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Corona bremst den Bierfluss

Die Pandemie bringt das Geschäft der heimischen Brauereien ins Stocken. Manch teure Investition erweist sich als Problem.

Steffen Dittmar lenkt seine Bergquell-Brauerei durch die Corona-Krise.
Steffen Dittmar lenkt seine Bergquell-Brauerei durch die Corona-Krise. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Sommerzeit ist Bierzeit. Doch der diesjährige Corona-Sommer schlägt den heimischen Brauereien mächtig ins Kontor. Denn zig Anlässe, zu denen die Menschen gerne ein "kühles Blondes" - oder auch ein Schwarzbier - trinken, fallen in diesem Jahr einfach aus. Wie die Löbauer Bergquell-Brauerei und die Privatbrauerei Eibau durch die Krise steuern.

Wenn die ersten kräftigen Sonnenstrahlen des Frühlings das Land aus der Winterruhe wecken, dann fängt auch das Geschäft für die Brauereien an zu brummen. Doch im Frühjahr dieses Jahres lag das Land noch in erzwungener Corona-Quarantäne. Geschäfte und Gaststätten dicht. An öffentliche Feste gar nicht zu denken. Heimisches Bier, das gab's allenfalls im Supermarkt und bei Getränkehändlern zu kaufen.

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"Was uns fehlt sind die Volksfeste und der Fassbierabsatz über die Gaststätten", sagt Bergquell-Bräu Steffen Dittmar. Denn so viel Bier wie da gezapft wird, können die Menschen daheim gar nicht trinken - oder wollen es jedenfalls nicht. "Was wir da eingebüßt haben, holt die Flasche nicht wieder rein", sagt Dittmar - auch wenn Flaschenabfüllung und Verkauf über den Handel kontinuierlich gelaufen seien.

Leergutmangel macht Sorgen

Steffen Dittmar hat mit seinem Unternehmen allerdings genügend Reserven. Deshalb steht für ihn in dieser Zeit auch etwas anderes im Vordergrund: "Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Gesundheit der Mitarbeiter", sagt er. Und Abfüllung und Absatz seien jedenfalls so stabil gewesen, dass er kaum Kurzarbeit habe fahren müssen. Auch eine "Corona-Prämie" hat Dittmar an alle Mitarbeiter ausgezahlt. "Damit wollte ich ein kleines Dankeschön sagen", erklärt er.

Gleichwohl gibt's noch ein anderes Problem, das viele Brauereien haben: den Leergut-Rücklauf. Viele Kunden sitzen regelrecht auf ihren leeren Bierkästen. Und das Leergut ist im Wortsinn der Flaschenhals der Produktion: Ohne Leegrut keine Abfüllung. "Brauereien müssen besonders im Sommer oft Aufrufe starten, dass die Leute ihr Leergut zurückbringen", sagt Steffen Dittmar. Er habe deswegen vorgesorgt und rechtzeitig große Mengen Glasflaschen vom Hersteller geordert. 

Ein Exportversuch mit Russland

Steffen Dittmar hatte während der Schließzeit der Gastronomie auch das Fassbier von seinen Wirten zurückgenommen und in der Sächsischen Spirituosen-Manufaktur daraus einen haltbaren Bierbrand brennen lassen. "Der lagert jetzt ein Jahr und kommt dann in den Verkauf sagt er. Den Bierbrand gibt's schon länger - wenngleich vom Jahrgang 2020 in viel größerer Menge.

Ein bisschen Kummer hat Steffen Dittmar noch mit Blick auf das nächste Jahr. "Was uns ängstigt, ist das drohende Karnevalsverbot", sagt er. Denn die Feiern und Veranstaltungen sorgen stets für ein Vorfrühlings-Hoch. Optimistischer sieht er den Sommer. "2021 feiert Löbau 800. Stadtgeburtstag und Bergquell den 175.. Das wollen wir gemeinsam feiern", sagt er. Das jährliche Brauereifest solle dann vom Brauerei-Gelände in die Messehalle verlegt werden.

Einen Versuchsballon startete Dittmar mit einem Exportprojekt. "Ein russischer Großhändler wollte Bergquell haben. Ich habe 20 Paletten mit verschiedenen Sorten verschickt", erzählt er. Fast mehr Aufweand, als es einbringt. "Wir mussten die Etiketten ins Russische übersetzen und drucken lassen", sagt er. Schon seit Längerem verkaufe er auch ein bisschen nach Tschechien und Polen. "Viele Brauer suchen jetzt ihr Heil im Ausland", sagt Dittmar - er konzentriere sich weiterhin auf den heimischen Markt.

Im China-Geschäft läuft's nicht

Das Heil im Ausland - die Privatbrauerei Eibau suchte es schon 2010, vor allem in Fernost. 2014 investierte das Unternehmen in eine 2,5 Millionen teure Dosen-Abfüllung. Doch dieses Heil hat aktuell offensichtlich ein erhebliches Aua. "Manche Länder schwächeln noch, zum Beispiel China, das merken wir schon", sagt Chefin Julia Böhmer. In der Brauerei herrscht noch Kurzarbeit. Wie viele Mitarbeiter das betrifft und andere Zahlen will Böhmer nicht nennen. Aber mit ihrer teuren Dosenabfüllung ist die Brauerei komplett abhängig vom Export. "Das Bier, das wir hier in Dosen abfüllen, geht zu 99,8 Prozent ins Ausland", sagte Julia Böhmer 2019 gegenüber SZ.

Weil die Anlage mit einer Abfüll-Kapazität von 15.000 Dosen pro Stunde aber nicht ausgelastet ist, füllt Julia Böhmer seit 2019 darauf auch Bier der Schlossbrauerei Frydlant (Friedland) bei Liberec in 260-Hektoliter-Chargen (26.000 Liter) ab. Weitere Lohnabfüllungen für Fremdbrauereien kommen für Böhmer indes nicht infrage, auch wenn die Anlage nicht voll ausgelastet ist. Anfragen von Brauereinen habe es gegeben, aber: "Zum einen wären die verlangten Mengen problematisch, zum anderen wollen wir uns preislich nicht fügen", sagt sie und meint, sie wolle sich keinesfalls dem enormen Preisdruck von Discounterbieren aussetzen.

Julia Böhmer leitet die Eibauer Privatbrauerei. Einen guten Teil des Ausstoßes füllt sie für den Export nach Fernost in Doensbier ab.
Julia Böhmer leitet die Eibauer Privatbrauerei. Einen guten Teil des Ausstoßes füllt sie für den Export nach Fernost in Doensbier ab. ©  Archiv: Matthias Weber

Ruinöser Preiskampf im Handel

Der Preiswettbewerb im Handel macht auch der Eibauer Brauerei durchaus zu schaffen - zumal wegen des in diesem Jahr dezimierten Fassbier-Absatzes. "Als das Fassbier zu 100 Prozent weggefallen ist, konnten wir das natürlich mit dem Flaschenbier nicht auffangen", sagt Julia Böhmer. Besonders zu Anfang der Corona-Krise habe es zwar ein spürbares Absatzplus an Flaschenbier gegeben, das sei aber wieder abgeflacht. 

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Das Problem für Brauereien, besonders kleinere im Handel: Die Kunden sind immer weniger markentreu. Sie kaufen zum Beispiel nicht immer "ihr" Eibauer - sondern das Bier, das gerade im Angebot ist. Supermärkte nutzen preisreduziertes Markenbier als Lockangebot. Mega-Brauereien können diesen Preiskampf mitgehen, kleinere nicht. "Ich würde mir wünschen, dass wir im Handel eine Preisentwicklung bekommen, die den Kosten gerecht wird", sagt Julia Böhmer. Für mittelständische Unternehmen sei es schwer, das Preisniveau zu halten. Und mitunter handelt Julia Böhmer auch gegen den zerstörerischen Preiskampf: "Vor ein paar Jahren haben wir uns konsequent von Kaufland getrennt, weil wir diese Preispolitik nicht mitgehen konnten." 

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