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„Dampf machen, aber nicht entgleisen“

Das Dresdner Verkehrsmuseum besitzt auch Kunst und präsentiert nun in einer feinen Sonderschau Bilder der Mobilität.

Fritz Tröger malte 1963 diesen „Motorsportler“. Der Dresdner Künstler gilt als Chronist des Alltags. Menschen und Maschinen, Landschaft und Verkehr waren seine Themen.
Fritz Tröger malte 1963 diesen „Motorsportler“. Der Dresdner Künstler gilt als Chronist des Alltags. Menschen und Maschinen, Landschaft und Verkehr waren seine Themen. © Kunstbildersammlung Verkehrsmuseum Dresden

Es ist immer wieder überraschend, was ans Licht kommt, wenn Museen im eigenen Revier „wildern“. So besitzt das Dresdner Verkehrsmuseum nicht nur Autos, Motorräder, Flugapparate, Schiffsteile und Eisenbahnen. Es hat nicht nur Konstruktionszeichnungen von Fahrzeugen, sondern eine Kunstbildersammlung mit Plakaten, Fotografien, Gemälden, Druckgrafiken, Zeichnungen wie die der Karikaturistin Barbara Henniger. Sie hatte in den 1970er-Jahren Motive für die Rückseite des Kalenderkärtchens gezeichnet, die ein begehrtes Sammelobjekt wurden. Mit einer Zeichnung gratulierte Henniger dem Haus standesgemäß zum 50. Geburtstag und hält ihm bis heute die Treue.

Auch der bereits 1999 verstorbene Jürgen Haufe, Grafiker und Professor für Typografie und Buchkunst an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, hat in den 70er- und 80er-Jahren Werbematerialien fürs Museum gestaltet und Plakate für einige Sonderausstellungen entworfen.

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Das größte Konvolut in der Sammlung sind Arbeiten von Fritz Tröger. Der Maler, er lebte von 1894 bis 1978, war zwar keine auffällige Erscheinung in der Dresdner Szene. Aber die zentrale Figur dieser Ausstellung ist er nicht nur, weil sein Name so schön in den Titel passt: „Tröger, Technik und Talente“. Tröger war ein stiller und fleißiger Arbeiter, der beharrlich malte, was ihm wichtig erschien und wie es ihm richtig erschien. Das brachte ihm zwar die Achtung seiner jungen Künstlerkollegen ein. Aber in der Kunstgeschichte blieb er eine Randfigur mit seinen Bildern, die den Alltag der Menschen mit ihren Maschinen zeigen: sparsam im Detail, flächig in der Komposition, keine Räumlichkeit im Bild. „Ausgemalte Grafik“, so beschrieb es ein Kunstkritiker in den 1930er-Jahren, den Johannes Schmidt, Kustos an der Städtischen Galerie Dresden, zitiert. Die Galerie bekam in den 80er-Jahren ebenfalls einen großen Tröger-Bestand vom Rat des Bezirkes, etwa 200 Arbeiten. Auch die, so meint Schmidt, könne man wieder einmal zeigen.

Ausgemergelte Zugpassagiere

Im Verkehrsmuseum sind Trögers ausgemergelte, lethargische „Zugpassagiere“ von 1946 zu sehen. Chronologisch führt der Rundgang zum „Lokführer Siegfried“ von 1964 mit Mütze und Uhr, beides auch im Original zu bestaunen. Der Kreis schließt sich 1975 mit Trögers Blick auf „Das Neue Dresden“: Eine Straßenbahn fährt vor den Hochhäusern über die Carolabrücke, die damals noch Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke hieß. Beeindruckend ist sein Wandbild „Flugzeugstart“ aus Kacheln, das er 1935 in der Porzellanfabrik Teichert in Meißen herstellte. Es war ein Auftragswerk zur Eröffnung der Luftkriegsschule in Dresden-Klotzsche. Im Verkehrsmuseum lernt man natürlich, dass das dargestellte Flugzeug eine Focke-Wulf FW 44 Stieglitz war, ein Schul- und Sportflugzeug, das zum ersten Mal 1932 vom Boden abhob.

Auch das Objekt von Klaus Kammerich, eine Fotoskulptur aus Styropor aus dem Jahr 1971, hat ein reales Vorbild. Die Honda CB 750 gilt als eins der wichtigsten Motorräder des 20. Jahrhunderts.

Trögers Schaffen bildet gewissermaßen den Rahmen für insgesamt zwanzig professionelle und Laienkünstler aus der Zeit der DDR, die auf diversen Wegen in die Sammlung kamen.

Neue Dauerschau zur Eisenbahn

Jüngster Zugang ist das weltmännische, gut gemalte, aber leicht ramponierte Porträt eines Motorradrennfahrers aus den 1920/30er-Jahren. Fürs Verkehrsmuseum ist es ein „Zeugnis der aufkommenden hobbymäßigen Wettfahrten in Deutschland und Spiegel der bahnbrechenden Entwicklungen in der Automobilindustrie“. Zum Bild gehören gravierte Silberbecher, die der Porträtierte als Siegerpreis im Klütbergrennen 1925 bekam.

Hervorragend erhalten sind dagegen die witzigen Lithografien zum Thema „Autokult“ von 1976, die Manfred Pietsch für seinen Sohn zeichnete. Sie würden gut in die Sammlung passen und stehen deshalb bereits auf der Wunschliste.

Doch bevor die abgearbeitet werden kann, wird im Verkehrsmuseum am 23. Oktober die neue Dauerschau zur Eisenbahn eröffnet, und zwar vom neuen Direktor Michael Vogt. Es läuft also im Museum. Das Team hält es mit Barbara Henniger, die einst auf ihre unnachahmliche Art empfahl: „Dampf machen, aber nicht entgleisen!“

„Tröger, Technik, Talente“ bis 3. Januar 2021 im Verkehrsmuseum Dresden, Augustusstr. 1; geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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