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Damit der Geldautomat im Dorf bleibt

Die Sparkassenfiliale Leutersdorf schließt im Sommer. Der Geldautomat soll bleiben - dank Initiative von der Gemeinde. 

Von Romy Altmann-Kuehr
 4 Min.
Die Sparkassenfiliale in Leutersdorf schließt im Sommer.
Die Sparkassenfiliale in Leutersdorf schließt im Sommer. ©  Matthias Weber

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Wenn die Sparkasse dicht macht, dann betreiben wir eben die Sparkasse. Das dachte sich Leutersdorfs Bürgermeister Bruno Scholze (CDU), als er erfuhr, dass die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien ihre Filiale in seinem Ort schließt. Zum 1. Juli ist Schluss in den Geschäftsräumen an der Hauptstraße. Das Gebäude gehört der Sparkasse. Sie hatte es 1995 neu bauen lassen, um hier eine moderne Filiale einzurichten. Die Gemeinde hat sich nun entschlossen, das Haus von der Sparkasse zu kaufen, um zumindest sicherzustellen, dass die Geldautomaten erhalten bleiben und die Leutersdorfer weiterhin Bares abheben, Kontoauszüge abholen und Überweisungen sicher einwerfen können. Den Raum mit Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und Einwurfbox für Überweisungen will die Gemeinde künftig an die Sparkasse verpachten. Damit der Bereich ordentlich vom Rest des Erdgeschosses abgetrennt und 24 Stunden öffentlich zugänglich ist, sind noch kleinere Umbauten nötig. "Das wird die Sparkasse noch übernehmen", erklärt der Bürgermeister.

Vonseiten der Sparkasse klingen die Zukunftspläne für das Leutersdorfer Gebäude noch etwas verhaltener. Das Kreditinstitut bestätigt, dass man "bezüglich der weiteren Nutzung einiger Räumlichkeiten in Leutersdorf " mit der Gemeinde in Verbindung stehe. Für die Sparkasse ist dabei entscheidend, dass tagtäglich genügend Transaktionen anfallen, sodass sich der Betrieb der Automaten weiterhin lohnt, erklärt Bettina Richter-Kästner, Pressesprecherin bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Wie viele das genau sein müssen, lässt sie offen. Aber auch die Sicherheitsbestimmungen und die gesamten Rahmenbedingungen müssten stimmen, so Frau Richter-Kästner. 

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Natürlich müssen es auch die finanziellen Möglichkeiten einer Kommune hergeben, dass sich so eine Idee umsetzen lässt. In Leutersdorf gibt das die Gemeindekasse her. 150.000 Euro zahlt die Gemeinde für das Gebäude, in dem neben den Geschäftsräumen im Erdgeschoss noch drei Wohnungen untergebracht sind. Der Gemeinderat hat dem Kauf jetzt zugestimmt. Ein guter Preis, sagt Bruno Scholze. Würde man so ein Haus heute neu bauen, fielen bestimmt Kosten in Höhe von einer halben Million Euro an, schätzt er. Begeistert sind dennoch nicht alle Gemeinderäte  von der Idee. "Müssen wir uns denn jetzt ein Haus ans Bein binden? Gibt es keine alternativen Räume für die Sparkassenautomaten?" - solche Fragen standen im Raum, als der Gemeinderat jetzt das Thema diskutierte. Bruno Scholze sieht keine Alternative. Das liegt auch an der Technik, die im Keller des Hauses verbaut ist und die benötigt wird, damit die Automaten laufen. Das müsste alles aus- und woanders wieder aufgebaut werden - ein Aufwand, der sich nicht lohnen würde. Und: "Wo sollte so eine Alternative sein?", fragt Scholze. "Hier ist alles vorhanden und auch der Platz da." Das Gebäude sei gut in Schuss, es gebe keinen Sanierungsstau. Außerdem könne die Gemeinde über die Mieteinnahmen den Kaufpreis nach und nach wieder reinholen. 

Scholze ist überzeugt: Die Leutersdorfer brauchen ihren Geldautomaten. Deshalb hat er sich für eine Lösung eingesetzt. "Gerade ältere Einwohner, die nicht mehr mobil sind, haben sonst keine Chance mehr an Bargeld zu kommen oder Überweisungen abgeben zu können." Zwar könne man im örtlichen Diska-Markt  an der Kasse bis zu 200 Euro abheben. Diesen Service bieten mittlerweile viele Discounter und Supermärkte an, angesichts des dünner werdenden Filialnetzes der Banken und Sparkassen. Allerdings muss man dafür auch einen gewissen Betrag an Umsatz im Laden machen. Das sei auch keine ideale Lösung, sagt Bruno Scholze. Deshalb habe er über mehrere Monate verhandelt mit der Sparkasse. "Das waren sehr gute Gespräche", sagt der Bürgermeister rückblickend. Nun hofft er, dass sein Plan aufgeht und die Automaten bleiben. Einmal pro Woche wird außerdem künftig das Sparkassenmobil im Ort auf dem Diska-Parkplatz Station machen. Dann ist auch ein Mitarbeiter vor Ort und kann Fragen beantworten. "So geht der persönliche Kontakt wenigstens nicht ganz verloren, sagt Bruno Scholze. 

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Für die restlichen Räume des Erdgeschosses im Sparkassengebäude, die nicht für die Geldautomaten benötigt werden, hat Bruno Scholze ebenfalls schon eine Nutzungs-Idee. Konkretes will er aber noch nicht verraten, bevor der Kauf endgültig über die Bühne gegangen ist.  "Man muss ein bisschen um die Ecke denken, wenn man etwas erreichen will", sagt der 74 Jahre alte Bürgermeister, der sein Amt seit elf Jahren ehrenamtlich ausübt. Dass er das gut kann, hat er schon einmal bewiesen, als eine wichtige Einrichtung im Ort schloss: die Apotheke. Die Gemeinde kaufte ebenfalls das Apothekengebäude und Bruno Scholze suchte eine andere Apotheke, die dort zur Miete einzog. 

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