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Das alte Umspannwerk verfällt weiter

Seit Jahren tut sich nichts, weil das Amtsgericht nicht die Adressen aller Gläubiger ausfindig machen kann. Ändert sich das 2012?

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Von Udo Lemke

Am südlichen Stadtrand begrüßt Großenhain seine Bürger und Gäste mit einem Schandfleck: Eingeschlagene Scheiben, zugewachsenes Gelände und Müllberge im Gebäude – seit Jahren verfällt das alte Umspannwerk an der Öhringer Straße 37/39. Eigentümer des imposanten Industriegebäudes und des 13000 Quadratmeter großen Grundstücks ist der insolvente Bauunternehmer Volker Ullmann, der hier einmal exklusive Wohnungen einrichten wollte. „Ich mache drei Kreuze, wenn es weg ist“, hat er früher gesagt, und auch heute erklärt er: „Mir wäre es lieb, wenn das Ding endlich weg wäre.“ Für das 1906 errichtete und 1934 erweiterte Umspannwerk müssten 15000 Euro bei einer Versteigerung als Mindestgebot gezahlt werden, so Ullmann. Aber „mir ist nicht bekannt, dass es eine Zwangsversteigerung gibt.“

Städtische Forderungen

Seit 2008 ist beim zuständigen Amtsgericht in Dresden ein Zwangsversteigerungsverfahren anhängig, erklärt Stadtkämmerin Evelyn Opitz. Zwar handelt es sich beim Umspannwerk um Privatbesitz, aber trotzdem hat die Stadt Großenhain das Verfahren beantragt, „weil es öffentlich-rechtliche Forderungen gibt“. Das sind offene Rechnungen, so allein etwa 30000 Euro für den Abwasseranschluss und Grundsteuern, die Volker Ullmann nicht bezahlt hat: „Da der Eigentümer diese Forderungen nicht begleichen kann, halten wir uns an das Grundstück“, so die Kämmerin. Das heißt, dass sich die Stadt aus dem Erlös einer Zwangsversteigerung wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückholen will.

Allerdings war auch der letzte Zwangsversteigerungstermin am 16. August 2010 geplatzt. Der Grund: Das Amtsgericht Dresden war damals ebenso wenig in der Lage, die Adressen aller Gläubiger von Volker Ullmann zu ermitteln, wie es dies bis heute ist. Aber nur, wenn allen Gläubigern der Termin einer Zwangsversteigerung mitgeteilt worden ist, kann diese durchgeführt werden.

Optimistische Kämmerin

„Das Gericht arbeitet daran, die Zustellungshindernisse zu beseitigen, und dann wird es auch bald vorwärts gehen“, erklärt Kämmerin Evelyn Opitz optimistisch. Das alte Umspannwerk – der letzte Trafo ging 1986 vom Netz – soll einmal einen Wert von 1,7 Millionen Euro besessen haben. Aber der Gebäudeverfall, die illegalen Müllablagerungen und Altlasten haben ihn auf einen Bruchteil gedrückt.

Die Stadt kann nichts gegen den traurigen Anblick des Areals unternehmen: „So lange von dem Objekt keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht, kann die Stadt nicht eingreifen“, erklärt Matthias Schmieder, im Rathaus für Ordnungsangelegenheiten zuständig.

Als die Stadtverwaltung Ende 2008 ihren Plan für die Sanierung großer Brachflächen vorlegte, war auch das alte Umspannwerk darin aufgeführt. Soll der Plan noch umgesetzt werden, müsste schnell etwas passieren, denn die damaligen Vorstellungen gingen davon aus, dass bis 2013 alle großen Brachen beseitigt sind.