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Kunstschmied aus Passion

Die Arbeiten des Burkauers Knut Winkler sind vielerorts zu sehen. Auch an historischen Gebäuden. Nun ist der Meister sein eigener Chef.

© René Plaul

Von Manuela Paul

Burkau / Säuritz. Er ist geschafft – der Tag der offenen Tür in der Säuritzer Kunstschmiede von Knut Winkler. Das Interesse war überwältigend, freut sich der 52-jährige Meister. Ungefähr 130 Besucher tummelten sich kürzlich in seiner neuen Werkstatt. Dabei ist sie eigentlich gar nicht mehr so neu. Bereits im Mai dieses Jahres wagte der Burkauer den Schritt vom Arbeitnehmer in die Selbstständigkeit. Doch damals galt es, zunächst zahlreiche Aufträge abzuarbeiten. Also musste die Eröffnung warten.

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Das Klischee von der dunklen Werkstatt mit flackerndem Feuer erfüllt Winklers Schmiede nicht. Hell und aufgeräumt ist sie. Mit riesengroßen Fenstern an der Stirnseite. Sie geben den Blick frei ins idyllische Grüne. An den Wänden hängen Dutzende Bilder seiner Referenzobjekte, Werkzeuge und kleinere Schmiedearbeiten. Doch von loderndem Feuerschein keine Spur. Kein Wunder. Das Feuer brennt nur dann, wenn auch geschmiedet wird.

Mittendrin Knut Winkler. Stämmig, freundlich, heiter – ein gelassener Schmiedemeister, der jede Menge Sinn für künstlerische Schönheit hat. Das sieht man an den Exponaten, die sich überall im Raum finden. Das spürt man aber auch, wenn man ihm beim Erzählen zuhört.

Faszinierende Ergebnisse

Woher sein Faible fürs Schmieden kommt, kann der gebürtige Magdeburger genau sagen. Sein Großvater Max Vogel war seinerzeit Schmiedemeister in Bischofswerda. „Dem hab ich immer ganz gern beim Arbeiten über die Schulter geschaut“, erinnert sich der 52-Jährige. Es begeisterte ihn, was man alles aus dem rotglühenden Metall machen konnte. „Das Schmieden ist zwar kraft- und mühevoll, aber die Ergebnisse sind faszinierend, erklärt Knut Winkler.

Kein Wunder also, dass er seinerzeit bei der Denkmalspflege Dresden eine Lehre zum Kunstschmied und Kunstschlosser absolvierte. Das war sein Traumberuf. „Ich wollte nie etwas anderes machen.“ Inzwischen kann er zahlreiche Kunstobjekte aufzählen, die seine Handschrift tragen, an deren Restaurierung er mitwirkte. Das reicht vom Geländer im großen Schlosshof des Dresdner Stallhofes über den Kronleuchter im Rammenauer Spiegelsaal, Zäune, Handläufe, Zunftzeichen bis hin zu historischen Schließanlagen und Beschlägen. Im Bereich der Denkmalpflege gab es nach der Wende eine Unmenge an Arbeit und „wirklich tolle Projekte“, schwärmt der Kunstschmiedemeister. Er war in vielen sächsischen Schlössern und Burgen im Einsatz, hat auf Weesenstein, Königstein, in Pillnitz oder Rammenau restauriert.

Malerei ist sein Hobby

Und auch in seiner Freizeit ließ ihn die Kunst nicht los. Neben dem Schmieden widmet er sich auch der Malerei. Bereits mehrfach stellte er aus. Der Künstler experimentiert mit Techniken und Ausdrucksformen. Beim Surrealismus – jener geistigen Bewegung, die sich seit den 1920er-Jahren als Lebenshaltung und Lebenskunst gegen traditionelle Normen äußert – fühlt er sich am wohlsten. Sie hält für ihn ein unerschöpfliches Maß an Gestaltungsmöglichkeiten bereit. Derzeit bereitet er schon die nächste Schau vor. Ende März 2018 wird der Burkauer Künstler im Barockschloss Rammenau seine Arbeiten präsentieren.

Er mag das Hin- und Hergleiten zwischen den beiden darstellenden Kunstformen. Doch auf der Schmiede liegt sein Hauptaugenmerk. Dort macht Knut Winkler, der auch den Künstlernamen Knut van der Vinzburg trägt, alles, was mit Metall zu tun hat und nichts von der Stange. Er fertigt in traditioneller Handarbeit, was das Herz begehrt. Momentan vorwiegend für Privatkunden. Jüngst schmiedete er beispielsweise erstmals ein kleines Grabkreuz mit Beeteinfassung. Er hat auch schon eine lebensgroße Metallskulptur von und für einen Berliner Schriftsteller geschaffen.

Überhaupt arbeitet er sehr gern an Figuren. Mitunter auch im Materialmix. Gemeinsam mit seinem Künstlernachbarn, dem Holzbildhauer Aloysius Scholze – über den er übrigens auch die Halle für seine Werkstatt fand – schuf er beispielsweise eine Plastik für die Crostwitzer Pilgerherberge. „Er übernahm den Holzpart, ich den Metallpart“, erzählt der 52-Jährige. Seinen Entschluss, sich selbstständig zu machen, hat Knut Winkler noch nicht bereut: „Im Gegenteil. Die Selbstständigkeit war das Beste, was mir passieren konnte.“ Er wollte immer kreativ arbeiten. Das kann er nun, sagt er und wirkt dabei unglaublich gelöst.