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Dachterrasse für alle

Das Haus am Zwinger in exklusiver Lage will raus aus dem Schattendasein. Im Mai sollen Mieter und Geschäfte einziehen.

© Sven Ellger

Von Lars Kühl

Der Blick in den Zwingerhof und über Dresdens Barock- und Renaissancedächer fasziniert und ist einmalig. Noch haben ihn Jürgen Dziumbla und die Bauarbeiter exklusiv. Der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Denkmalneu aus dem oberfränkischen Forchheim will das ändern und die Dachterrasse des Hauses am Zwinger allen zugänglich machen.

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Noch hat Jürgen Dziumbla, der Geschäftsführer von Denkmalneu, den Ausblick vom Dach des Hauses am Zwinger exklusiv. Das soll sich bald ändern.
Noch hat Jürgen Dziumbla, der Geschäftsführer von Denkmalneu, den Ausblick vom Dach des Hauses am Zwinger exklusiv. Das soll sich bald ändern. © Sven Ellger

Anfang 2015 habe er den grandiosen Ausblick zum ersten Mal genossen, erzählt Dziumbla vor Ort in luftiger Höhe. Wenige Monate vorher hatte die Firma das Objekt an der wiedergeschaffenen Kleinen Brüdergasse gekauft. Das Unternehmen sucht sich in Großstädten bewusst leer stehende Immobilien in bester Lage, erklärt der Geschäftsmann. Erst im Dezember habe man die alte Hauptpost in Leipzig erworben.

Im Juni 2015 haben die Umbauarbeiten des schmalen, aber 175 Meter langen Gebäudes, das auf dem Grundstück der abgerissenen Sophienkirche steht, begonnen. Der Volksmund hatte es „Advanta-Riegel“ getauft – in Anlehnung an den ersten Investor. Ehrgeiziges Ziel: Bis Ende April soll das meiste fertiggestellt sein. „Wir haben natürlich Druck, aber wir müssen das schaffen, schließlich bieten wir ab Mai unsere Ferienwohnungen zur Vermietung an“, sagt Dziumbla. Anders als beim Vorgänger, der im Objekt vor allem Büros vermieten wollte, plant Denkmalneu einen Mix aus Wohnen – auf Dauer oder begrenzt –, Arbeiten und Erholen sowie Vergnügen.

Das Konzept nennen sie „Das lebendige Haus“. Während im Erdgeschoss Restaurants, Läden, wie ein Bio-Markt und andere Geschäfte, einziehen sollen, stehen die drei Etagen darüber für Büros zur Verfügung – genau wie die drei über der zweigeschossigen Gaststätte, die den Kopfbau am Postplatz beleben soll. Mit einigen Interessenten, zum Beispiel Rechtsanwaltskanzleien, sei man sich einig, erklärt Dziumbla. Derzeit gibt es Abstimmungen über hochzuziehende Trockenbauwände, denn die Firmen könnten große Flächen anmieten.

Festgelegt ist bereits die Anzahl der Ferienwohnungen in der vierten und fünften Etage, in denen ab Mai Touristen Urlaub machen können. 36 soll es geben, die Nacht wird zwischen 80 und 90 Euro für Selbstversorger kosten. Dazu kommen 34 Appartements für Gäste, die länger bleiben – beispielsweise Angestellte, die nur am Wochenende nach Hause fahren.

Für sie steht dann „Felix“ bereit. So nennt Denkmalneu seinen Hausservice. Die Bewohner könnten von den Angestellten nicht nur die Unterkünfte und Kleidung reinigen lassen, auch weitere Dienste, wie der Wocheneinkauf, seien möglich, sagt Dziumbla. Überhaupt soll vieles im Haus über Vernetzung funktionieren. Die Service-Angebote könne jeder nutzen, auch die wenigen, die auf Dauer in den 24 Penthouse-Wohnungen in den zwei Dachterrassen leben. Das Portfolio könnte künftig noch erweitert werden, beispielsweise durch ein Massagestudio.

Eine Schlüsselrolle im Konzept spielt die Dachterrasse mit ihren 120 Plätzen und die angrenzende Lounge über zwei Etagen. Beides kann für Privatfeiern wie Hochzeiten und Geburtstage angemietet werden, auch von Menschen, die nicht im Haus wohnen oder arbeiten. Außerdem stehen die Räume für Tagungen oder Besprechungen zur Verfügung, sie sind durch mobile Aufsteller beliebig verkleinerbar. Es wird einen Plan geben, in dem sich die Firmen im Voraus anmelden können. Davon profitieren sie, denn einen eigenen Konferenzraum brauchen sie nicht. Auch zum Essen müssen die Nutzer das Haus nicht verlassen. Im Dachterrassenbereich wird es ein Café mit Imbiss geben, im Erdgeschoss an jedem Ende ein Restaurant.

Zum Neumarkt hin ist der Italiener „Enotria da Miri“ mit seiner traditionellen Küche im modernen Ambiente bereits im Dezember eingezogen. Das Haus am Zwinger tritt langsam aus seinem Schattendasein. 1999 war der Bau begonnen worden, so richtig fertig wurde er nie. Die Zeiten, als die Dresdner und ihre Gäste hier bei Busmanns Brazil Cocktails schlürften und im Shamrock irisches Bier und Whisky tranken, sind lange her. Jetzt investiert Denkmalneu noch einmal 45 Millionen Euro, damit der Komplex endlich lebendig wird.