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Wie modern darf es in Zittau sein?

Zwischen Altbauten haben Eigentümer futuristische Häuser gebaut, so an der Lessing- und Dornspachstraße. Verhindern kann und will die Stadt das nicht.

Radoslaw Spychalski und seine Frau Beata vor ihrem neuen, modernen Haus in der Lessingstraße in Zittau.
Radoslaw Spychalski und seine Frau Beata vor ihrem neuen, modernen Haus in der Lessingstraße in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Schon der Abriss der Lessingstraße 11 sorgte für Diskussionen. Als dann auf der Fläche ein modernes Haus gebaut wurde, überschlugen sich die Reaktionen. Die einen fanden, dass der Bau nicht in diese Ecke passe, die anderen konnten dem modernen Stil durchaus etwas abgewinnen. "Es ist klar, dass es nicht jedem gefällt, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind", meint Radoslaw Spychalski mit Blick auf die Kritik. In anderen Städten sei es aber normal, dass in einer Baulücke etwas Modernes entsteht. Und der Zittauer Unternehmer mit polnischen Wurzeln kommt viel herum.

Radoslaw Spychalski ist der Eigentümer des modernen Hauses in der Lessingstraße. Seit gut einem halben Jahr wohnt er hier mit seiner Familie. Von den Nachbarn habe er nur Positives gehört, erzählt er. Er persönlich sei von niemandem negativ angesprochen worden. Die kritischen Reaktionen in den sozialen Netzwerken kennt er aber.

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Der 41-Jährige ist kein absoluter Verfechter moderner Bauten. Vor dem Umzug in die Lessingstraße wohnte seine Familie in einem Altbau. Darüber hinaus sanierte er ein paar Altbauten. Dass er nicht auch das alte Haus Lessingstraße 11 auf Vordermann brachte, war der Tatsache geschuldet, dass schon der Abrissbagger zugange war, als er auf das Grundstück aufmerksam wurde. Das Einfamilienhaus hätte er genauso auf die grüne Wiese bauen können. Doch das Grundstück an der Lessingstraße fand er perfekt, gerade wegen der Nähe zum Zentrum.

In einer Linie mit den Nachbarhäusern errichten

Ursprünglich wollte er das Haus weiter ins Grundstück hineinsetzen. Aber es musste in einer Linie mit den anderen Häusern errichtet werden - das war eine Auflage. Auch die Gebäudehöhe war vorgegeben: Das Objekt musste zweigeschossig werden. Ansonsten gab es keine Einschränkungen, sagt Spychalski. Aus gutem Grund: Für den Bereich der Lessingstraße existiert weder ein Bebauungsplan, noch liegt er im Gebiet der städtischen Gestaltungssatzung, wie Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch mitteilt. Genau deshalb gebe es auch keine Festsetzungen hinsichtlich der Gestaltung.

Vorgaben aus dem Denkmalschutz kann es aber durchaus für Neubauten geben, wenn Kulturdenkmale in der Nachbarschaft vorhanden sind und der Entwurf deren Gestalt beeinträchtigt, so Grebasch. In der Regel werde dann mit dem Bauherren und Bauplaner gesprochen und ein Kompromiss gefunden, der allen Seiten gerecht wird. Die Nähe zur Marienkirche hatte keine Auswirkungen auf die Gestaltung der Lessingstraße 11.

Das Bauvorhaben an der Lessingstraße musste nur die Kriterien des Einfügens nach Baugesetzbuch erfüllen. Dazu gehören die Art der Nutzung, die Bauweise - also geschlossen oder offen -, die Traufhöhe sowie der Anteil der mit Gebäuden bebauten Fläche. Gleiches gilt für die Dornspachstraße, wo vor einigen Jahren zwischen den Altbauten ebenfalls ein modernes Haus errichtet wurde.

Dieses moderne Haus steht in der Dornspachstraße in Zittau zwischen zahlreichen Altbauten.
Dieses moderne Haus steht in der Dornspachstraße in Zittau zwischen zahlreichen Altbauten. © Matthias Weber
In der Lessingstraße in Zittau wurde ein altes Haus abgerissen und auf der Fläche ein modernes Haus errichtet.
In der Lessingstraße in Zittau wurde ein altes Haus abgerissen und auf der Fläche ein modernes Haus errichtet. © Matthias Weber
Farblich setzt sich dieser Altbau in der Rosa-Luxemburg-Straße in Zittau deutlich von der umgebenden Bebauung ab.
Farblich setzt sich dieser Altbau in der Rosa-Luxemburg-Straße in Zittau deutlich von der umgebenden Bebauung ab. © Matthias Weber

Empfehlung der Bauaufsicht: Keine Neontöne

Neben dem modernen Baustil sorgt aber auch die Farbgestaltung eines Hauses manchmal für fragende Blicke. So wie beim O-See-Haus an der Rosa-Luxemburg-Straße, dessen Außenfassade knallbunt gestaltet wurde. Er habe das Projekt von Beginn an mit der Bauaufsicht der Stadt Zittau kommuniziert, erklärt O-See-Cheforganisator Klaus Schwager. Grundsätzlich habe es nur ein paar Empfehlungen bezüglich der Wahl der Farbtöne gegeben. So sollten beispielsweise keine Neontöne verwendet werden. Ina Kaminsky, die Leiterin der städtischen Bauaufsicht, habe laut Schwager schon schwer mit sich gerungen, bis sie die Zustimmung für die bunte Fassadengestaltung gab. 

Der O-See-Chef rechnete mit Kritik von Denkmalschützern. Die habe es aber nicht gegeben. "Das Haus ist kein Baudenkmal und liegt nicht im Erhaltungssatzungsgebiet. Daher wäre es schon schwierig gewesen, das Projekt komplett zu verbieten", meint er. 

Bei Gebäuden, die keine Kulturdenkmale sind, ist ein neuer Farbanstrich ohne Anzeige und Erteilung einer Genehmigung verfahrensfrei möglich, sagt Zittaus Pressesprecher.

Farbenfreude gegen Tristesse

Ansonsten sei es halt Geschmackssache, findet Schwager. Die Reaktionen der Zittauer waren laut Schwager zu 95 Prozent "Begeisterung pur". Bei Facebook erhielt die Meldung über das knallbunte O-See-Haus über 500 Likes und unzählige Kommentare - auch von Nachbarn. Auf seinem eigenen Profil habe er auch weit über 100 Rückmeldungen bekommen, sagt Schwager. "Auch aus meinem Freundeskreis gab es nur lobende Worte. Alle sind sich einig, dass man sofort gute Laune bekommt, wenn man da vorbeifährt."

Durch die Farbenfreude werde die Tristesse der Rosa-Luxemburg-Straße nicht mehr so spürbar, findet Schwager. Das ganze Areal wird aufgewertet. "Ich bin der Meinung, dass es nicht viele Häuser und Fassaden in Zittau gibt, wo man so eine großflächige Graffiti anbringen kann, so dass es auch wirkt", steht für ihn fest. "Bei dem Haus ist es aber so. Ich hab lange überlegt, ob ich es wage. Aber jetzt bin ich froh, dass ich das riskiert habe. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das sehe", fügt er hinzu. 

Hofseitig geht es nun weiter. Aber im Kontext zum gegenüberliegenden Frauenfriedhof etwas ruhiger und naturverbundener. Die Rosa-Luxemburg-Straße 32 soll von einem hässlichen Entlein Stück für Stück zu einem Hingucker entwickelt werden, so Schwager.

Keine neuen Gestaltungssatzungen geplant

Aktuell sei nicht vorgesehen, weitere Stadtteile neu mit Gestaltungssatzungen zu belegen, erklärt Grebasch. Bei der Ausweisung von neuen Baugebieten wie zum Beispiel an der Pescheckstraße ergeben sich standortadäquate Vorgaben im Bebauungsplan.

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