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Wie ein junger DJ die Corona-Pause nutzt

Die Pandemie hat die Eventbranche gebeutelt. Das spürt auch Nino Neumann aus Ebersbach, der als DJ arbeitet. Er gründete kurzerhand ein neues Standbein.

Nino Neumann arbeitet als DJ. Wegen Corona hatte er jetzt keine Auftritte mehr. Um trotzdem Arbeit zu haben, gründete er ein eigenes Musiklabel.
Nino Neumann arbeitet als DJ. Wegen Corona hatte er jetzt keine Auftritte mehr. Um trotzdem Arbeit zu haben, gründete er ein eigenes Musiklabel. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wie Robin Schulz, Felix Jaehn und andere Star-DJs Menschenmassen zum Tanzen animieren und auf Festivals für Mega-Stimmung sorgen - und damit Geld verdienen, das ist wohl ein Traum vieler Jugendlicher. Nino Neumann hat diesen Traum auch. Und er ist ihm schon ein ganzes Stück näher gekommen. 

Disco- und House-Musik habe er schon immer gern gehört, erzählt Nino, wie er zum DJ-Job kam. Videos von DJ-Auftritten und Festivals weckten sein Interesse noch mehr - und er wollte es selbst ausprobieren. Mit einfachster Technik und kostenfreier Software fing der heute 16-jährige Schüler vor ein paar Jahren daheim im Kinderzimmer an, Songs zusammenzumixen. Erste Auftritte folgten, zunächst bei kleineren, lokalen Veranstaltungen. 

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Erlaubnis vom Jugendamt

Seit 2017 legt Nino inzwischen als DJ auf. Unter dem Namen "DJ 9oh" ist er mittlerweile unterwegs in lokalen Clubs wie dem L2 in Görlitz oder im Großhennersdorfer Kulti. Aber auch in Leipzig beim "Music Snow Festival" war der 16-Jährige schon dabei. 

Als Jugendlicher spät am Abend oder mitten in der Nacht zu arbeiten, ist das denn erlaubt? Ja, sagt Nino. Er hat ein Gewerbe angemeldet für seine Arbeit als DJ und Musiker. Dazu hat aufgrund seines Alters das Jugendamt seine Zustimmung gegeben. Außerdem ist immer sein Vater mit dabei. Er fährt den bald 17-Jährigen zu den Auftritten. "Klar schlägt man sich da die Nächte um die Ohren", sagt der Papa. "Aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs." Außerdem mache das auch ihm Spaß. Schon bald macht Nino seinen Führerschein und kann dann selber fahren - allerdings mit dem Führerschein ab 17 auch erst einmal nur in Begleitung eines Erwachsenen. 

Nino ist dankbar für die Unterstützung seiner Eltern. Ohne die ginge das in so jungen Jahren nicht. Auch sein erster richtiger Controller - so heißt das DJ-Pult - der daheim im Kinderzimmer steht, war ein Geschenk der Eltern. Zu Auftritten mitnehmen muss er ihn nicht mehr. "Das läuft jetzt alles über einen USB-Stick." 

Anfangs habe er noch viel Equipment mitschleppen müssen. "Das hat der Papa dann immer getragen." Mittlerweile nimmt er seine fertig abgemischte Musik auf dem Stick mit und ein paar Kopfhörer. Mehr braucht er nicht, um Stimmung zu machen. Die Klubs stellen die restliche Technik zur Verfügung. 

Neugründung "dank" Corona

In diesem Jahr sah es mit Auftritten bisher sehr schlecht aus - wegen Corona und der Ausgangsbeschränkungen. Deswegen hatte Nino alias "DJ 9oh" in diesem Jahr kaum Auftritte, in den letzten Monaten gar keine. Die Klubs hatten geschlossen, auch Festivals fielen aus. "Die ganze Eventbranche hat es ja sehr gebeutelt. Wer weiß, wann das weitergeht." 

Nino nutzte die unfreiwilligen Corona-Ferien und entschloss sich sein eigenes Label zu gründen. Das heißt, er kann nun selbst Musikstücke herausbringen, auch von anderen Künstlern. Er bietet sie sogenannten Distributorn an, das sind zum Beispiel Anbieter wie Spotify oder Apple, die Musiktitel online verkaufen. Außerdem entwirft er das Cover für den jeweiligen Titel - auch das gehört zu den Aufgaben eines Labels.  

"Nate Records" heißt sein Label. Einen Titel von einem befreundeten DJ hat er schon rausgebracht, der hatte bislang 2,7 Millionen Hörer. 

Erstmal Abi, dann BWL-Studium

Wenn er nächstes Jahr das Abi in der Tasche hat, will Nino beruflich am liebsten in den Finanzsektor einsteigen. Ein BWL-Studium wäre sein Wunsch. Wie man mit Finanzen umgeht, hat er auch schon an seiner Schule, an der Schkola in Ebersbach gelernt. Dort hat er im "Praktischen Unterricht" in der Gruppe "kaufen und verkaufen" mitgemacht. Die Schüler organisierten eigenständig zweimal im Jahr einen kleinen Laden. "Dort habe ich viele Finanzsachen gelernt: wie man eine Rechnung schreibt oder eine Abrechnung macht zum Beispiel", erzählt Nino. Diese praktischen Aufgaben würden ihm auch sehr bei seinem eigenen kleinen Gewerbe helfen und sicher auch in der Zukunft. 

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Die Musik soll aber nicht gänzlich in den Hintergrund geraten. Er wolle natürlich auch auf dem Gebiet weiter wachsen. "Ich will junge Leute ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen", sagt Nino. Viele Jugendliche seien oft resigniert und meinen: das wird sowieso nichts. "Aber wenn man dafür kämpft und sich anstrengt, kann man das schaffen", ist er überzeugt. Er selbst sei ja das beste Beispiel. Schließlich hat er sich alles selbst beigebracht und ist dran geblieben. 

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