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Café wird zur Genuss-Werkstatt

Das Restaurant am Pulsnitzer Schlosspark ist eine gute Adresse. Jetzt übernimmt der Ex-Wirt vom Luisenhof das Haus.

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© Reiner Hanke

Von Reiner Hanke

Pulsnitz. Vom Balkon Dresdens an den Schlosspark in Pulsnitz. Mit Armin Schumann, dem Ex-Luisenhofwirt, kommt einer der bekanntesten Dresdner Gastronomen nach Pulsnitz und kauft das „Café am Schlosspark“. Beschlossene Sache sei es bereits, der Notarvertrag geschlossen, sagt Noch-Inhaberin Marina Baumgart. An diesem Morgen ist es ruhig im Restaurant: „Alle Frühstücksgäste sind schon gestern abgereist“, sagt die Chefin, während in der Küche Töpfe klappern und das Mittagessen vorbereitet wird. Kaiserschmarren gibt es für die Abonnenten. Ob mit Apfel oder Kirsche ist noch nicht ganz raus.

In gut zwei Monaten zieht sich Wirtin Marina Baumgart vom Café/Restaurant „Am Schlosspark“ in Pulsnitz zurück. Die Gesundheit spiele nicht mehr mit, sagt sie. Künftig will sie Kochabende im kleineren Kreis veranstalten.
In gut zwei Monaten zieht sich Wirtin Marina Baumgart vom Café/Restaurant „Am Schlosspark“ in Pulsnitz zurück. Die Gesundheit spiele nicht mehr mit, sagt sie. Künftig will sie Kochabende im kleineren Kreis veranstalten. © privat
Armin Schumann war Wirt im Dresdner Luisenhof. Jetzt kommt er nach Pulsnitz.
Armin Schumann war Wirt im Dresdner Luisenhof. Jetzt kommt er nach Pulsnitz. © Sven Ellger

Auch in den letzten Wochen bis zum Eigentümerwechsel will die Wirtin ihre Gäste wie gewohnt mit gutbürgerlicher Küche verwöhnen. So auch mit ihrem berühmten Pulsnitzer Sauerbraten. Pfefferkuchen geben dem seinen besonderen Pfiff, aber nicht nur. Doch ihre Rezepte verrät die Wirtin nicht: „Es haben schon viele versucht, mir etwas zu entlocken“, sagt sie und lächelt geheimnisvoll. Aber die Rezepte seien ihr Kapital, das gebe sie nicht aus der Hand, sagt Marina Baumgart. „Ich habe Gäste, die bis aus Hamburg oder Rostock kommen, nur wegen des Sauerbratens.“

Abschied vom Lebenswerk

Mindestens ebenso viele Fans habe ihre Martinsgans. Außerdem komme nur Frischware in den Topf, die Pfanne oder Röhre. Vieles aus dem eigenen Garten, wie Salat, Obst und Kräuter. Marmelade mache sie selbst mit ihrem kleinen Team. Eine Köchin und eine Kellnerin gehören noch dazu, sagt die Kleindittmannsdorferin. In dem Lichtenberger Ortsteil nahm ihre gastronomische Laufbahn den Anfang. Dort hatte sie kurz nach der Wende als Quereinsteigerin die Linde übernommen. Zuvor war sie in der Sozialarbeit tätig.

Aber das Kochen sei schon immer ihre Leidenschaft gewesen, beste Voraussetzungen für den Neustart. Ab 1995 dann im eigenen neu gebauten Café am Schlosspark in Pulsnitz, mit fünf Gästezimmern und Restaurant. Ein halbes Jahr klotzen die Handwerker ran, dann konnte schon eröffnet werden: „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann muss es richtig losgehen.“

Das Restaurant sei ihr Kind, ihr Lebenswerk, sagt die Geschäftsfrau und wird ernst. Es falle ihr schwer, das alles aufzugeben. Aber sie sei zugleich glücklich, einen Nachfolger gefunden zu haben. Denn die Gesundheit spiele mit über 60 Jahren nicht mehr mit. „Nach 26 Jahren in der Gastronomie ist der Körper ausgepowert“, sagt Marina Baumgart. Darauf deutet auch ein Hinweis am Eingang hin. Sie bittet um Verständnis, dass es bei den Öffnungszeiten zu Einschränkungen wegen der Krankheit kommen könne. Es gehe einfach nicht mehr. Der Personalmangel tue das Übrige. Es seien keine Leute zu finden.

Noch bis 7. August geöffnet

Einen Ehemann habe sie nicht an ihrer Seite: „Ich habe einfach keine Zeit für Männer“, sagt sie. Das Restaurant fordere sie voll. Die Arbeit habe auch über Schicksalsschläge hinweg geholfen, wie den Verlust ihres Sohnes, sagt Marina Baumgart. Einfach sei es auch nicht gewesen, den „Richtigen“ für ihr Gasthaus zu finden. Ein Jahr lang habe sie nach einem vertrauenswürdigen Käufer gesucht. Schließlich soll ihr Lebenswerk in gute Hände kommen: „Es waren einige hier, bei denen ich kein gutes Gefühl hatte“, lässt sie durchblicken. Aber beim Ex-Luisenhofwirt, Armin Schumann, sei das anders gewesen. Sie schwärmt von seinem Können und denkt damit auch an die Pulsnitzer.

Dem Image und Bekanntheitsgrad der Stadt könne so ein namhafter Gastronom nur guttun: „Ich gebe mein Haus gern an ihn weiter.“ Auch Schumann sei nach dem Aus beim Luisenhof auf der Suche nach einem neuen Restaurant gewesen. Aber mehr in der Meißner Richtung. Letztlich habe sie der Zufall zusammengeführt: Über eine Freundin und Nachbarin der Schumanns in Dresden-Bühlau. So sei ein Flyer der Pulsnitzer Wirtin zum bekannten Koch gekommen und es funkte.

Bis zum 7. August öffnet Marina Baumgart ihr Restaurant noch. Danach ist Übergabe. Ende September wollen Armin Schumann und seine Frau Anja dann ihre „Genusswerkstatt“ in Pulsnitz eröffnen. Die Zeit bis dahin werde für den Umbau gebraucht, lässt der neue Wirt wissen. 560 Plätze standen ihm im Luisenhof zur Verfügung. In der „Genusswerkstatt“ wird es künftig etwas familiärer zugehen: Aber Restaurant und Kaminzimmer bieten immerhin auch 115 Plätze. Hinzu kommt die Terrasse.

Der Geschmack der Kindheit

„Es kribbelt ehrlich gesagt schon länger in den Fingern“, freuen sich Schumanns auf Pulsnitz. Der Koch habe viel experimentiert, zum Beispiel mit Natursauerteig und Wildschwein. „Der Geschmack meiner Kindheit“, laute das neue Konzept. Auch Schumanns werben mit Frische und Regionalität. Doch zuerst werde umgebaut, das Restaurant komplett neu eingerichtet.

Aber auch Marina Baumgart hat neue Pläne. Sie sei schon mit dem Umzug in eine neue Wohnung auf der Lichtenberger Straße in Pulsnitz beschäftigt. Dort werde sie nach einer Pause Kochabende für bis zu acht Personen veranstalten. So etwas fehle noch in der Region. Dann wird es im kleinen Kreis die Chance geben, der versierten Köchin über die Schulter zu schauen.

Jetzt, da der Abschied vom Café naht, gehen ihr auch viele Erinnerungen durch den Kopf.

Bis zu 40 Kuchen habe sie manchmal pro Woche gebacken und machte sich mit schwedischer Küche einen Namen. So schaffte sie es sogar in einen dicken Wälzer mit Porträts von Bürgern, die etwas Besonderes auf die Beine gestellt haben: „Damals habe ich metergroße Lachse selbst aus Schweden mitgebracht für meine skandinavischen Fischerabende.“ Oder die Winterzeit mit der Martinsgans. Solche Ideen seien auch immer ihr Erfolgsgeheimnis gewesen. Der neue Mann muss neue Rezepte finden. Auf die Martinsgans werden die Gäste aber vielleicht gar nicht verzichten müssen. Denn die zählte wohl bisher auch zu den Spezialitäten des neuen Wirts.