichtung in Höckendorf möglich macht“, so Thomas Mehlhorn.