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Döbeln

Das Insektenparadies

Bernd Trommer hat eine Leidenschaft für Wildbienen entwickelt. Das schließt Experimente mit ein.

Bernd Trommer steht an einem seiner „Insektenhotels“. Vor allem Wildbienen und Wespenarten nisten sich in den Bruthöhlen gern ein. Trommer hat viel ausprobiert. Manche Materialien werden von den Insekten angenommen, andere gänzlich verschmäht.
Bernd Trommer steht an einem seiner „Insektenhotels“. Vor allem Wildbienen und Wespenarten nisten sich in den Bruthöhlen gern ein. Trommer hat viel ausprobiert. Manche Materialien werden von den Insekten angenommen, andere gänzlich verschmäht. © - Dietmar Thomas

Döbeln. In den Insektenhotels von Bernd Trommer spielen sich Dramen ab. Seit dem Frühling schaut er, wenn er in seinem Garten auf dem Zschackwitzer Berg ist, ein paarmal am Tag dem geschäftigen Treiben zu. Und er macht Fotos – viele Fotos. 

Die Natur verblüfft den 74-Jährigen immer wieder. Eines Tags hatte er an einem der Lehmziegel eine merkwürdige Röhre entdeckt. Auch der Baumeister ließ nicht lange auf sich warten. Eine Schornsteinwespe schleppte unermüdlich grüne Räupchen in die gegrabene Bruthöhle – Futter für den Nachwuchs. Die Gabe wurde dankend angenommen. 

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Als der Gartenbesitzer wieder nach seinen Untermietern schaute, war gerade eine Ameise dabei, eine der Raupen aus der Bruthöhle wieder herauszuschleppen. Auch diese Aktion hatte der Rentner mit seiner Digitalkamera festgehalten.

Die Erbauerin dieser kunstvollen Röhre ist die Schornsteinwespe. Für ihren Nachwuchs trägt sie fleißig kleine Raupen ins Nest, die manchmal wieder geklaut werden.
Die Erbauerin dieser kunstvollen Röhre ist die Schornsteinwespe. Für ihren Nachwuchs trägt sie fleißig kleine Raupen ins Nest, die manchmal wieder geklaut werden. © Bernd Trommer

Trommers Garten ist ein Paradies für Insekten. Im Frühjahr sprießen die Frühblüher – Krokusse, Winterlinge und Märzenbecher. Jetzt blühen dort Mohn, Kornblumen und Wildkräuter. Gemüsebeete hat der Rentner keine mehr, sagt er.

Vor 20 Jahren hatte Trommer damit begonnen, seinen Garten insektenfreundlich zu machen. Ein paar Hohlziegel, gefüllt mit Schilfhalmen, sehen heute noch in einer Ecke. Mittlerweile sind aber eine Menge Nistmöglichkeiten für alle Arten von Wildbienen dazugekommen. Trommer hat einen Erzgeiz für Experimente entwickelt und Erfahrungen gesammelt. „Im Internet liest man darüber viel Unsinn“, sagt er.

Ein paar seiner Basteleien haben sich als untauglich herausgestellt. Eine seiner Erkenntnisse: Fichtenholz und andere weichen Holzsorten sind für Insekten ungeeignet. Die gebohrten Löcher reißen auf und werden von den Wildbienen verschmäht.

Besser ist da schon Hartholz, das keine Risse bildet. Schilfrohr vom Muldenufer, in Blechbüchsen eingelegt und waagerecht im Insektenhotel verstaut, funktionieren prima, erzählt Trommer. Auch Bambus und zerschnittener Gartenschlauch. In Markgehölzen wie Brombeere nagen sich die Insekten ihre Bruthöhlen. Die Wildbienen legen ihre Eier in den Röhren, schaffen Pollen als Futter für die Larven dazu und trennen die Zellen mit Zwischenwänden ab.

Nach außen werden die Röhren verschlossen, je nach Insektenart mit Lehm, Wachs oder einem glänzenden Häutchen. Auch Vögel wissen die gefüllten Vorratsspeicher zu schätzen. Trommers Insektenhotels werden gern von Vögeln wie dem Grünspecht geplündert. Er schützt sie mit Maschendraht vor den hungrigen Invasoren. Vögel sind nicht der einzige Ärger. Zwei, drei Jahre lang war kaum etwas mit Insekten in Bernd Trommers Garten. Wahrscheinlich hatten verwehte Pestizide von den umliegenden Feldern ihnen den Garaus gemacht. „Da verliert man dann auch mal die Lust.“

Einen prachtvollen Anblick bietet die imposante Blaue Holzwespe. Sie ist die größte heimische Wildbienenart und erst seit einigen Jahren in Sachsen zu finden.
Einen prachtvollen Anblick bietet die imposante Blaue Holzwespe. Sie ist die größte heimische Wildbienenart und erst seit einigen Jahren in Sachsen zu finden. © Bernd Trommer

Enttäuschung und Erfolg liegen im Insektenhotelgewerbe eng beieinander. Trommer hat schon Nistmöglichkeiten aus Ton-, Lehm und Gartenerde selbst hergestellt. Manche sogar gebrannt. „Ich habe dafür einen Propangaskocher und ein Blech verwendet“, erzählt er. Und dann die Enttäuschung: Die Wildbienen hatten kein Interesse an den selbst gebackenen Nistmöglichkeiten. Zumindest bis zum Frühjahr. Da waren sie plötzlich da: Frühlingspelzbienen. „Das ist ein hochinteressantes Tier. Die legen richtige Höhlen an“, sagte Trommer.

Wo Bienenfleiß ist, dort sind die Schmarotzer nicht weit. An Trommers Insektenhotels lungern auch immer ein paar schwarze Gestalten herum. Der Trauerschweber ist ein Parasit, der seine Eier in die Wildbienenhöhlen einschmuggelt. Seine Larven ernähren sich erst von den Pollen, dann von den Bienenlarven selbst.

Trommer hat im Laufe der Zeit Tausende Insektenfotos angesammelt. Besonders stolz ist er auf die Bilder eines imposanten Gastes. Ab und zu brummt lautstark ein fast drei Zentimeter großes schwarzes Insekt mit blauen Flügeln zu seinen Wicken. Mit über zwei Zentimetern Länge ist die Blaue Holzbiene die größte einheimische Bienenart. „Die gibt es noch gar nicht so lange in Sachsen“, sagte Trommer. An Trommers Insektenhotel ist die Blaue Holzbiene nicht interessiert. Sie legt ihre Höhlengänge in alten Bäumen und morschen Balken an.

Trommer wohnt in Döbeln Ost II. Für Insekten ist das Wohngebiet ein eher unwirtlicher Ort. „Dort wird alles kurz geschoren. Es wäre schön, wenn man auch mal einen Streifen mit Wiesenblumen stehen lassen könnte.“

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