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Bautzen

Corona: Verpacker schrubben Überstunden

Wegen der hohen Nachfrage haben die 160 Mitarbeiter bei Jokey in Sohland mehr zu tun als üblich. Und die Krise sorgt im Betrieb für zusätzliche Probleme.

Im Lager der Firma Jokey in Sohland stellt ein Mitarbeiter eine Palette mit Zehn-Liter-Eimern für die Lebensmittelindustrie in ein Hochregal. Der Betrieb erhält derzeit mehr Aufträge als üblicherweise im Frühjahr.
Im Lager der Firma Jokey in Sohland stellt ein Mitarbeiter eine Palette mit Zehn-Liter-Eimern für die Lebensmittelindustrie in ein Hochregal. Der Betrieb erhält derzeit mehr Aufträge als üblicherweise im Frühjahr. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Sie produzieren Eimer für Bautzner Senf und Werder-Ketchup, Becher für Käsesalat und Haselnusscreme, Dosen für Tierfutter, Behälter für Wandfarben, Badschränke und vieles mehr – die etwa 160 Mitarbeiter des Kunststoffherstellers Jokey in Sohland. Im Sekundentakt verwandeln moderne Spritzgussmaschinen heißes Granulat in Verpackungen und Schrankteile.

Darauf warten vor allem zahlreiche Lebensmittelhersteller in den ostdeutschen Bundesländern, aber auch Bau- und andere Märkte. Damit gelten die Oberlausitzer sozusagen als Ost-Experten innerhalb einer 1968 gegründeten Firmengruppe mit rund 2.000 Mitarbeitern in zwölf Ländern und Kunden in etwa 80 Ländern.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

In der weltweiten Corona-Krise sieht der Geschäftsführende Direktor Jens Stadter am Stammsitz im nordrhein-westfälischen Wipperfürth eine „besondere Verantwortung“ für die gesamte Jokey-Gruppe: „Etliche unserer Kunden sind Lebensmittelproduzenten oder Hersteller von Hygieneartikeln sowie Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Sie sind als Abfüller auf unsere Produkte ebenso angewiesen wie auf intakte Lieferketten.“ Für die Sohlander heißt das: In den jüngsten zwei, drei Wochen gingen deutlich mehr Aufträge ein als sonst im Frühjahr. Die werden auch alle zuverlässig erledigt, versichert die Werkleitung.

Elf Mitarbeiter fehlen plötzlich

Doch das klingt einfacher, als es derzeit ist. Denn praktisch über Nacht fehlten dem Betrieb elf Produktionsarbeiter aus dem nur wenige Hunderte Meter entfernten Tschechien und aus Polen. Personalchef Armin Schönfeld weiß, was die plötzlichen Einschränkungen für die Mitarbeiter aus den Nachbarländern bedeuten: „Die Tagespendler waren ziemlich verzweifelt, als es plötzlich hieß, sie könnten nicht mehr auf Arbeit kommen.“ Mit bezahlten Freistellungen und Urlaub versucht Jokey, die Zeit bis zu neuen Regierungsentscheidungen in Prag und Warschau zu überbrücken.

Und als wäre dieses Problem nicht genug, kam noch ein weiteres hinzu. Als einziges Werk der Jokey-Gruppe baut Sohland auch Badmöbel, Spiegel und Spiegelschränke. Verschiedene Montagen für diese Artikel lässt der Betrieb dabei in Werkstätten für Behinderte in der Region erledigen. Doch diese Werkstätten mussten wegen Corona schließen – und damit fehlen Jokey deren Zulieferungen für die Badmöbel.

Fehlzeiten sind auszugleichen

Für das Werk in Sohland heißt das laut Personalchef Armin Schönfeld, dass „zusätzliche Arbeitsprozesse bei uns im Unternehmen integriert“ werden mussten. „Kein ganz leichtes Unterfangen. Schließlich blicken wir auf eine langjährige Partnerschaft insbesondere mit den Oberlausitzer Werkstätten zurück. Da haben sich sehr viele Automatismen eingespielt.“ Jetzt schrubben die verbliebenen Mitarbeiter in Sohland Überstunden. „Mit viel Engagement gleichen sie die entstandenen Fehlzeiten aus, um letztlich die Versorgungssicherheit in den Supermärkten zu gewährleisten“, sagt Schönfeld.

Wenn Jokey-Chef Jens Stadter die gesamte Belegschaft als „extrem flexibel“ lobt, dann können sich davon auch und vor allem die Sohlander angesprochen fühlen. Das Werk ging 1990 aus dem ehemaligen VEB Formaplast hervor. Bis dahin liefen in den alten Werkhallen Federbälle, Spiegelschränke und Brillenetuis von den Bändern. Damals arbeiteten in dem Betrieb rund 600 Menschen.

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