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Radeberg

Maik darf doch in den Hort gehen

Einem neunjährigen Jungen sollte in Ottendorf der Hortbesuch verwehrt werden. Grund waren Corona-Vorschriften. Nach einer SZ-Anfrage gab es eine Lösung.

Schule ja, Hortbesuch nein. Einem neunjährigen Schüler sollte die Nachmittagsbetreuung verwehrt bleiben. Dann war es plötzlich doch möglich.
Schule ja, Hortbesuch nein. Einem neunjährigen Schüler sollte die Nachmittagsbetreuung verwehrt bleiben. Dann war es plötzlich doch möglich. © Armin Weigel/dpa

Ottendorf-Okrilla. Der kleine Maik* aus Ottendorf hatte sich in den vergangenen Wochen häufig nach seinem gewohnten Schulalltag gesehnt. Aber wegen Corona waren ja auch die Schulen dicht. Als der Neunjährige jüngst erfuhr, dass er am Montag wieder zur Schule nach Radeberg kann, war seine Freude riesig gewesen. Endlich wieder raus, die Schulkameraden nach langer Zeit treffen. Danach würde es zurück in den Schulhort nach Ottendorf gehen, den er seit der ersten Klasse besucht. Doch dann gab es in der vergangenen Woche in der Gemeinde Ottendorf-Okrilla eine neue behördliche Regelung. Die hätte für Maik bedeutet: Schule ja, Hort nein.

Maik, der unter einer Lese- und Rechtschreibstörung, kurz LSR genannt, leidet, besucht in Radeberg eine Spezialschule. Eine, die aber keinen Hort für die Nachmittagsbetreuung hat. Ergo wurde er bisher immer mit anderen LRS-Schülern aus anderen Ottendorfer Ortsteilen nach der Schule an den alten Schulstandort gefahren. 

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Doch laut der behördlichen Vorgabe sollte es da mit dem Herumfahren der Kinder erst mal vorbei sein, so Maiks Mutter. Die Hortleitung habe sie davon verständigt, erklärte die Ottendorferin. Wenig später erhielt sie einen Brief der Gemeinde, dem Betreiber der Einrichtung. In dem Schreiben war unter anderem von „strengen hygienischen Auflagen in der aktuellen Lage“ die Rede. Die eine Aufnahme der LRS-Schüler in ihren alten Ottendorfer Schulstandorten ausschlössen. Was Maiks Mutter wie auch die Eltern der anderen sieben betroffenen LRS-Kinder nicht verstanden. 

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Was tun? Die Ottendorferin wandte sich hilfesuchend an die SZ. Etwas, was die Hortleiterin irritierte. Denn „wir hatten im Vorfeld dieser Entscheidung doch mit allen Eltern darüber gesprochen, da gab es keinerlei Protest“, so die Hortleiterin. Aber vielleicht hat es einen Sinneswandel gegeben, so was soll ja vorkommen, gerade in diesen unruhigen Corona-Zeiten. 

Maiks Mutter beschrieb, dass sie von den kommunalen Entscheidungsträgern „sehr enttäuscht“ sei. Zumal doch Sachsens Staatsminister Christian Piwarz (CDU), darauf wies sie hin, jüngst in einer Infobroschüre noch erklärt habe, dass „alle Eltern ab dem 18. Mai einen Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder in Horten“ haben werden. 

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Die SZ fragte bei Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald nach. Der wirkt derzeit ob des derzeitigen Öffnungswettbewerbes der Bundesländer mächtig angespannt. Folgen doch in diesen Tagen jeder weiteren angekündigten Lockerung prompt entsprechende behördliche Anordnungen, die nach Möglichkeit rasch umgesetzt werden müssen. Eine davon betraf auch die Ottendorfer LRS-Kinder. 

Natürlich sei diese Entscheidung nicht im Sinne der Kleinen und deren Eltern, so Bürgermeister Langwald. Der natürlich um die Problematik „Kitabetreuung“ in seiner Gemeinde weiß, die dort schon seit Jahren ein Dauerthema ist.

Also schloss er sich am Freitag noch einmal mit der übergeordneten Behörde, dem Kultusministerium, kurz. Nach einigen Telefonaten war klar, dass seine Intervention Erfolg hatte. Das heißt für die LRS-Schüler aus Ottendorf, dass sie von Montag an wieder einen ganz gewohnten Schulalltag haben werden. Vormittags geht es in die Schule, und nachmittags werden die Kids im Ottendorfer Schulhort mit ihren Spielkameraden herumtoben können. Maik wird es nun doppelt freuen, und klar, seine Mutter sicher auch.

*Richtiger Name der Redaktion bekannt.

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