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Das kleinste Nagelstudio der Region

Madlen Birke besitzt ein echtes Unikum. Für sie ist dessen Eröffnung nicht die einzige Premiere in diesem Jahr.

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© Brühl

Von Jörg Richter

Bauda. Vom Hof aus sieht das Nagelstudio von Madlen Birke sehr unscheinbar aus. Nur eine weiße Tür und ein schmales Fenster verraten, dass dahinter ein Raum ist. – Ein Raum, den man allerdings in dem ehemaligen Stall nicht erwartet.

Die Tür geht auf, und Madlen Birke bittet lächelnd hinein. Die Wände sind weiß und golden tapeziert, mit edlen Mustern. Alles ist hell, modern und freundlich. Sehr chick! „Ich wollte bewusst, dass der Raum eine Privatsphäre ausstrahlt“, sagt Madlen Birke. „Meine Kundinnen sollen sich hier wie zu Hause fühlen, in entspannter Atmosphäre.“ Niemand solle sich hier beobachtet vorkommen. Das habe die gelernte Altenpflegerin leider viel zu oft erlebt, als sie selbst noch in größere Studios ging, um sich die Nägel machen zu lassen. „Ich mag es nicht, wenn mir andere Leute im Rücken sitzen und mich beobachten“, sagt die 30-jährige Baudaerin.

In ihrem eigenen Nagelstudio hat niemand die Gelegenheit dazu. Aus einem ganz einfachen Grund: Es ist klein. Sehr klein sogar. Mit 2,30 Meter Breite und 2,84 Meter Tiefe kommt es gerade mal auf eine Grundfläche von 6,5 Quadratmetern. Damit dürfte es das kleinste Nagelstudio in Großenhain und Umgebung sein. Vielleicht sogar im Landkreis Meißen. „In Sachsen aber nicht“, beendet Madlen Birke von sich aus alle weiteren Spekulationen. Sie habe ein noch kleineres Nagelstudio im Seidnitz-Center in Dresden entdeckt. „Doch war alles aus Glas“, erzählt sie. „Ich kam mir vor, wie in einem Schaufenster.“ Dann lieber doch die starken Bruchsteinmauern des ehemaligen Bauernhofs.

Zwei Männer haben sich getraut

Die junge Mutter hat für ihre beiden kleinen Töchter (fünf und zwei Jahre) ihren Beruf aufgegeben. Sie hatte Patienten, die an Beatmungsgeräten angeschlossen waren, in Zwölf-Stunden-Schichten betreut. Als sie mit ihrer ältesten Tochter schwanger war, ging das nicht mehr. So suchte sich Madlen Birke eine neue berufliche Herausforderung. „Ich habe schon immer das Kreative geliebt“, sagt sie. Als Nageldesignerin hat sie reichlich Gelegenheit dazu. Fullcover (ganze Fingernägel mit einer Farbe), French (nur die Nagelspitze mit Farbe) oder Babyboomer (natürliche Ansicht mit Weiß und Rosé) – vieles ist möglich, wenn Frauen ihren Händen einen besonderen Glanz verleihen möchten. „Ich würde auch Männern die Nägel machen, doch leider trauen sich nur wenige“, so die Baudaerin.

Immerhin zwei Männer haben sich schon in ihr Nagelstudio, das sie vor Kurzem feierlich eröffnete, getraut. Ihr Freund Stephan und ihr zukünftiger Schwiegervater Ralf-Peter Wagner haben das kleinste Nagelstudio der Region gebaut. „Sie haben viel Zeit, Schweiß und Nerven investiert“, erzählt sie. „Ich bin den beiden unendlich dankbar.“

Wer das Werbeschild am Hoftor sieht, wundert sich. Denn statt der Initialen von Madlen Birke sind darauf die Buchstaben M.W. zu lesen. – Ein dezenter Hinweis, dass in diesem Jahr nicht nur die Eröffnung ihres Nagelstudios gefeiert wird. Am 30. Juli steht ein großes Fest ins Haus, wenn Madlen Birke ihren Stephan heiratet. Dann ist das Familienglück perfekt.