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Urlaub 2020: Dann eben auf den Bauernhof

Familien müssen schnell sein, wenn sie für den Sommer buchen wollen. Ein Überblick über die Möglichkeiten, Auflagen und die neuen Regeln.

Antonia reitet, Vincent führt das Kälbchen, Rafael fährt Traktor: Wo sich die eigenen Kinder wohlfühlen, können auch andere schöne Urlaubstage verbringen. Genug Tiere haben Franka und Markus Jentsch auf ihrem Hof in Schöneck jedenfalls.
Antonia reitet, Vincent führt das Kälbchen, Rafael fährt Traktor: Wo sich die eigenen Kinder wohlfühlen, können auch andere schöne Urlaubstage verbringen. Genug Tiere haben Franka und Markus Jentsch auf ihrem Hof in Schöneck jedenfalls. © Ellen Liebner

Bei guter Sicht schaut Markus Jentsch von seinem Hof in Schöneck aus bis nach Böhmen, Thüringen und Bayern. „Balkon des Vogtlandes“, so wird der Ort genannt. Familie Jentsch betreibt dort, auf dem höchstgelegenen Bauernhof Sachsens, seit knapp 30 Jahren eine Pension. Ihre Gäste sind Wanderer oder Familien, die zu Tagesausflügen an die Talsperre Pöhl, die Syrauer Drachenhöhle, zur Göltzschtalbrücke oder zum Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen aufbrechen. „Zum Vogtland gehören auch Greiz und Reichenbach. Durch die Corona-Fälle dort ist der Ruf der Region angekratzt. Aber wir haben hier keine Infektionen“, versichert Jentsch. Trotzdem haben viele Urlauber ihre Buchungen bei ihm bis Mitte Juni storniert. Seit Sachsen die Ausgangsbeschränkungen gelockert hat, gibt es wieder mehr Anfragen. „Die Leute wollen wissen, ab wann sie wieder kommen können“, sagt er.

Urlaub auf dem Bauernhof

Urlauber, die sich selber organisieren wollen und keinen Alles-inklusive-Urlaub erwarten, können vielerorts schon jetzt in Ferienhäusern, Ferienwohnungen oder Gästezimmern Erholung suchen – wenn sie die Regeln des Kontaktverbotes beachten. Seit Mitte Mai ist das nicht nur in Sachsen, sondern auch in anderen Bundesländern wie Brandenburg, Thüringen und Hessen wieder möglich. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern öffnen Ferienunterkünfte am 25. Mai, in Bayern voraussichtlich ab 30. Mai.

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Der Erlebnispark Tripsdrill in Baden-Württemberg liegt zwischen Weinbergen, Wäldern und Wiesen in Cleebronn nahe Stuttgart und öffnet am 29. Mai. Neben über 100 Attraktionen, darunter zwei neuen Achterbahnen, gibt es ein Wildparadies und ein Natur-Resort,
Der Erlebnispark Tripsdrill in Baden-Württemberg liegt zwischen Weinbergen, Wäldern und Wiesen in Cleebronn nahe Stuttgart und öffnet am 29. Mai. Neben über 100 Attraktionen, darunter zwei neuen Achterbahnen, gibt es ein Wildparadies und ein Natur-Resort, © Tripsdrill

Die Chance, für den Sommer noch eine Unterkunft auf einem Bauernhof zu ergattern, nimmt allerdings von Tag zu Tag ab. „Zu Beginn von Corona haben viele Anbieter ihre Gäste auf das kommende Jahr umgebucht und keine neuen Buchungen angenommen“, erklärt Sonja Pöhler, warum es jetzt noch freie Plätze gibt. Aber seit den Lockerungen seien die Buchungszahlen deutlich angestiegen. Pöhler arbeitet bei der Online-Plattform bauernhofurlaub.de, auf der 1.700 Höfe aus Deutschland, Österreich und Südtirol gelistet sind. Neben Zimmern und kleinen Wohnungen bieten einige von ihnen auch ausgefallenere Unterkünfte wie Jurten oder Campingwagen an.

Der Vorteil: Die Unterkünfte sind für Familien oder für Paare gedacht – also für die Mitglieder eines Hausstandes. Sie haben meist einen separaten Eingang, ein eigenes Bad und oft eine kleine Selbstversorger-Küche. Mit nur wenigen Anpassungen schaffen es die Vermieter, die Hygieneregeln umzusetzen. So können Urlauber die Mindestabstände einhalten und sich aus dem Weg gehen. Allerdings entscheidet jedes Bundesland anders, was konkret zu beachten ist. „Mitunter gelten sogar regional andere Regeln“, sagt Sonja Pöhler. Ihr Rat daher: „Vor Reisebuchung unbedingt selbst auf den Coronaseiten der jeweiligen Bundesländer erkundigen.“

In Schöneck hat Markus Jentsch Desinfektionsspender aufgestellt und die Tische im Frühstücksraum auseinandergerückt. Weil Büfetts verboten sind, wird das Frühstück serviert oder es gibt einen Beutel mit frischen Semmeln an die Tür. Momentan überlegt er noch, wie sich Kinderansammlungen bei den Häschen oder Kälbchen vermeiden lassen. „Wahrscheinlich regeln wir das über eine Zeittafel“, sagt Jentsch.

Familienhotels

Um ein Schichtsystem kommen auch die meisten Hotels nicht herum: Sie müssen es in den Gaststätten und Speiseräumen einführen, um das Abstandsgebot von 1,50 Meter zu gewährleisten, wie Ariane Weiß von Familotel sagt. 60 Hotels haben sich zu dem Verbund zusammengeschlossen. „Die Gäste erfahren dann beim Einchecken, wann ihre Essenzeiten sind“, so Weiß. Sie müssen warten, bis ein Kellner sie platziert. Meist wird auf Speisekarten, Salz- und Pfefferstreuer wegen der aufwendigen Reinigung verzichtet. 

Doch dabei bleibt es nicht. Zusätzlich zu den verschärften Hygieneregeln wie kontaktlose Schlüsselübergabe, Desinfektionsmittel auf dem Zimmer und Maskenpflicht für Mitarbeiter müssen Familienhotels darauf achten, dass auch in Spielbereichen Abstand gehalten wird, Spielzeug und Aufenthaltsräume der Kinder gründlich gereinigt, desinfiziert und regelmäßig gelüftet werden. „Unsere Hotels tun das mehrfach am Tag“, sagt Christoph Reichl vom Portal kinderhotel.info. Die Kinderbetreuung soll dort nur nach Anmeldung überwiegend in Kleingruppen und am liebsten draußen stattfinden. 

Ähnliches gilt auch für die Familotels: „Drinnen wird ruhig gespielt, gebastelt, gemalt und vorgelesen. Draußen wird getobt, auch um die Ausdünstungen in den Räumen gering zu halten“, so Weiß. Wichtig zu wissen, wenn es mal eilig ist: Toiletten, die gemeinschaftlich genutzt werden, unterliegen einer Zugangsregelung. Bis man dran ist, kann es also ein bisschen dauern.

Auf dem Areal der historischen Heilstätten in Beelitz gibt es einen Baumkronenpfad und den Barfußpark. Ersterer bietet spannende Ausblicke auf die Dachwälder der Heilstättenruinen, der Park drei Barfußwege mit unterschiedlichen Materialen.
Auf dem Areal der historischen Heilstätten in Beelitz gibt es einen Baumkronenpfad und den Barfußpark. Ersterer bietet spannende Ausblicke auf die Dachwälder der Heilstättenruinen, der Park drei Barfußwege mit unterschiedlichen Materialen. © TMB/Steffen Lehmann

Immerhin ist der Hotelbetrieb zum 25. Mai in fast allen Bundesländern wieder gestattet. Ausnahmen sind Baden-Württemberg (29. Mai) und Bayern (30. Mai). Allerdings dürfen bei Weitem nicht alle Zimmer belegt werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 60 Prozent, in Niedersachsen gerade einmal die Hälfte, im Saarland derzeit 75 Prozent. Hotels, die deshalb auf einmal überbelegt sind, haben nun ein zusätzliches Problem. Trotzdem sei es sinnvoll, in den Familienhotels nach freien Kapazitäten zu fragen. Denn viele Familien, die ihren Urlaub wegen der Corona-Pandemie nicht antreten konnten, haben Gutscheine erhalten oder konnten den Aufenthalt umbuchen, sagt Anja Baumeister von Familotel in Tübingen.

In Rheinland-Pfalz gibt es keine Kapazitätsbegrenzung. „Wir dürfen unsere Häuser voll auslasten, die Innenbereiche für die Kinderbetreuung müssen allerdings bis Anfang Juni geschlossen bleiben “, sagt Jürgen Jablonowski vom Sporthotel Grafenwald in der Vulkaneifel. Sein Team profitiert nun von einem großen Außengelände mit Spiel- und Bolzplatz, Minigolf und Tennisplätzen und besinnt sich auf klassische Draußen-Spiele: Schnitzeljagd, Gummitwist, Seilspringen. „Wir bieten Wanderungen in den Wildpark mit Greifvogelshow an und verweisen auf die herrlichen Maare und Radwege in der Umgebung“, sagt er. Gemeinschaftliche Anlagen wie Schwimmbäder oder Saunen zu nutzen, ist überall in Deutschland noch untersagt. Jablonowski darf seinen Pool am 10. Juni wieder öffnen.

Sollte das doch langweilig werden, können Familien als Abwechslung einen der vielen Freizeitparks besuchen. Über 83 Parks und Indoorattraktionen listet der Branchenverband in Deutschland. Aber auch hier entscheidet jedes Bundesland selbst, ab wann und unter welchen Bedingungen geöffnet werden darf. So sind die Parks in Hessen und Nordrhein-Westfalen schon wieder offen, während Rheinland-Pfalz am 10. Juni nachzieht und die Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland auf unbestimmte Zeit zubleiben. Der Freizeitpark Belantis bei Leipzig öffnet am 29. Mai, Tickets müssen dann online gekauft werden, in den Fahranlagen bleiben Reihen frei, so Sprecher Markus Langnickel.

Ferienlager und Jugendunterkünfte

In Sichtweite der Dresdner Altstadt liegt das CVJM-Schiff auf der Elbe vor Anker. Seine 19 Zwei- bis Dreimann-Kabinen, in denen kleine Gruppen oder Familien Übernachtung mit Frühstück buchen können, sind im Sommer normalerweise ausgebucht. Corona macht auch hier eine Ausnahme. „Wir haben offen – und noch viel Platz“, sagt Mathias Riedel. Desinfektion, Einbahnstraßensystem, eine Alternative zum Frühstücksbüfett: Auch Riedel hat sich Gedanken gemacht, wie er die Hygieneregeln umsetzen kann. Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist selbst für Gäste Pflicht, solange sie nicht auf ihrem Zimmer sind.

Das Emsland bietet Familien viele Möglichkeiten, aktiv zu werden, etwa in Deutschlands größtem Ferienpark Schloss Dankern.
Das Emsland bietet Familien viele Möglichkeiten, aktiv zu werden, etwa in Deutschlands größtem Ferienpark Schloss Dankern. © www.emsland.com

Das Schiff in Dresden gehört genau wie das Bischof-Benno-Haus in Bautzen zu 54 Himmlischen Herbergen in Sachsen. Deutschlandweit gibt es mehr als 300 dieser christlichen Einrichtungen, die kostengünstige Fremdenzimmer und häufig Seminarräume anbieten. „Wir können nur auf Voranmeldungen reagieren. Eine spontane Anreise ist nicht möglich“, sagt Sebastian Kieslich. Wie überall muss sich jeder Gast registrieren und eine Belehrung unterschreiben. Darauf verpflichtet er sich, Regeln wie das Abstandsgebot einzuhalten. „Wer Krankheitssymptome zeigt, dem müssen wir den Zutritt verwehren.“

Jugendherbergen und Gruppenunterkünfte sind auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und dem Saarland unter entsprechenden Auflagen wieder offen. Bei den Ferienlagern ist jedoch Geduld gefragt. „Wir wissen selber nicht genau, was im Sommer erlaubt sein wird“, sagt Gerd Richter vom Landesverband der Schullandheime Sachsen. Anfang Juni wird das Sozialministerium entscheiden, ob Ferienlager stattfinden können und welche Auflagen dann eingehalten werden müssen. Trotzdem nehmen die Anbieter schon jetzt Buchungen an. Fest steht allerdings, dass Ferienlagerkinder nicht, wie in vielen Einrichtungen üblich, in Doppelstockbetten übernachten werden. Dadurch fällt die Hälfte der Plätze weg. Sollte ein Ferienlager oder Kiez die Sommerspiele absagen müssen, weil der Virus es nötig macht oder es sich betriebswirtschaftlich schlicht nicht mehr rechnet, würden Anzahlungen ohne Stornogebühr erstattet, so Richter.

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