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Zwei Bundesverdienstorden

Kurt Weißhaupt aus Rathewalde und Günter Hartmann aus Rosenthal-Bielatal wurde jetzt eine große Ehre zu teil. Besonders war auch die Zeremonie.

Kurt Weißhaupt steht mit seinem Bundesverdienstorden in der Museumsscheune in Rathewalde, die der selbst mit aufgebaut hat.
Kurt Weißhaupt steht mit seinem Bundesverdienstorden in der Museumsscheune in Rathewalde, die der selbst mit aufgebaut hat. © Daniel Schäfer

Ein Rundgang durch Rathewalde mit Kurt Weißhaupt kann schon etwas länger dauern. Er kennt hier Hinz und Kunz. Schließlich war er von 1990 bis 1994 Bürgermeister und nach der Eingemeindung bis 2006 dann Hauptamtsleiter in Hohnstein. Und auch heute ist er immer für einen Plausch bereit, hört sich Sorgen und Nöte an und freut sich, wenn etwas gut läuft. Außerdem gibt es in dem Hohnsteiner Ortsteil fast nichts, woran er nicht eine Aktie hätte.  Na ja, ganz so sei es ja auch nicht, wehrt der 78-Jährige ab. Im Ort bekomme er auch Unterstützung von anderen Einwohnern, wie zum Beispiel von Lothar Baer.

An Ideen mangelt es ihm nie. Schon als Bürgermeister setzte er alles daran, Rathewalde als staatlich anerkannten Erholungsort entsprechend zu repräsentieren. Ein Wassertretbecken entstand, und auch die Blumenecke am Ortseingang bepflanzt er eigenhändig. Im Bad ist er anzutreffen, wenn es etwas zu reparieren gibt. Oder auch wenn Bäume gefällt werden müssen. Nicht zuletzt hat er als ehemaliger Chef der Tourismus GmbH Hohnstein auch um den Erhalt des Freizeitbades für den Ort gekämpft. Für ihn sind das alles alte Geschichten, und so viel Aufhebens um seine Person will er eigentlich auch nicht. Was er gemacht hat und noch machen wird, soll für alle sein, jeder soll etwas davon haben.

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Ein kurzer Stopp an der Museumsscheune im Amselgrund. Dort dürfte er wohl eines der größten Projekte verwirklicht haben. Er hat Rathewalde praktisch ein Museum geschenkt. Wer wissen will, wie die Bauern früher rund um Rathewalde ihre Äcker bestellten, ihre Ernte einfuhren und wie die Landfrauen dann alles verarbeitet haben, findet in der Museumsscheune Antworten darauf. 

Das Gebäude war vorher eine Ruine. Dank Kurt Weißhaupt, seiner Familie und freiwilligen Helfern wurde sie erhalten, saniert und als Museum eingerichtet. Und seine Familie und Freunde haben ihn auch unterstützt, als die ersten Asyl suchenden Familien nach Rathewalde gekommen sind. Hörbar setzte er sich in seinem Ort und der gesamten Region für ein friedliches Miteinander ein und stellte sich gegen Feindseligkeiten gegenüber Fremden.

Weiter geht es zum Wanderweg Richtung Amselfall. Ein echtes Problem. Immer wieder wird der Weg bei Starkregen ausgespült.  Kurt Weißhaupt will nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist. Wenn nicht, dürfte bald der nächste Arbeitseinsatz anstehen. Als Vorsitzender des Gästevereins würde er dann seine Helfer zusammentrommeln. Auf die kann er sich verlassen, weil die Rathewalder eben wissen, was sie an ihrem ehemaligen Bürgermeister haben. 

Denn auch heute noch hat seine tiefe Stimme Gewicht, wenn er sich als Bürger in Ratssitzungen zu Wort meldet und kaputte Geländer, eingestürzte Treppen oder zugewucherte kommunale Wiesen anprangert. Für alles ist er ja nun nicht zuständig in seinem Rathewalde. Schließlich hat er ja auch noch etwas mehr zu tun, wie zum Beispiel die Geflügelzüchter bei der Stange zu halten oder Projekte des  Tourismusverbandes Sächsische Schweiz zu unterstützen. 

Am Donnerstag allerdings war er nirgendwo in Rathewalde zu sehen, auch seine Frau nicht. Ungewöhnlich für ihn. Doch das hatte einen besonderen Grund. Ministerpräsident Michael Kretschmer überreichte, stellvertretend für den Bundespräsidenten, an insgesamt 15 Bürgerinnen und Bürger aus Sachsen den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Mit dieser Auszeichnung werden Menschen geehrt, die sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Kurt Weißhaupt war einer der Ausgezeichneten. "Ich war schon überrascht, dass ich für den Bundesverdienstorden vorgeschlagen und dann auch ausgezeichnet wurde. Das ist schon eine hohe Anerkennung für mich", sagt er. 

Ministerpräsident Kretschmer betonte: "Auch wenn es in diesem Jahr etwas anders abläuft als in den Vorjahren, freue ich mich nicht weniger auf die Begegnungen. Es ist mir eine große Freude und Ehre, diejenigen Menschen zu würdigen, die sich in ganz besonderer und bemerkenswerter Weise für unsere Heimat und das Gemeinwohl engagiert haben und engagieren."

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und um die gebotenen Abstandsregeln einhalten zu können, findet die Zeremonie in diesem Jahr an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Jeweils fünf Persönlichkeiten werden somit am Donnerstag, Freitag und Samstag geehrt. Die Zahl der Begleitpersonen musste auf maximal drei pro Ehrengast beschränkt werden.

Günter Hartmann aus Rosenthal-Bielatal.
Günter Hartmann aus Rosenthal-Bielatal. © Daniel Förster

Auch Günter Hartmann aus Rosenthal erhielt am Freitag den Bundesverdienstorden aus den Händen des Ministerpräsidenten. Der 80-jährige Pfarrer im Ruhestand wird damit für seine herausragenden Leistungen für die Menschen in seiner Kirchengemeinde sowie für Familien und Kinder aus der Region rund um Tschernobyl ausgezeichnet. 

Hartmann gründete in den 90er-Jahren das ehrenamtliche Projekt Kinder von Tschernobyl, das er bis heute leitet. Dabei setzt er sich aktiv für den Austausch mit den Menschen in dem betroffenen Katastrophengebiet um Bragin und Gomel ein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Weißrussland und Deutschland, heißt es aus der Sächsischen Staatskanzlei. 

Zudem brachte sich Hartmann bei der Einführung des Religionsunterrichts an den Schulen in Sachsen ein und unterrichtete selbst über 20 Jahre als Religionslehrer in Rosenthal. Vorgeschlagen hatte ihn im Übrigen schon vor Jahren erstmals der Bundestagsabgeordnete André Hahn (Linke) für diese Auszeichnung.

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