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Das Erbe des Jan Arnošt Smoler

Nicht nur das sorbische Volk feiert den Verleger und Literaturwissenschaftler im Jahr seines 200. Geburtstages.

© Wolfgang Wittchen

Norbert Portmann

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Jan Arnošt Smoler, der auf deutsch auch Johann Ernst Schmaler genannt wurde, zum 200. Mal. Smoler gilt als einer der wichtigsten sorbischen Literaten, dessen verlegerische Bedeutung für das kleinste slawische Volk gelegentlich mit dem Wirken Puschkins für das Russische oder Herders für das Deutsche verglichen wird.

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Jan Arnošt Smoler wurde am 3. März 1816 geboren. Er starb am 13. Juni 1884.
Jan Arnošt Smoler wurde am 3. März 1816 geboren. Er starb am 13. Juni 1884. © Repro: SZ

Das Licht der Welt erblickte Smoler am 3. März 1816 in Merzdorf bei Uhyst an der Spree. Im Zuge der Entwicklung des Lausitzer Braunkohlereviers wurde das Dorf 1978 abgerissen. Von seiner Geburtsstätte ist nichts mehr erhalten. Sein Vater war evangelischer Kantor und Lehrer. Er durfte dies nur werden, da dessen Vater, also Jan Smolers Großvater, die sorbischen Aufständischen 1794 zur Bedachtsamkeit ermahnt hatte. Im Jahre 1823 trat Smolers Vater eine Stelle in Lohsa an, wo Jan Arnošt die Grundschule absolvierte, ehe er 1827 auf das Bautzener Gymnasium wechselte. Obwohl dort nur in deutscher Sprache unterrichtet wurde, erwarb Smoler während seiner Gymnasialzeit in privaten Zirkeln umfangreiche Kenntnisse in seiner sorbischen Muttersprache.

Als Stipendiat des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., begann er an der Universität Breslau ein Theologiestudium. Dort traf er mit Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes, zusammen. Bei einer Studentenfeier konfrontierte er diesen mit sorbischen Volksliedern. Hoffmann von Fallersleben war von diesen begeistert. Schon als Student begründete Smoler in Breslau den Akademischen Verein für lausitzische Geschichte und Sprache und knüpfte Kontakte zu namhaften Slawisten seiner Zeit. Gemeinsam mit Leopold Haupt, dem Sekretär der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz, und Handrij Zejler trug er in dieser Zeit die bedeutende sorbische Liedersammlung „Die Volkslieder der Wenden in der Ober- und Nieder-Lausitz“ zusammen. Mit dieser Liedersammlung erwarb er sich bei seinen Zeitgenossen großen Ruhm. Diese beinhaltete auch sorbische Märchen, Sprichwörter, Beschreibung von Sitten und Gebräuchen, der Mythologie, sorbische Dialekte, Musikinstrumente und Trachten. Ebenfalls enthält diese Sammlung Lieder des Lohsaer Pfarrers und Dichters Handrij Zejler selbst. Das Buch erschien 1843 in Grimma.

Gründer der Verlagsbuchhandlung

Im Jahre 1847 war Smoler Mitbegründer des sorbischen Kultur- und Wissenschaftsvereins Macicka Serbska. Zur selben Zeit engagierte er sich im Umfeld der 1848er-Revolution auch politisch für die kulturellen Rechte des sorbischen Volkes. Die sächsische Regierung machte den Sorben in dieser Hinsicht Zugeständnisse und 1850 wurde an einigen Schulen Sorbischunterricht eingeführt. Smoler wurde 1850 der erste Sorbischlehrer am Bautzener Gymnasium.

Im Jahre 1851 gründete Smoler in Bautzen eine eigene Verlagsbuchhandlung. Er verlegte ab 1852 die Wochenzeitung TydŸenska nowina, aus der 1854 die bis heute bestehenden Serbske Nowiny hervorgingen, deren erster Herausgeber und Redakteur ebenfalls Smoler war. Zudem gab er zwischen 1852 und 1856 die „Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft“ heraus. Von 1865 bis 1868 verlegte Smoler auch das „Slawische Zentralblatt – Wochenschrift für Literatur, Kunst, Wissenschaft und nationale Interessen des Gesamtslawentums“. Ebenso bemühte sich Smoler um eine nationale Erneuerung in der Niederlausitz.

Repräsentant der nationalen Wiedergeburt

Zusammen wirkte Smoler mit Jan Pìtr Jordan, dem Lektor für slawische Sprachen und Literatur an der Universität Leipzig. In ihrer Zusammenarbeit ging es u. a. darum, die slawische Wechselseitigkeit, also um die Bedeutung der slawischen Literatur und Kultur, um Kenntnisse über die Sorben und der slawischen Völker, darzustellen. Wesentlich war es auch, dass Deutschland die Sorben in ihrer nationalen Eigentümlichkeit erfasste. Letztlich ging es darum, Hass und Zwietracht abzubauen und gegenseitige Achtung und ein Miteinander zu entwickeln. Bereits 1839 verlieh ihn in Anerkennung seiner Verdienste um die wendische Sprache, die Wendische Predigergesellschaft zu Leipzig ihre Ehrenmitgliedschaft.

Jan Arnošt Smoler war die führende Persönlichkeit der sorbischen nationalen Bewegung, war einer der bedeutendsten Repräsentanten der nationalen Wiedergeburt der Sorben im 19. Jahrhundert. Er wirkte als Organisator des sorbischen nationalen Lebens, war Publizist, Verleger und Wissenschaftler. Er starb am 13. Juni 1884 in Bautzen. Anlässlich seines 150. Geburtstages wurde durch die Post der DDR eine Briefmarke herausgegeben.