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Chirurgie mit Tricks und Kniffen

Im Neustädter Klinikum nutzt Chefarzt Jan Heineck die Lappenplastik. Die kann Amputationen verhindern.

Von Juliane Richter

Das Humpeln ist Andreas Böses ständiger Begleiter geworden. Doch obwohl er erst 34 Jahre alt ist, kann er die körperliche Einschränkung gut akzeptieren. Die Alternative wäre ein Leben ohne linken Fuß. „An anderen Kliniken hätte man mir den Unterschenkel wahrscheinlich amputiert“, sagt er. Im September vergangenen Jahres war sein Fuß im Urlaub in Kolumbien plötzlich und ohne erkennbaren Grund angeschwollen.

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Im Neustädter Klinikum ergaben die Untersuchungen schnell, dass sich dort eine hartnäckige Entzündung festgesetzt hat. Die Ursache dafür liegt fast 20 Jahre zurück. Als Teenager hatte sich Andreas Böse bei einem schweren Unfall das komplette Fersenbein zertrümmert. Offenbar war diese Verletzung trotz einer umfangreichen Operation nie komplett ausgeheilt. Nun hat sich Chirurg und Chefarzt Jan Heineck, kurz nachdem er vom Dresdner Uniklinikum an das städtische Krankenhaus gewechselt ist, mit dem Fall beschäftigt.

Zement im Fuß

In einem ersten Schritt hat er die entzündeten Knochenteile aus dem Fuß entfernt. An deren Stelle hat er dann zwischenzeitlich eine besondere Art von Zement in die restliche Knochenstruktur gefüllt. Der Zement sollte über das Absondern spezieller Medikamente weiter beim Abheilen der Entzündung helfen. „Letztendlich war noch genügend Knochenstruktur vorhanden. Das Problem an dem Fall war aber, den Weichdefekt zu schließen“, sagt Heineck. Denn die über den Knochen liegenden Muskel- und Hautschichten hatten durch die Entzündung stark gelitten. Das Loch, das nach den ersten Operationen beinahe die Größe einer Zwei-Euro-Münze hatte, wäre von allein niemals zugewachsen. Das hätte auf kurz oder lang die Amputation bedeutet.

„Diese Vorstellung hat mir eine Heidenangst gemacht. Das wollte ich wirklich nicht“, sagt Böse. Chefarzt Heineck kann diese Sorgen verstehen – weiß aber auch, dass die Amputation eines Fußes in bestimmten Fällen eine „gute Lösung“ sein kann. „Es gibt mittlerweile sehr gute Prothesen. Ein junger, kräftiger Mann kann das Laufen damit so gut lernen, dass man nicht erkennt, dass ihm ein Fuß fehlt“, so der 46-Jährige. Statt jahrelanger Behandlungen im Krankenhaus, die oft zu psychischen Problemen führen, könne der Patient dadurch relativ schnell wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das ist jedoch ein Weg, den Andreas Böse unbedingt vermeiden wollte.

Aus diesem Grund hat sich Chefarzt Heineck dazu entschieden, die große Fußwunde mithilfe der Lappenplastik zu schließen. Die hat er in seiner Zeit am Uniklinikum wiederholt bei derart komplizierten Fällen angewendet. Dabei wird von einem anderen Teil des Körpers Gewebe genommen und auf die zu schließende Stelle gesetzt. Im Fall von Andreas Böse hat sich der Chirurg für einen kleinen Lappen aus der Wade desselben Beins entschieden. Den hat er jedoch nicht einfach herausgeschnitten und auf die Wunde genäht. Vielmehr hat er die nötigen Gewebeschichten freigelegt und abgenommen, dabei aber stets über ein großes Blutgefäß die Verbindung zum Körper gehalten. Durch die Ferse hindurch hat er den Lappen schließlich gefädelt und auf der großen Fleischwunde aufgenäht. Mittlerweile ist der Lappen gut angewachsen und die Entzündung ist verschwunden.

Mit Glück wieder aufs Snowboard

Die erste Zeit nach den Operationen hatte Andreas Böse jedoch mit sehr starken Schmerzen zu kämpfen. Regelmäßig musste er zum Desinfizieren und Verbinden der Wunde wieder ins Krankenhaus. „Aber trotz der schweren Verletzung war ich nie länger als zwei oder drei Wochen am Stück in der Klinik“, sagt der 34-Jährige. Mithilfe von Physiotherapiesitzungen und Einlagen für den Schuh hat er den Fuß langsam wieder stabilisiert. Als Nächstes, wenn die letzten Schwellungen abgeklungen sind, will er sich noch orthopädische Schuhe anfertigen lassen. Obwohl Andreas Böse es ruhig angehen lässt, hat er auch wieder sportliche Ziele: „Radfahren geht schon wieder gut. Und im Fitnessstudio habe ich mich auch angemeldet. Im Winter will ich dann gern wieder Snowboarden.“ Chefarzt Heineck stimmt nickend zu. Ja, nach der schrittweisen Belastung sei das wieder möglich.