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Corona-Angst: Kann ich den Urlaub jetzt stornieren?

Eine SZ-Umfrage zeigt: Veranstalter reagieren unterschiedlich kulant auf die Ausbreitung des Coronavirus. Ein Rücktrittsrecht besteht nur in einem Fall.

Das Coronavirus reist um die Welt – und damit die Sorge vor einer Pandemie. Hier misst eine Flughafenmitarbeiterin in Debrecen (Ungarn) bei einer Passagierin die Körpertemperatur.
Das Coronavirus reist um die Welt – und damit die Sorge vor einer Pandemie. Hier misst eine Flughafenmitarbeiterin in Debrecen (Ungarn) bei einer Passagierin die Körpertemperatur. © Zsolt Czegledi/MTI/AP/dpa

Gestern China, morgen die ganze Welt? Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus und hat inzwischen rund 30 Länder erfasst. Die Angst vor einer Infektion bringt auch die Urlaubspläne vieler Menschen durcheinander. Wie ist die allgemeine Rechtslage? Und wie gehen Reiseveranstalter damit um?

Die Rechtslage

Reiseangst allein begründet noch kein Rücktrittsrecht. Entscheidend ist vielmehr, ob das Auswärtige Amt eine Reisewarnung herausgegeben hat. Derzeit ist das nur für die chinesische Provinz Hubei der Fall. Zusätzlich wird von nicht notwendigen Reisen nach China bis auf weiteres abgeraten. Wer eine Pauschalreise in die Region Hubei gebucht hat, kann diese kostenfrei stornieren, erklärt die Verbraucherzentrale. Wurden Anreise und Unterkunft separat gebucht, kann man von der Fluggesellschaft dagegen nur Steuern und Gebühren zurückfordern – es sei denn, der Flug wurde gestrichen. Lufthansa hat alle Flüge nach China bis 28. März abgesagt und zahlt den Flugpreis zurück. Bei Hotels bleibt allenfalls die Hoffnung auf Kulanz, sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott. Für Italien empfiehlt das Auswärtige Amt, sich vor Reiseantritt bei der italienischen Auslandsvertretung zu informieren. Immerhin: Zugtickets in Italien werden derzeit kostenlos erstattet – entweder bar oder als Voucher.

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Die Reiseveranstalter haben auf die neue Situation reagiert und bestimmte Reisen abgesagt – allerdings in verschiedenen Regionen und mit unterschiedlichem Zeithorizont, wie unsere Umfrage zeigt.

Tui

Deutschlands größter Reiseveranstalter bietet seinen deutschen Kunden eine gebührenfreie Umbuchung oder Stornierung ihrer Chinareise für Anreisen bis einschließlich 31. März an. Für Neubuchungen gelte zudem ein Buchungsstopp; das Rundreiseprogramm sei ebenfalls vorläufig ausgesetzt, teilte Pressesprecherin Anja Braun mit. In Italien biete die Tui keine Programme in die betroffenen Regionen an. Reisen in die Skiregionen fänden regulär statt. Auf Teneriffa habe man für das Hotel H10 Palace Costa Adeje für alle Anreisen bis einschließlich 13. März einen Buchungsstopp gesetzt. Bereits gebuchte Gäste würden auf andere Hotels umgebucht. „Wir beobachten die Situation weiterhin genau und stehen in engem Kontakt mit dem Hotel und den örtlichen Behörden“, so Braun.

DER Touristik

Die DER Touristik vereint mehrere Veranstalter unter einem Dach, darunter Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen. Diese haben Reisen nach China bis zum 30. April vorsorglich abgesagt. Für Hongkong gibt es die Möglichkeit der kostenlosen Umbuchung und Stornierung für Reisen bis 30. April 2020. Wenn sich das Virus weiter verbreitet, bietet die DER Touristik ein Sonderkündigungs- und Umbuchungsrecht an. Dieses gilt mit einer Frist von 15 Werktagen vor Abreise für alle zwischen dem 1. Februar und 31. März 2020 gebuchten Reisen nach China, Indonesien, Japan, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam im Reisezeitraum 1. April bis 30. August 2020.

„In Italien haben wir in den betroffenen Regionen derzeit keine Gäste“, sagte Sprecherin Angela de Sando. Mailand-Gästen mit Anreisen bis zum 28. Februar biete man aus Kulanz kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Ob die Absage des Karnevals in Venedig ein Grund für eine Reisepreisminderung ist, prüfe man jeweils individuell.

FTI

Buchungen mit Rundreisen nach China – auch länderübergreifend – bis einschließlich 30. April 2020 würden vor Reiseantritt abgesagt, teilte Cristina Krenzer von FTI mit. „Zudem informieren wir unsere Gäste proaktiv über verschärfte Einreisebestimmungen, die aktuell in vielen Ländern (hauptsächlich Asien und Ozeanien, vereinzelt aber auch Nordamerika und Karibik) gelten.“ Sollten Gäste aufgrund dessen nicht einreisen können, dürfen sie kostenfrei umbuchen oder stornieren. Grundsätzlich orientiere man sich an den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes, der WHO sowie des Robert-Koch-Instituts und stehe in ständigen Austausch mit den Kollegen vor Ort.

SZ-Reisen

Der Veranstalter habe jetzt und in absehbarer Zeit keine Kunden in den betroffenen Gebieten in China und Italien, informierte Geschäftsführer Axel Schmidt. Generell orientiere man sich an den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes.

Aida Cruises

In Japan wurde ein kompletter Luxusliner unter Quarantäne gestellt, andere Schiffe durften nicht wie geplant anlegen – so auch die „Aidavita“. Sie beendete ihre Tour durch Südostasien mehr als eine Woche früher in Thailand, allerdings als reine Vorsichtsmaßnahme: „Es gab bis heute keinen Verdachtsfall oder bestätigten Fall von Coronavirus an Bord eines Aida-Schiffes“, erklärte Sprecherin Nadine Maraschi.

Ungeachtet dessen hatte sich Aida Cruises Mitte Februar dazu entschieden, die aktuelle Asien-Saison von „Aidavita“ und „Aidabella“ vorzeitig zu beenden. Insbesondere die weitere Ausbreitung des Coronavirus in China und die daraus resultierenden Reiseeinschränkungen verschiedener asiatischer Länder hätten das Unternehmen zu diesem Schritt veranlasst. Allen betroffenen Gästen werde der Reisepreis erstattet und das Angebot alternativer Urlaubsmöglichkeiten aus dem Aida-Reiseprogramm unterbreitet.

Regulär hätte das Programm beider Schiffe bis April gedauert. Die „Aidabella“ wird stattdessen ab 10. März das westliche Mittelmeer ab Palma de Mallorca bereisen. Die „Aidavita“ wird am 7. und 16. März ab Dubai verschiedene Ziele zwischen Oman und Katar ansteuern.

TUI Cruises

Die „Mein Schiff 6“ ist zurzeit in Südostasien unterwegs. Auf der Fahrt von/nach Singapur steuert sie wie geplant Häfen in Thailand, Vietnam und Malaysia an. Dieser Route folgt auch die nächste Tour. Ursprünglich sollte dabei auch Hongkong angelaufen werden. „Alle Gäste dieser Reise sowie unsere Vertriebspartner wurden über die Änderungen informiert“, schrieb das Unternehmen.

Basis für Stornierungen oder Umbuchungen seien die allgemeinen Geschäftsbedingungen. „Grundsätzlich berücksichtigen wir selbstverständlich die offiziellen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes“, so Sprecherin Friederike Grönemeyer. Daher hatten alle Gäste die Möglichkeit, entweder die angepasste Reise ohne Hongkong zu einem vergünstigten Reisepreis anzutreten oder die Reise kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. Auf der gesamten Mein-Schiff-Flotte habe es bisher keinen Verdacht auf das Coronavirus gegeben. „Sollte sich die aktuelle Situation verändern und nur das geringste Sicherheitsrisiko bestehen, werden wir die Lage neu bewerten.“

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Der Sprecherin zufolge verschärften immer mehr Häfen weltweit ihre Einreisebestimmungen. Dies erfolge teilweise sehr kurzfristig und willkürlich – und führe vereinzelt dazu, dass Kreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen dürfen. Vor diesem Hintergrund habe man die Vorsichtsmaßnahmen angepasst. Damit dürfen Gäste und Besatzungsmitglieder, die in den letzten 30 Tagen vor Reisbeginn selbst nach China (inklusive Hongkong und Macao), Südkorea, Iran sowie Venetien und Lombardei (Italien) gereist sind oder dortige Flughäfen als Transit genutzt haben, nicht an Bord gehen. Zudem seien vorsorglich die Hygiene-Maßnahmen auf allen Schiffen erweitert worden. Alle Gäste werden beim Check-in gebeten, einen Fragebogen zum aktuellen Gesundheitszustand und Reiseverhalten der letzten vier Wochen auszufüllen. Gäste der „Mein Schiff 6“ würden auf Nachfrage mit Atemschutzmasken versorgt.