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Das Jahr der Affenbabys

Haiko Lindner, Tierpfleger im Schmetterlingshaus in Jonsdorf, päppelte zu Jahresbeginn in Hainewalde schon zum zweiten Mal ein kleines Weißbüscheläffchen auf. Für das kleine Mädchen war er einige Wochen Vater, Spielkamerad und vor allem Mutter zugleich.

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Haiko Lindner, Tierpfleger im Schmetterlingshaus in Jonsdorf, päppelte zu Jahresbeginn in Hainewalde schon zum zweiten Mal ein kleines Weißbüscheläffchen auf. Für das kleine Mädchen war er einige Wochen Vater, Spielkamerad und vor allem Mutter zugleich. Das kleine Weißbüscheläffchen, das später den Namen Pippi bekommt, ist zusammen mit zwei weiteren Geschwistern am Neujahrsmorgen im Schmetterlingshaus in Jonsdorf geboren worden. „Ich hatte es schon geahnt, dass die Jungen am 1. Januar kommen würden“, sagte Haiko Lindner. 145 bis 165 Tage ist eine Weißbüscheläffin trächtig. Und am 1. Januar sind die 145 Tage rum gewesen. Anders als ihre zwei Brüder, ist Lindners Ziehkind aber zu schwach gewesen, um sich beim Gerangel nach Milch an der Mutterbrust durchzusetzen. Nach zwei Tagen fiel sie dann im Gehege aus dem Schlafkörbchen.

Haiko Lindner hatte für Pippis Aufzucht extra frei bekommen. Alle zwei Stunden musste das kleine Affenbaby gefüttert werden, auch nachts. Aus dem Geburtsgewicht von 28 Gramm sind nach zwei Wochen schon 34 Gramm geworden. Als Fläschchen für die ganz normale Säuglingsmilch diente Haiko Lindner dabei eine Spritze. „Ich muss aufpassen, dass sie nicht zu viel trinkt. Jeweils einen Milliliter bekommt sie nur“, erzählte er. Und wie bei einem Menschenbaby gab es nach jedem Trinken Streicheleinheiten, damit es sein „Bäucherchen“ machte. Für Haiko Lindner kam dann noch das Warten auf das anschließende „AA“ hinzu.

Der 37-Jährige kennt sich aus mit dem Prozedere. Im Sommer 2010 hatte er schon einmal ein Weißbüscheläffchen mit der „Flasche“ aufgezogen, bis es selbstständig war und zu seiner Familie wieder zurück konnte. Pippi jedenfalls entwickelte sich prächtig: Ende Januar, nach 28Tagen, wog die kleine Affendame bereits 46 Gramm, Mitte Februar zog sie von Hainewalde zu ihrer Familie ins Jonsdorfer Schmetterlingshaus um. Dort ging es ihr gut, bis sie im November in eine Primatenauffangstation bei Braunschweig abgegeben wurde, weil bei der Jonsdorfer Affenfamilie wieder Nachwuchs ansteht und Platz gebraucht wird.

Kein Happy End hatte dagegen die Geschichte eines kleinen Lisztäffchens, das am 20.April im Zittauer Tierpark das Licht der Welt erblickte. Das Äffchen war zur Halbwaise geworden, nachdem die Mutter vermutlich nach einem Kampf mit ihrer Schwester starb. Zusätzlich hatte das Äffchen sein Geschwisterchen verloren. Tierpflegerin Janette Reinsch nahm sich der Halbwaise an und päppelte sie mit der Pipette auf. Tagsüber durfte das Äffchen mit in den Tierpark, abends ging es mit ihr nach Hause. Auch dieses kleine Tier entwickelte sich zunächst gut. Ende Mai bekam es erstmals feste Nahrung, außerdem durfte es bereits einen Ausflug vom Zuhause seiner Mittelherwigsdorfer Pflegerin in den Tierpark machen.

Nachdem die Sächsische Zeitung, die später auch Pate des Äffchens wurde, öffentlich nach einem Namen für das Tier suchte, beteiligten sich über 1000Menschen an der Aktion. Am Ende entschieden sich 599 für den Namen „Thiago“, ein Vorname aus der südamerikanischen Heimat der Lisztäffchen. In der Folgezeit lernte das Tier im Zittauer Tierpark das Klettern, tollte mit seiner Familie herum und war einer der Stars des Tierparks. Pflegerin Janette Reinsch war sehr zufrieden mit seiner Entwicklung. „Es ist faszinierend, wie weit wir mit ihm schon sind. Es geht sehr schnell. Das hätte ich nicht gedacht“, sagte sie. Der Anfang Juli elf Wochen alte Thiago wog damals 127 Gramm. Damit war er in seiner Entwicklung etwas hinterher. „Das ist bei Handaufzuchten häufig so“, erklärte die Pflegerin. „Normalerweise holen sie das im Laufe der Zeit wieder auf.“

Doch Thiago sollte es nicht schaffen. Das Lisztäffchen ist Anfang Oktober tot in seinem Gehege gefunden worden. Zur Todesursache konnte der Tierpark noch keine Angaben machen. Das wird untersucht. Thiago ist nur knapp ein halbes Jahr alt geworden. (SZ)