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Keine Wette mit dem Coronavirus

Es gibt noch Fußball in Taiwan, Nicaragua, Weißrussland. Doch das Virus trifft auch den Sportwettenmarkt mit voller Wucht. Eine Nachfrage bei bwin in Neugersdorf.

Der Sportwetten-Anbieter sponsert auch im Fußball.
Der Sportwetten-Anbieter sponsert auch im Fußball. © dpa/Bernd Thissen

Dresden. Auf dem Aufsteller stehen zwei Worte: „Kein Zutritt“. Wie vor der Wettannahmestelle auf der Dresdner Galopprennbahn ist es in diesen Tagen vielerorts. Die Geschäfte bleiben dicht, und das mindestens bis zum 3. Mai noch. Null Einnahmen stehen Ausgaben gegenüber, die sich nicht ohne Weiteres senken lassen. Die Betreiber der Shops müssen weiter ihre Miete zahlen, aber auch die Informationstechnik mit Hard- und Software am Laufen halten.

Auch in Neugersdorf, wo der Sportwettenanbieter bwin ansässig ist, wissen sie um den Ernst der Lage. Als digitale Marke mag bwin.com zwar nicht von der Schließung der Annahmestellen betroffen sein. Wetten auf Sportereignisse sind derzeit jedoch bekanntlich nicht wirklich möglich. „Und wenn die Sportereignisse nicht stattfinden, leidet das Geschäft entsprechend“, sagt ein Sprecher der bwin e.K., wie das Unternehmen offiziell heißt. „Die Auswirkungen der aktuellen Situation sind natürlich schon jetzt immens und in ihrer ganzen Tragweite noch gar nicht abzuschätzen.“

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Ab Pfingstsamstag ist die hochkarätig besetzte Dresdner Neuproduktion unter der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann im Streaming-Angebot.

Lange Zeit kannte die Sportwettenbranche in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Binnen weniger Jahre verdreifachte sie ihre Umsätze – bis auf 9,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Davon blieben zehn Prozent bei den Unternehmen hängen. bwin in Neugersdorf ist ein Partnerunternehmen der GVC Holding. Die Konzerngruppe mit Firmensitz auf der Isle of Man in der Irischen See hat sich auf Sportwetten spezialisiert und setzt weltweit 4,2 Milliarden Euro pro Jahr um. 

90 Prozent des digitalen Geschäfts ist weg

Doch inzwischen gehen die Geschäfte krachen und mit ihnen die Aktien. Die GVC-Papiere stürzten von elf Euro am 12. Februar auf 3,50 Euro am 17. März ab, erholten sich seitdem und notieren mittlerweile wieder bei 7,50 Euro.

Das hat vor allem auch mit dem Stillstand in der Sportwelt zu tun. Der Umsatz im digitalen Geschäft sackte um gut 90 Prozent ab. „Wir haben noch ein bisschen Fußball in den ersten Ligen Nicaraguas, Taiwans, Usbekistans und Weißrusslands zum Wetten im Angebot“, sagt der Sprecher. E-Sport sei eine Alternative. Doch ein Ersatz ist das genauso wenig wie von Computern simulierte Pferderennen oder das virtuelle Casino.

Wie es weitergeht, ist spekulativ. Die Lage sei sehr dynamisch. „Die Folgen hängen am Ende maßgeblich davon ab, wie das Corona-Virus weiter verläuft.“ Die Pandemie schränke auch die Neugersdorfer ein: „Da arbeiten wie bisher 54 Angestellte. Doch nun kümmern sie sich im Homeoffice und Schichtdienst um Administration und Kundenservice“, sagt der bwin-Mann.

Die Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft und der Olympischen Sommerspiele um ein Jahr in den nächsten Sommer macht ihm besonders zu schaffen: „Das sind reichweitenstarke, bedeutende Großereignisse.“ Mehr will und kann er dazu nicht sagen. Als Partnerunternehmen einer börsennotierten Gesellschaft dürfe man konkrete Fragen nach den finanziellen Auswirkungen nicht kommentieren. Doch er betont: „GVC beobachtet die Lage aufmerksam.“

Der Vertrag als Sponsor bei Dynamo läuft noch bis 2021

Fest steht: An der geplanten Fortsetzung des Spielbetriebs in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga hat auch der Sportwettenmarkt allergrößtes Interesse. Dass diese nur in Form von Geisterspielen möglich ist, stört nicht. Zuschauer spielen maximal für die Berechnung der Quoten eine Rolle. 

Offen ist indes die künftige Rolle der Branche als Sponsor der Sportvereine. Bislang gehören die Wettanbieter hinter Autobauern und Telekommunikationsfirmen zu den wichtigsten Geldgebern. bwin in Neugersdorf unterstützt gleich ein Dutzend Vereine und Verbände, beispielsweise den Dresdener Rennverein und den Fußball-Oberligisten FC Oberlausitz Neugersdorf. „GVC entscheidet dann zu gegebener Zeit auch über Themen wie die Sponsoren-Aktivitäten“, sagt der Sprecher.

Das Duell zweier Sportwettenanbieter: Der im März als erster Profi positiv auf das Coronavirus getestete und inzwischen genesene Luca Kilian vom SC Paderborn trägt Sunmaker auf der Brust. bwin unterstützt Union Berlin.
Das Duell zweier Sportwettenanbieter: Der im März als erster Profi positiv auf das Coronavirus getestete und inzwischen genesene Luca Kilian vom SC Paderborn trägt Sunmaker auf der Brust. bwin unterstützt Union Berlin. © dpa/Friso Gentsch

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Der Sportwettenmarkt galt bisher als immun gegen Krisen jeglicher Art. Resistent gegen Coronaviren ist auch er nicht.

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