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Rentner von Kassiererin bloßgestellt

Aus gesundheitlichen Gründen darf der Eibauer Rentner Werner Seifert keine Corona-Maske tragen. Im Ebersbacher Kaufland kommt's deswegen zum Eklat.

Rentner Werner Seifert aus Eibau ist per Attest von der Maskenpflicht befreit - Ärger hat er deswegen trotzdem.
Rentner Werner Seifert aus Eibau ist per Attest von der Maskenpflicht befreit - Ärger hat er deswegen trotzdem. ©  Matthias Weber

Mit dem Gesundheitszustand von Werner Seifert möchte man nicht tauschen. Herz, Lunge - das alles funktioniert nicht mehr so richtig. Krebs-Operationen hat der 70-jährige Rentner aus Eibau auch schon hinter sich. Sein Arzt hat ihm daher attestiert, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nase-Schutzmaske tragen darf. Aber das kümmert noch längst nicht jeden.

"Wenn ich ein paar Minuten so eine Maske tragen muss und mein eigenes CO2 wieder einatme, dann kippe ich um", sagt Werner Seifert. "Multipel erkrankt" nennt der ehemalige Fliesenleger und langjährige Gewerkschaftssekretär sein Problem, um nicht alles aufzählen zu müssen. Nach mehreren Operation liegt seine Herzleistung nur noch bei 33 Prozent. Gelegentlich bildet sich auch Wasser in der Lunge. "Wenn's ganz schlimm kommt, muss ich gegen die Wassereinlagerungen sogar Spritzen bekommen", erzählt er. 16 verschiedene Tabletten muss er ohnehin täglich schlucken. Zur Unterstützung seiner Lungenfunktion beatmet er sich über einen Nasenschlauch auch zweimal täglich für zehn Minuten zusätzlich mit reinem Sauerstoff.

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Attest immer dabei

Müsste Seifert die in Supermärkten und Geschäften vorgeschriebene Corona-Schutzmaske tragen - es wäre für ihn eine weitere gesundheitliche Bedrohung. Ein schriftliches Attest seines Arztes Dr. Gottfried Hanzel aus Oderwitz bescheinigt Seifert daher, dass es "aus medizinischen Gründen unzumutbar ist, eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung im Sinne der SARS-CoV-2-Pandemie" zu tragen.

Dieses Attest führt Werner Seifert auch immer bei sich. "Jeden Donnerstag fahre ich zum Einkauf ins Kaufland nach Ebersbach. Dabei nehme ich auch immer eine 82-jährige Dame mit, die nicht mobil ist oder ein befreundetes Rentnerpaar aus der Nachbarschaft", erzählt der hilfsbereite Mann. Und jeden Sonnabend fährt er dann noch mal alleine ins Kaufland.

"Ich fühlte mich bloßgestellt"

Werner Seifert ist ein rechtstreuer Bürger. Er weiß um die Maskenpflicht im Handel - und handelt dementsprechend: "Wenn ich den Markt betrete, zeige ich an der Information immer mein Attest vor", sagt er. Dort bittet man ihn stets, das Attest vorzuzeigen, wenn er vom Personal auf das Fehlen seiner Maske angesprochen werde. Und die letzten Wochen und Monate habe es auch nie irgendwelche Probleme deswegen gegeben. "Wenn man dort seit Jahren einkauft, kennen einen die Beschäftigten ja auch", sagt er. Er sieht sich und andere Personen auch kein bisschen beim Einkauf gefährdet. "Ich treffe keinen Menschen, der länger als drei Sekunden bei mir steht", sagt er.

Doch am vergangenen Sonnabend eskalierte die Situation offenbar. Seifert hatte seinen Einkauf schon im Korb und kam zur Kasse. "Ich begann meine Waren auf das Band zu legen, als mich die Kassiererin schroff ansprach", berichtet er. Für alle anderen Kunden im Umkreis deutlich hörbar, habe sie laut gesagt: "Wenn Sie keine Maske tragen, bediene ich Sie nicht." Weder habe die Kassiererin ihn freundlich auf die fehlende Maske hingewiesen, noch gefragt, ob er von der Maskenpflicht befreit sei. Nach dem Vorzeigen des Attests habe er die Lage klären und seinen Einkauf beenden können.

Seifert fühlt sich nicht nur als Kunde unangemessen behandelt, sondern regelrecht diskriminiert und in der Öffentlichkeit vorgeführt und bloßgestellt. "Nach meiner Auffassung sind solche Szenen ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, auch in Corona-Zeiten", sagt er und: "Das geht auch anders." Wie es anders geht, dazu schildert er einen weiteren Vorfall an der Kaufland-Kasse wenige Tage später. "Die Kassiererin hat mich mit einer diskreten Geste an den Mund auf die fehlende Maske hingewiesen", erzählt Seifert. Nach einem kurzen Vorzeigen seines Attests sei alles in Ordnung gewesen - ohne Lärm und Diskriminierung.

Am Eingang vom Kaufland in Ebersbach weist ein Schild auf die Maskenpflicht hin.
Am Eingang vom Kaufland in Ebersbach weist ein Schild auf die Maskenpflicht hin. ©  Matthias Weber

Maskenverweigerern droht Rauswurf

Das Unternehmen Kaufland betreibt im Südkreis neben dem Markt in Ebersbach noch zwei Häuser in Zittau und eines in Löbau. Der Umgang mit dem Thema Maske ist nicht immer ganz einfach. "Auch bei uns kommt es vor, dass Kunden die Filiale ohne Mund-Nasen-Schutz betreten. Das kann an Gedankenlosigkeit liegen, an einer generellen Verweigerung oder daran, dass diese Kunden ein Attest haben, dass sie aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreit", erklärt die Konzern-Pressestelle auf SZ-Anfrage.

Kunden würden entsprechend der Sächsischen Landesverordnung auf die Maskenpflicht hingewiesen. Das Tragen einer entsprechenden Mund-Nasen-Bedeckung sei verpflichtend für den Aufenthalt in Einzelhandelsgeschäften. Die überwiegende Mehrzahl der Kunden richte sich nach dieser Verordnung und trage eine Mund-Nasen-Bedeckung. "Gegebenenfalls machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch", droht das Unternehmen auch durchaus mit Rauswurf für Masken-Verweigerer.

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Aber: "Ein ärztliches Attest wird von unseren Mitarbeitern selbstverständlich akzeptiert. Dabei ist es durchaus möglich, dass ein Kunde während eines Einkaufs mehrmals angesprochen wird. Wir bedauern, dass der Kunde sich durch die Nachfrage bloßgestellt fühlte. Das lag nicht in unserer Absicht", erklärt das Unternehmen. Die Kontrolle der Maskenpflicht sei eine "Gratwanderung". Auf der einen Seite wolle man niemanden bevormunden, auf der anderen Seite sollten sich alle Kunden beim Einkauf sicher fühlen. "Wir bitten um Ihr wohlwollendes Verständnis für die Situation unserer Kollegen in den Filialen", schreibt das Unternehmen. 

Der Kaufland-Markt in Ebersbach.
Der Kaufland-Markt in Ebersbach. ©  Matthias Weber

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