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Coronavirus-Verdacht in Görlitzer Arztpraxis

Vier Patientinnen saßen mit dem Mediziner drei Stunden fest. Hilfe von außen gab's nicht. Die Behörden gaben sich ahnungslos. Jetzt gingen alle nach Hause.

Von Sebastian Beutler & Maximilian Helm
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Der Eingang zu der Görlitzer Arztpraxis.
Der Eingang zu der Görlitzer Arztpraxis. © LausitzNews.de/Jens Kaczmarek

In einer Görlitzer Allgemeinarztpraxis saßen am Freitagvormittag vier Patientinnen und der Arzt über Stunden fest.  Möglicherweise ist eine der vier Patientinnen mit dem Coronavirus infiziert. 

Die Patientin stellte sich heute früh in der Praxis auf der Biesnitzer Straße vor, weil ihr Hausarzt im Urlaub ist und wartete rund eine Stunde im Sprechzimmer gemeinsam mit den anderen Patienten, ohne dass sie ihre Leidensgeschichte dem Personal der Praxis gleich mitgeteilt hatte. 

Erst anschließend berichtete sie dem Arzt Dr. Konstantinos Georgiou, dass sie seit drei Tagen hohes Fieber bis 39,5 Grad hat, an Kopfschmerzen und  Husten leidet. Sie arbeite in einer Firma, deren Chef Italiener ist und in der vergangenen Woche  von einer Italien-Reise zurückgekehrt sei. Er soll ebenso grippe-ähnliche Symptome aufweisen.

Wie Dr. Georgiou gegenüber der SZ erklärte, habe er einen Rachenabstrich bei der Patientin genommen, der in diesen Minuten durch einen Extra-Kurier abgeholt wird. So lange der Abstrich nicht untersucht wurde, steht auch nicht fest, ob es sich tatsächlich um den Coronavirus handelt oder um eine normale Grippe.

Es gelang dem Mediziner aber nach eigener Darstellung nicht, das Görlitzer  Gesundheitsamt zu erreichen, um die Behörde über den Fall zu informieren. Das Görlitzer Landratsamt erklärte deswegen auch jetzt gegenüber der SZ, es habe von einem solchen Fall keine Kenntnis. 

Dieser Aushang hängt an der Tür zu der Görlitzer Arztpraxis. 
Dieser Aushang hängt an der Tür zu der Görlitzer Arztpraxis.  © Maximilian Helm

Georgiou wiederum schilderte telefonisch der SZ aus seiner Praxis, dass er sich nach den vergeblichen Anrufen im Görlitzer Gesundheitsamt an Stellen in Dresden gewandt hat, ohne dass ihm Hilfe in Aussicht gestellt wurde. Als er schließlich die Rettungsleitstelle anrief, damit die Patientin in ein Krankenhaus gebracht wird, wurde ihm erst ein Transport zugesichert. Nach wenigen Minuten habe die Rettungsleitstelle aber ihre Meinung geändert. Der Rat an den Arzt: Schicken Sie die Patientin nach Hause, sie soll dort isoliert werden. Die Krankenhäuser sollen wegen Grippe-Fällen voll sein.

Die Patienten haben verlassen die Praxis.
Die Patienten haben verlassen die Praxis. © Jens Kaczmarek

Gegen 12.40 Uhr verließen alle Patientinnen die Praxis und gingen nach Hause, wo sie sich isolieren sollen. Zwischenzeitlich hatte der Arzt dann doch Kontakt zum  Gesundheitsamt, das ihm riet, die Praxis in den nächsten Tagen nicht zu schließen.  Wie es weitergeht, weiß niemand. 

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