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Dresden: Ein bisschen CSD

Eine Nummer kleiner wurde der Christopher Street Day am Samstag gefeiert. Dafür gab es ein farbenprächtiges Symbol und eine Ankündigung.

Der Kulturpalast hat am Sonnabend anlässlich des Christopher Street Days in Regenbogenfarben geleuchtet.
Der Kulturpalast hat am Sonnabend anlässlich des Christopher Street Days in Regenbogenfarben geleuchtet. © Christian Juppe

Dresden. Die Corona-Krise mag eine Hürde sein, aber keine Mauer. Anstatt den Christopher Street Day (CSD) in diesem Sommer ganz abzusagen, leuchtete am Sonnabend der Dresdner Kulturpalast in Regenbogenfarben, wehte die Regenbogenflagge vor dem Sozialministerium und zog immerhin ein Paradetruck mit lauter Partymusik durch Sachsens Landeshauptstadt. Alles eine Nummer kleiner. Aber: Einfach gar nichts zu machen, sei keine Option, stellte Ronald Zenker klar. 

Der Vorstandssprecher des Dresdner CSD-Vereins war am Morgen mit dem Vereinstruck auf Tour gegangen - an Bord unter anderem Lara Liqueur, Drag Queen-Entertainerin und einstige Oberbürgermeister-Kandidatin. Die Truppe steuerte zum Beispiel Wolle Försters Sushi & Wein, Holger Knievels Friseurstudio und das Ikea-Möbelhaus im Elbepark an. Hausbesuche sozusagen - wenn niemand zum CSD kommen darf, dann stattet der CSD denen, die sich sonst an der Demo für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und queeren Menschen beteiligen, eben einen Besuch ab. "Wir wollen mit unseren heutigen, kleinen CSD für ein bisschen Zuversicht, ein bisschen Bunt und ein bisschen gute Stimmung sorgen", so Zenker.

Die Mini-Parade endete am Abend vor dem Kulturpalast mit einer Kundgebung. "Heute werden wir den Kulturpalast in Regenbogenfarben sehen", rief Zenker den reichlich 200 Teilnehmern zu, die mit Klatschen reagierten. "Auch das ist ein Symbol, was mittlerweile in dieser Stadt und in diesem Land geht. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen."

Es schade auch niemandem, wenn vor einer Behörde - als Zeichen von Akzeptanz - eine Regenbogenfahne hänge. Ein Seitenhieb auf den seit Jahren schwelenden Flaggenstreit. Bis heute lehnt es die Stadtverwaltung ab, vorm Neuen Rathaus Regenbogenfahnen zu hissen. Stattdessen werden immer wieder andere Orte vorgeschlagen - der Goldene Reiter, die Semperoper. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) führte in den vergangenen Jahren immer wieder eine Vorschrift zur Beflaggung der sächsischen Dienstgebäude an. Es gebe eine ganze Reihe von Beflaggungswünschen. "Wenn ich einmal Tür und Tor aufmache, muss ich das immer tun", so Hilbert beim Flaggenstreit 2017.

Bemerkenswert: Justizministerin Katja Meier (Grüne) hatte vor ihrem Ministerium die Flagge gehisst. Dass dies absolut gegen gar keine Vorschrift verstoße, stellte am Freitag das Verwaltungsgericht in Dresden fest. Zuvor hatte ein Bürger einen Eilantrag eingereicht, um die Beflaggung zu verhindern. Er führte nicht nur die Vorschrift an. Er sehe auch die staatliche Neutralität, sein Grundrecht auf "negative Weltanschauung" und das Gesellschaftsbild der "heteronormativ geprägten Familie" verletzt.

Immerhin habe die Landeshauptstadt gemerkt, dass es niemandem schade, wenn ein Gebäude bunt angestrahlt werde, so Zenker. Die große CSD-Demonstration und das Straßenfest sollen übrigens nachgeholt werden. Der Vorstand nannte den 5. September als Termin. (SZ/sr)

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