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Rückkehr zu den Bürgern für Freital

Alexander Frenzel wechselt von den Freien Wählern zu seinen politischen Wurzeln. Seine neue Fraktion gewinnt damit nicht nur einen Sitz im Stadtrat.

Politische Wiedervereinigung: Alexander Frenzel (re.) und Lars Tschirner, Fraktions-Chef der Bürger für Freital.
Politische Wiedervereinigung: Alexander Frenzel (re.) und Lars Tschirner, Fraktions-Chef der Bürger für Freital. © Egbert Kamprath

Nach den Parteiaustritten bei der CDU und den Querelen bei den Freien Wählern kommen in diesen Tagen auf den Stadtrat Freital wichtige personelle Entscheidungen zu. Den Anfang macht nun Alexander Frenzel. Er war im Juni von seiner Fraktion, den Freien Wählern Freital, ausgeschlossen worden. Ohne Frenzels Wissen verkündete Fraktions-Chef Frank Gliemann in der Ratssitzung am 2. Juli die Trennung. Als Grund wurden zahlreiche Meinungsverschiedenheiten angegeben. Die Freien Wähler warfen Frenzel zudem vor, mehrfach Alleingänge unternommen zu haben. Frenzel galt von daher in den vergangenen Wochen als fraktionslos. Diese Phase ist nun vorbei. 

"Ich schließe mich den Bürgern für Freital an", erklärte der Unternehmer aus dem Stadtteil Niederhäslich. Für Frenzel und die parteilose Wählervereinigung ist es ein Comeback. Frenzel begann seine politische Karriere einst bei den Bürgern für Freital. 2014 wurde er in den Stadtrat gewählt. Damals waren die Bürger so erfolgreich, dass sie acht Sitze eroberten. Allerdings währte die Freude nicht lange. Intern entstanden Spannungen, die 2015 zum Bruch führten. Alexander Frenzel, Frank Gliemann, Claudia Mihály-Anastasio und Uwe Jonas verließen die Fraktion und gründeten die Freien Wähler. Nun kehrt Frenzel zu den Bürgern zurück. Den Oberbürgermeister habe er darüber informiert, erklärte der Lokalpolitiker.

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Mit dem Fraktionswechsel einher gehen auch Veränderungen in der Besetzung der Ausschüsse und Aufsichtsräte. Über deren Zusammensetzung wird der Stadtrat dann in der Oktober-Sitzung entscheiden müssen. Den Bürgern für Freital, deren Fraktionsvorsitzender Lars Tschirner ist,  dürfte die Entwicklung nur recht sein. Mit vier Abgeordneten im Freitaler Rathaus sind sie nun schlagkräftiger und können auch wieder Aufsichtsräte mit besetzen. Dazu reichten die bisher drei Mandate nicht aus. Sächsische.de sprach mit Lars Tschirner und Alexander Frenzel über die neue Konstellation in den Reihen der Bürger für Freital und die künftige Arbeit im Stadtrat.

Herr Frenzel, sind Sie mit offenen Armen empfangen worden?

Ja, wir haben uns zusammengesetzt und wunderbar miteinander diskutiert. Diese offene Gesprächskultur hatte ich bei den Freien Wählern zuletzt vermisst. Bereits seit der Wahl 2019 war ich bei den Freien Wählern nicht mehr zufrieden und habe über eine Trennung nachgedacht. Aber ich habe gezögert, schließlich hatte ich die Freien Wähler mitgegründet. Da geht man nicht so einfach. Als dann der Knall kam, spürte ich vor allem Erleichterung. Die Bürger für Freital kamen dann auf mich zu. Andererseits hätte ich dort angefragt - insofern passt es. 

Herr Tschirner, war es schwer für Sie, Ihre Mitstreiter von Alexander Frenzel zu überzeugen? Immerhin gab es vor fünf Jahren einen Bruch.

Ich habe mich mit meinen Fraktionskollegen zusammengesetzt und wir haben einstimmig beschlossen, dass wir ihn gerne wieder aufnehmen. Auch in der großen Runde haben wir uns ausgetauscht, keiner hatte Einwände. Alexander Frenzel ist ein bürgernaher Typ, der sich ganz viel in Niederhäslich engagiert. Dabei schaut er auch nicht auf die Uhr, obwohl er als Unternehmer genug Arbeit hat. Für solche Menschen sind wir immer offen und freuen uns über jeden, der Ideen hat, Lösungen einbringt und bei uns mitwirken möchte. Und dass wir uns vor fünf Jahren getrennt haben - ja, das war so. Aber das ist Geschichte. Wir wollen jetzt keine Schlammschlacht mit den Freien Wählern. Wir haben uns die Situation so nicht ausgesucht, aber nun wollen wir sie nutzen. Besser ist es für alle, jetzt nach vorn zu schauen, denn es gibt genügend Probleme in Freital, die wir anpacken möchten.

An welche Probleme denken Sie da insbesondere?

Tschirner: An die Kitaplatz-Misere zum Beispiel. Die müssen wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den Griff bekommen. Wir haben den Kita-Ausschuss ins Rollen gebracht, nun müssen wir Lösungen für die Familien ohne Kita-Platz finden. Unser oberstes Ziel ist es, eine familienfreundliche Stadt zu sein. Wir freuen uns über Zuzug, über junges Leben in Freital. Dafür müssen wir die Rahmenbedingungen aber noch verbessern. Und bald ist das Jahr auch schon wieder vorbei, dann muss die Stadt einen neuen Haushaltsplan aufstellen. Und wenn wir jetzt einen Stadtrat mehr in unseren Reihen haben, ist das doch gut für uns.

Frenzel: Ein familienfreundliches Freital - das war auch immer eines meiner Themen. Dann wäre da noch die Sanierung des BC. Ganz wichtig ist mir auch der Bau der neuen Feuerwache in Döhlen. Da muss die beste Lösung her, die Freital bekommen kann. Also, ich persönlich verspüre eine gewisse Euphorie und Freude, mich mit all dem auseinanderzusetzen und habe schon richtig Lust auf die nächste Stadtratssitzung.

Das klingt nach viel neuem Schwung in Ihrer Fraktion, Herr Tschirner. 

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Ich denke, dass man das merken wird. Alexander Frenzel ist ja auch Kreisrat, was uns wiederum helfen wird, Einblicke in die Arbeit des Kreistags und gewisse Vorgänge zu bekommen. Ich möchte aber betonen, dass wir keine Konkurrenzsituation im Stadtrat schaffen wollen. Letztendlich geht es darum, dass sich alle Stadträte gemeinsam für das Wohl der Stadt und der Bürger einsetzen. Die anderen Fraktionen sind für mich keine Gegner. Deswegen wünsche ich mir auch, dass jetzt alle Fraktionen ihre Personaldebatten so schnell wie möglich zu Ende führen. Dann können wir Stadträte uns alle miteinander auch wieder auf unsere eigentliche Aufgabe konzentrieren und in Ruhe arbeiten.     

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