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CDU-Stadtrat hetzt im Internet gegen Ausländer

Thomas Tallacker verbreitet auf Facebook rassistische Inhalte. Der CDU-Fraktionschef sagt, es gehe ihn nichts an.

Von Anna Hoben

Bremgarten, eine Kleinstadt in der Schweiz, 6 500 Einwohner. Asylbewerber dürfen dort nicht ohne Begleitung ins Schwimmbad gehen. Das Magazin „Focus“ berichtete darüber, ein Bekannter des Meißner CDU-Stadtrates Thomas Tallacker teilte den Artikel auf seiner Facebook-Pinnwand. Darunter ein blau-weißer Daumen: „Thomas Tallacker und 10 anderen gefällt das.“ Der erste Kommentar stammt von dem CDU-Stadtrat: „Find ich gut“, schreibt er, „was wollen wir mit dem zu 90 % ungebildeten Pack was hier nur Hartz 4 kassiert und unseren Sozialstatt ausblutet.“ Die Schreibweise ist übernommen.

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Ein anderer kommentiert: „als deutscher brauchst ein Visum wenn du ins Freibad willst...“. Tallacker: „Glaub ich Dir, fast so schön wie Berlin. Fremder im eigenen Land, die sollten untergebracht werden wo die Gutmenschen Ihre Kinder zur Schule bringen und auch wohnen.“ An einer anderen Stelle kommentiert der Stadtrat ein womöglich mit Photoshop bearbeitetes Bild eines Preisschildes, auf dem ein „Negerkäfig“ angeboten wird, mit den Worten: „Artgerechte Haltung.“

Auch auf seinem eigenen Facebook-Profil verbreitet Thomas Tallacker Kommentare mit hetzerischem und rassistischem, insbesondere islamfeindlichem Inhalt. Am 3. August postet er einen Artikel der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“. Es geht um zwei Vorfälle: In einem Berliner Schwimmbad hatten Jugendliche einen Bademeister bedroht. An einem Badesee hatte ein Mann einen anderen mit einem Messer niedergestochen, das Opfer musste notoperiert werden. Angaben zur Herkunft der Täter macht der Artikel nicht. Tallacker aber kommentiert: „Bestimmt wieder ein in seiner Entwicklung gestörter oder halbverhungerter Ramadan Türke = Freispruch, siehe Schläger vom Alexanderplatz.“

Auf Anfrage der SZ sagt Thomas Tallacker: „Es ist mir bewusst, dass jeder das lesen kann.“ Er stehe zu seiner Meinung. Viel mehr will er nicht sagen. Nur so viel lässt er sich in dem kurzen Handygespräch aus dem Urlaub entlocken: „Ich bin jetzt hier in Holland, da muss ich mich auch anpassen und kann mich nicht benehmen wie die Axt im Walde.“

Auf seinem Facebook-Profilbild trägt Thomas Tallacker eine schwarze Brille und sieht aus, als würde er die Zähne fletschen. Bis gestern Nachmittag war fast alles auf seinem Profil öffentlich, es konnte also jeder sehen, was er dort schrieb. So hat er auch einmal einen Artikel der „Jungen Freiheit“ geteilt, die von Politikwissenschaftlern zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus eingeordnet wird. Man erfuhr, welche Facebook-Seiten ihm gefallen, zum Beispiel „Kostenloser Koran – nein Danke.“ Oder „Deutschlands Einzelfälle“, eine Seite, die ein „Schema der Gewalt“ aufzeigen will hinter „Gewalttaten durch Ausländer und Migranten“.

Der CDU-Fraktionschef im Stadtrat Falk Werner Orgus sagt zu all dem lapidar: „Ich bin doch nicht sein Daddy.“ So lange sie nicht Meißens Politik beträfen, gingen die Kommentare ihn nichts an. Er wolle aber mit Tallacker sprechen. Der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) sagt, die Stadt, er selbst, viele Meißner Gewerbetreibende und Touristiker stünden für Toleranz und Respekt gegenüber anderen Kulturen. „Ich finde es ekelhaft, dass solche Äußerungen durch einen Stadtrat öffentlich verbreitet werden.“