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„Das ist die Musik meiner Sturm- und Drangjahre“

Die Ostrock-Konzerte in St. Nikolai sind wegen ihrer Stimmung ein Publikumsmagnet.

Die Constappler Dorfkirche wird am 14. Dezember zum vierten Mal zum Rockpalast. Nach Dirk Michaelis und der Gruppe Renft werden die Musiker der 1973 in Dresden gegründeten Band Lift zum Benefiz-Konzert in St. Nikolai vor der Empore stehen. Roland Brik vom Männerkreis der Kirchgemeinde gehört von Anfang an zu den Organisatoren der Veranstaltung.

Herr Brik, wie kommt eine Rock-Band in eine Kirche?

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Vor vier Jahren war das Glockenspiel unserer Kirche kaputt. Nur eine kleine Reparatur war wegen der komplizierten Denkmalschutzauflagen nicht drin. Es fehlte also Geld. Natürlich hätten wir wie so oft Spenden sammeln können, aber dies erschien mir zu einfach. Dem Männerkreis unserer Gemeinde fehlte auch noch eine Herausforderung, also beschlossen wir, ein Adventskonzert zu organisieren. Aber nicht so ein übliches, wie in vielen Kirchen ringsum, sondern ein Rockkonzert. Da haben anfangs viele mit den Köpfen geschüttelt.

Warum die Ausrichtung auf Ostrock?

Das hat erstens mit meinem Alter zu tun - ich werde in Kürze 59 und hatte mit dieser Musik meine Sturm- und Drangjahre. Außerdem arbeite ich in meiner Freizeit im Management der Gruppe Renft. Ich fahre seit über zwanzig Jahren zu jedem Konzert. Da ergeben sich hinter der Bühne persönliche Beziehungen, die bei der Buchung der Bands ungemein helfen. Natürlich auch bei der Gage der Musiker, da wird ein Freundschaftspreis ausgehandelt. Die stimmungsvolle Atmosphäre und unsere über die Jahre gut eingespielte Organisation haben dabei eine große Rolle, so was spricht sich schnell rum.

Was sagen die Gemeindemitglieder zu diesem ungewöhnlichen Adventskonzert?

Zum ersten Konzert war die Resonanz verhalten. Inzwischen rufen die Leute im Sommer an und fragen nach Karten. Je bekannter die Band, desto besser der Vorverkauf. Bei Renft waren die Karten innerhalb einer Woche weg. In die Kirche gehen 250 Leute rein. 175 Karten sind bereits verkauft, die restlichen gibt es nur noch an der Abendkasse. Sonst gibt es Ärger in der Gemeinde, wenn Fans keinen Platz bekommen.

Wofür sind die Einnahmen aus dem Kartenverkauf geplant?

Nach dem Glockenstuhl, dem Kirchenschiff und der Prinzenloge in den vergangenen Jahren, wollen wir dieses Mal den Eingangsbereich der Kirche neu gestalten. Der ist in einem sehr schlechten Zustand. Alles ist grau und die Wandmalereien blättern ab. Die Gemeinde muss für die denkmalschutzgerechte Sanierung Eigenmittel im dreistelligen Bereich aufbringen.

Haben Sie schon Wunschkandidaten für die kommenden Jahre?

Die großen Bands wie City oder Karat stehen natürlich auf meiner Wunschliste. Dort hängt es aber auch von der Mindestgage ab, die gefordert wird. Wir liegen jetzt bei 25 Euro pro Karte und sind meiner Meinung nach am Ende der Fahnenstange damit angelangt.

Das Gespräch führte Kristin Koschnick.