merken
PLUS Leben und Stil

Das Bauchgefühl ist mehr als ein guter Ratgeber

Viele treffen Entscheidungen heute nur rational. Psychologen erklären, warum das falsch ist.

Experten raten, häufiger auf den Bauch zu hören.
Experten raten, häufiger auf den Bauch zu hören. © dpa-infografik

Von Sabine Meuter

Innere Stimme, Intuition: Das Bauchgefühl hat viele Namen. Es warnt einen vor Gefahren. „Ein Feuerwehrmann zum Beispiel weiß genau, wann es Zeit ist, zum Schutz seines Lebens das Weite zu suchen“, sagt der Mentalist Florian Ilgen, der Bühnenshows rund um Gedankenphänomene macht. Das hat etwas mit seinem Erfahrungsschatz zu tun, der im Unterbewusstsein gespeichert ist. Ist Gefahr im Verzug, meldet sich in Sekundenschnelle die innere Stimme. Das ist auch der Grund, warum viele instinktiv nicht alleine bei Dunkelheit abgelegene Orte aufsuchen.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

„Man weiß aber gar nicht so genau, wo dieses Gefühl herkommt“, sagt der Psychologe Tobias Maldei. Er befasst sich an der Universität Trier als Wissenschaftler mit dem Thema. „Die einen merken etwas im Bauch, andere in der Brust oder auf der Schulter.“ Im Sprachgebrauch eingebürgert hat sich das „Bauchgefühl“. Die im Körper spürbaren Emotionen stünden in Verbindung mit dem impliziten Gedächtnis – dem Teil, der das Erleben und Verhalten eines Menschen beeinflusst, ohne dabei ins Bewusstsein zu treten.

Schneller und gründlicher

Der Vorteil des Bauchgefühls: „Es denkt schneller und auch gründlicher als der Kopf“, erklärt Ilgen. In Entscheidungs- oder Gefahrensituationen rufe die Intuition in einer Art körpereigenem Archiv ab, was sie gerade brauche. So weiß ein Mensch zum Beispiel sofort, dass er sich vor dem zum Schlag ausholenden Gegenüber wegducken sollte. Bewusst wahrgenommen und durchdacht, würde das zu lange dauern.

„Je mehr Erfahrungen und Erlebnisse man in einem Lebensbereich hat, desto zuverlässiger ist das Bauchgefühl“, sagt Maldei. Ein Problem sei jedoch, dass viele es verlernt hätten, ihr Bauchgefühl wahrzunehmen. Viele seien davon überzeugt, dass Entscheidungen am besten auf rationaler Basis getroffen werden. Also suchten sie Argumente und wägten Vor- und Nachteile ab. Sie glauben, dass Emotionen dabei außen vor bleiben müssten. Aus Sicht beider Experten ist das falsch. „Die besten Entscheidungen sind die, bei denen auch das Bauchgefühl Ja sagt“, ist Ilgen überzeugt.

Mehr Raum für Emotionen

Die Wahrnehmung des Bauchgefühls lässt sich trainieren. „Dazu gehört eine gehörige Portion Achtsamkeit im Alltag“, sagt Psychologe Maldei. Mit anderen Worten: Bestimmte Situationen bewusst wahrnehmen. Dabei sollte man die auftretenden Gefühle wahrnehmen, aber nicht bewerten. Hilfreich kann sein, mehrmals am Tag kurze Meditationen einzulegen. Dabei geht es darum, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, in sich hineinzuschauen und zu sehen, wie es einem geht. Das kann auch bei einem Spaziergang geschehen.

Weiterführende Artikel

Wetterfühligkeit ist keine Einbildung

Wetterfühligkeit ist keine Einbildung

Nicht nur die Stimmung, auch der Organismus reagiert auf Wetterveränderungen. Dagegen hilft nur eines.

Der Mentalist plädiert dafür, Emotionen mehr Raum zu geben. Wichtig sei dabei, das Bauchgefühl von anderen Emotionen wie Angst, Gier oder Liebe abzugrenzen. Und man sollte sich trauen, darauf zu bauen, dass das, was man fühlt, richtig ist. Je öfter man das tut, desto mehr kann man sich auf sein Bauchgefühl verlassen. (dpa)

Buchtipp: Florian Ilgen: „Die Macht der Intuition – Warum Sie im richtigen Moment den Mut zur Veränderung haben müssen“, Komplett Media, 224 Seiten, 16,95 Euro,

Mehr zum Thema Leben und Stil