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Das ist das Konzept für die Herrnhuter Bahnstrecke

In der Öffentlichkeit war bisher nicht viel Konkretes zu den Ideen für die Wiederbelebung der Zugstrecke bekannt. Jetzt legt der Verein nach.

Lange ist es her, dass ein Zug über das Obercunnersdorfer Viadukt gerollt ist. Geht es nach dem Verein Pro Herrnhuter Bahn soll das in absehbarer Zeit wieder der Fall sein.
Lange ist es her, dass ein Zug über das Obercunnersdorfer Viadukt gerollt ist. Geht es nach dem Verein Pro Herrnhuter Bahn soll das in absehbarer Zeit wieder der Fall sein. © Archivfoto: Hartmut Posselt

Wer ernst genommen werden will, muss liefern. Das ist den Mitstreitern der seit neuestem  als Verein organisierten Initiative Pro Herrnhuter Bahn mehr als bewusst. Und so haben sie jetzt - abgesehen von Einwohnerversammlungen in der Gemeinde Kottmar - ihre Ideen, Analysen und Vorschläge auch schriftlich vorgelegt. Das Konzept ist zwar mit 20 Seiten noch immer recht schmal, zeigt aber die Punkte auf, die den Bahnbefürwortern besonders wichtig sind. Hier ein Überblick:

Zeitplan: In diesen Schritten soll es vorangehen

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Konkret mit Jahreszahlen oder Zeitläufen agiert Pro Herrnhuter Bahn in dem Konzept zwar nicht, nur an einer Stelle wird ein "ambitioniertes Inbetriebnahmedatum" benannt: 2022 feiert Herrnhut sein 300. Gründungsjahr. Bis dahin wenigstens die Strecke bis Herrnhut wieder befahrbar zu machen, wäre eine lohnenswerte Sache, finden die Initiatoren. Generell haben sie sich mehrere Etappenziele gesetzt, um die 16 Kilometer lange Strecke wiederzubeleben: Nach der Übernahme der Trasse von der Deutschen Bahn durch Kreis oder Privatinvestor soll zunächst der Abschnitt zwischen Niedercunnersdorf und Herrnhut wieder nutzbar gemacht werden. Dabei geht es zunächst um "touristischen Gelegenheitsverkehr", also beispielsweise um die Möglichkeit, mit Draisinen auf der Strecke zu fahren. Diesen Teil der Strecke zuerst anzugehen, erscheint den Initiatoren besonders lohnenswert, weil man hier Anschluss bis nach Löbau hätte, sodass am Ende Touristen mit Sonderfahrten zwischen Löbau und Oderoberwitz fahren könnten. Als nächster Schritt ist dann vorgesehen, die Gleisanlagen für den Güterverkehr zu ertüchtigen. Denn vom Güterverkehr verspricht man sich Einnahmen aus Trassengebühren. Als einzig konkret benannter Interessent wird das Unternehmen Berger Recycling in Obercunnersdorf benannt, das bereits bei anderen Versuchen der Wiederbelebung in den vorangegangenen Jahrzehnten Interesse geäußert hatte. Damit könnte die Strecke in einem nächsten Schritt an das Netz der Deutschen Bahn angebunden und danach weitere Umschlagmöglichkeiten für die Verladung von Waren und Rohstoffen auf die Schienen eingerichtet werden. Als letzter Schritt und finales Ziel steht die Wiederbelebung des Personennahverkehrs im Konzept.

Chancen: Was für die Eisenbahn spricht

Eine günstige, großzügig gestaltete Trasse, ein nach Angaben des Vereins recht guter Erhaltungszustand und vergleichsweise geringe Lärmbelastung für Anwohner sind Vorteile, die aufgeführt werden. Schwer wiegen für die Bahnbefürworter auch generelle, politisch-strategische Entscheidungen: Wenn die Verkehrswende gelingen solle, gehe das eben nur mit einem attraktiven Schienenverkehr - sowohl beim Gütertransport als auch beim Personenverkehr. Außerdem böte sich auf der Trasse die Möglichkeit, alternative Antriebe zu testen: Die Hochschule Zittau/Görlitz wird Teil eines sächsischen Forschungsprojektes, bei dem es um dieses Thema geht. Eine Teststrecke wäre deshalb von großem Interesse. Auch touristisch sei der Anschluss von Herrnhut und Obercunnersdorf an das Schienennetz nötig, heißt es in dem Konzept, das auf eine mögliche Bewerbung Herrnhuts um den Welterbe-Titel ebenso anspielt wie auf die touristische Bedeutung des Denkmalortes Obercunnersdorf. Außerdem messen die Initiatoren auch der Anbindung der Strecke an Löbau, Zittau, Bautzen aber im weiteren Sinne auch bis Liberec, Prag und Berlin große Bedeutung bei.

Kontra Radweg: Kritikpunkte der Bahnfans am Kreis-Projekt

In dem Konzept zeigt der Verein auf, warum ein Radweg in ihren Augen nicht sinnvoll ist. So gebe es Abschnitte, in denen bereits Radwege existierten und die parallel zur Trasse verlaufen, argumentiert Pro Herrnhuter Bahn. Außerdem sei die Strecke für einen Radweg auch deshalb ungeeignet, weil es eine "relativ schlechte Anbindung an die tangierten Ortschaften" gebe. Genau dieses Argument verwenden aber die Gegner der Bahnbefürworter, denn natürlich steht und fällt auch die Attraktivität einer Zugverbindung mit der Lage der Bahnhöfe und Haltepunkte. Dies zu verbessern und zusätzliche, attraktivere Ausstiegsmöglichkeiten zu schaffen, erwähnt das Konzept allerdings auch in der Endetappe. Außerdem führt der Verein ins Feld, dass die Trasse auch aus Sicherheitsgründen mit Blick auf die hohen Viadukte für den Radverkehr aufwändig gesichert werden müsste.

Kosten und Finanzierung: Trassenentgelte, Fahrkarten, Fördergelder

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Der Verein Pro Herrnhuter Bahn erhält zudem die Chance zu einem Termin vor den Räten, um sein Konzept zu erklären.

Wer welche Kosten übernehmen wird, ist die Gretchenfrage auch dieses Konzeptes. Pro Herrnhuter Bahn hat eine erste Rechnung aufgestellt: Landkreis und die drei Kommunen müssten zunächst geschätzte fünf Millionen Euro für eine Sanierung aufbringen, hinzu kämen nach Berechnungen des Vereins pro Jahr rund 10.000 Euro laufende Kosten für Brücken, die Viadukte oder die Kreuzungen von Schiene und Straße. Der Verein selbst will als Pächter der Strecke auftreten und rechnet mit rund 20.000 Euro jährlich, die für Instandsetzung, Betrieb, Wartung und Pflege der Gleisanlagen fällig sein werden. Stemmen will der Verein das mit Eigenleistungen, über Spenden, Mitgliedsbeiträge, Nutzungsgebühren oder anderen Einnahmen wie Souvenir- und Imbissverkauf. Was die Gebäude - die Bahnhöfe und Haltepunkte - betrifft, so sollen sich deren Sanierung und Instandhaltung der Eigentümer, also Landkreis und die betroffenen Gemeinden, und die Pächter teilen. Hier schlägt der Verein vor, Fördergelder für Denkmalschutz oder für die Verbesserung des ländlichen Raums zu nutzen - ein Weg, der generell bei allen Finanzierungsfragen häufiger eine Rolle spielt. Im Oberoderwitzer Bahnhof plant der Verein zudem, selbst sein Domizil zu errichten.

Konzept Pro Herrnhuter Bahn

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