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Dresdner Gastronom: "Wie ins Knie geschossen"

Dresdner Wirte fürchten durch die Schließungen aufgrund der Corona-Krise um ihre Existenz. Die Entscheidung der Politik können viele nicht verstehen.

Burgerheart-Chef Christian von Canal.
Burgerheart-Chef Christian von Canal. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Seit Wochen sind alle Restaurants und Bars wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Dresden zu. Für die Wirte eine wirtschaftliche Katastrophe. Auch wenn es jetzt immer mehr Lockerungen gibt, die Gastronomen dürfen weiter ihren normalen Betrieb nicht wieder aufnehmen, sondern nur liefern oder ihre Speisen und Getränke zum Mitnehmen verkaufen. 

"Es ist einfach traurig und ich fühle mich wie ins Knie geschossen", sagt Christian von Canal, der unter anderem das Burgerheart auf der Louisenstraße in der Neustadt führt. Er bietet, wie schon vor der Corona-Krise, seine Burger, Pommes und Co. auch zum Liefern und Abholen an. "Das wird auch sehr gut angenommen, aber es ersetzt natürlich den Umsatz wie im Normalbetrieb nicht", sagt er. 

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Bei dem Lieferservice müsse er genau auf die Kosten achten, damit überhaupt etwas Geld hängen bleibe. "Ich biete den Dienst natürlich an, um Geld zu verdienen, aber auch damit meine Mitarbeiter wenigstens ein paar Stunden arbeiten können und ich sie nicht alle auf Kurzarbeit null setzen muss", so Canal. Er ist jetzt sehr gespannt, ob und wann er wieder aufmachen kann und wie die Gäste dann die Vorschriften annehmen. "Wer geht denn mit Mundschutz essen? Das stelle ich mir schwierig vor", betont er.

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Ähnlich geht es Ina Giuffrida aus dem Lokal Delizia auf dem Weißen Hirsch. Auch sie bietet für ihre Gäste italienische Speisen wie Pizza und Pasta zum Abholen an. "Das deckt die Kosten nicht", so die Wirtin, die deutliche Worte für ihre Situation findet: "Die Lage ist beschissen und so langsam geht einem echt die Kraft auf." Sie versteht nicht, warum die Lokale nicht öffnen dürfen. "Wir können die Hygienstandards gut einhalten und Masken und Handschuhe tragen", sagt sie. Sie hat in ihrer Gaststätte auf der Bautzner Landstraße extra einen Luftraumreiniger einbauen lassen. 

"Eine Öffnung nur in Teilbereichen, wie sie diskutiert wird, wäre das Ende der Gastronomie" sagt Hofewiese-Wirt Holger Zastrow. "Das würde das Sterben nur verlängern." Wenn, müsse die Gastronomie komplett geöffnet werden.

Den Straßenverkauf können Gastronomen noch mit relativ wenig Aufwand regeln. Wenn aber nur jeder zweite Tisch besetzt werden solle, funktioniere es laut Zastrow nicht mehr. "Das Personal muss aus der Kurzarbeit geholt werden, wir haben sofort die kompletten Kosten, aber nur geringe Einnahmen." Zastrow denkt, die Politiker seien mit den Schließungen über das Ziel geschossen und wollen nun zurück. "Es zeigt sich aber erneut, dass Politiker keine Ahnung vom wirklichen Leben haben." Zastrow ist selbst Stadtrat und FDP-Fraktionschef, damit ehrenamtlicher Politiker. 

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Gerade erst geöffnet und dann schon wieder geschlossen, so erging es Martin Walther vom Cafe Heiderand. Er hatte am 1. Februar das Café von seinen Eltern übernommen. Nur wenige Wochen durfte er am Ullersdorfer Platz öffnen, bevor die Corona-Verfügung kam. "Das war natürlich schwierig für uns und ich habe mir quasi über Nacht den Lieferdienst ausgedacht", sagt Walther. Er war damit einer der ersten in Dresden. "Ich habe in unseren Liefergebieten Flyer verteilt und die bargeldlose Zahlung über Paypal angeleiert", so der junge Wirt. 

Und doch erziele er damit nur rund 30 Prozent seines normalen Umsatzes. Sein Hauptpublikum in Bühlau, am Weißen Hirsch und in Rochwitz sind junge Familien, die den Spagat zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung schaffen müssen. "Manche haben jetzt schon fünf- oder sechsmal bestellt", erzählt Walther. "Wir kochen für den Lieferdienst einfache, aber leckere Gerichte wie Lammgulasch, Buletten oder Königsberger Klopse."

Gegen einen Lieferdienst entschieden hat sich Schießhaus-Wirtin Ute Stöhr. "Das lohnt sich finanziell nicht für uns, zumal man unsere Hausmannskost schlecht liefern kann", so Stöhr. Sie hat also seit Wochen ein geschlossenes Lokal mit null Einnahmen. Sie hat 26 Mitarbeiter, die alle in Kurzarbeit sind. "Besonders hart trifft es unsere Studenten, die auf 450-Euro-Basis arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen", so Stöhr. Auch ihre Vollzeit-Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit, weshalb ihnen jetzt auch die Nachtzuschläge fehlen. 

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