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Darf dieses Riesenplakat in der Altstadt hängen?

Ein Banner in der Krischelstraße prangt seit Ende vorigen Jahres an einer Fassade. Der Eigentümer will es bis Ende Mai abnehmen.

Von Ingo Kramer

Erneuerbare Energiewende Jetzt!“ fordert das Banner am unbewohnten Eckhaus Krischelstraße/Weberstraße in der Görlitzer Altstadt. „Gegen den Inhalt ist nichts einzuwenden“, findet SZ-Leser Steffen Lehmann. Was ihn aber gewaltig stört: Das Banner reicht vom Fensterbrett des dritten Stockwerks bis zu den Oberlichtern der ersten Etage, verdeckt also die Fenster im zweiten Stock komplett. „Wer genehmigt denn so ein riesiges Plakat mitten in der historischen Altstadt?“, will Lehmann wissen.

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„Niemand“, sagt auch Stadtsprecherin Sylvia Otto. Das Banner sei ohne Erlaubnis aufgehängt worden. Aus denkmalschutzrechtlicher Sicht sei auch keine Genehmigung erforderlich. Die Denkmalpflege finde das Plakat zwar nicht schön, könne aber selbst nichts machen. Stattdessen habe sie bereits Ende 2013 die Bauaufsicht informiert. Baukontrolleur Ronny Jannasch wolle das Banner prüfen. Allerdings unternimmt er seine Kontrollgänge nach einer Prioritätenliste. Dinge, von denen Gefahren ausgehen, stehen da ganz oben. Alles gleichzeitig sei hingegen einfach nicht zu schaffen. „Da Werbung dabei keine hohe Priorität hat, ist das hier noch nicht erfolgt“, erklärt Sylvia Otto. Es werde aber sobald wie möglich mit eingeplant.

Besitzer des Hauses ist Bernd Kratzsch. Er ist zugleich Geschäftsführer der OWE Oberlausitzer Windenergie GmbH in Jauernick-Buschbach, die für das Plakat verantwortlich ist. „Wir wollen damit auf die Demo für die Energiewende am 10. Mai in Berlin aufmerksam machen“, sagt er. Das Plakat habe er ohne Genehmigung aufgehängt. „Wenn ich ein Haus am Untermarkt hätte, hätte ich es auch dort getan“, sagt er. Ihm gehe es um Inhalte, nicht um die Plakatgestaltung. Dass es Görlitzer gibt, denen das Plakat zu groß ist, damit könne er leben: „Es gibt immer ein Für und Wider.“ Er selbst finde, dass es eigentlich noch größer sein müsste: „Wir wollen Wirkung erzielen.“ Demnächst sollen noch ein paar Zettel hinzukommen, die auf den konkreten Termin und Ort am 10. Mai hinweisen. Nach der Demo will Kratzsch sowohl das große Banner als auch die zusätzlichen Zettel bis spätestens Ende Mai wieder abnehmen. Steffen Lehmann ist das zu spät: „Dann verschandelt es jetzt noch einen weiteren Monat unsere schöne Altstadt.“