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Wie klappt's eigentlich mit Familie und Beruf?

Forscher aus Chemnitz wollen herausfinden, wie sich Job und Kinder unter einen Hut bringen lassen. Das hat auch mit Corona zu tun - aber nicht nur.

Wie lassen sich Beruf und Familie verbinden? Die Corona-Krise verleiht dieser Frage noch mehr Gewicht. Die TU Chemnitz sucht Antworten.
Wie lassen sich Beruf und Familie verbinden? Die Corona-Krise verleiht dieser Frage noch mehr Gewicht. Die TU Chemnitz sucht Antworten. © Getty Images

Von Frank Hommel

Kleinigkeiten machen manchmal viel aus. Als vor gut einem Jahr das Projekt „Kafasax“ startete, wählten die Organisatorinnen für die Auftaktkonferenz kein schickes Konferenz-Center. Sondern einen Chemnitzer Indoor-Spielplatz. So konnten die Teilnehmer ihre Kinder mitbringen. Die vergnügten sich, während sich ihre Mamas und Papas darüber austauschten, wie sich Arbeit und Familie besser unter einen Hut bringen lassen. Der Projekt-Name „Kafasax“ ist eine Wortschöpfung aus den Begriffen Karriere, Familie und Sachsen. „Dass wir das auch in unserem Projekt selbst so leben“, sagt Aline Lohse, „das war von Anfang an klar.“

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Aline Lohse ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU Chemnitz, forscht dort etwa zu Innovationsmanagement sowie Lehren und Lernen der Zukunft. Und sie leitet „Kafasax“. Neben der TU sind die Wirtschaftsförderungsgesellschaften Erzgebirge und Chemnitz mit im Boot. Denn „Kafasax“ versteht sich genau genommen nicht nur als Forschungs-, sondern auch als Entwicklungsprojekt. Lohse: „Wir wollen den Beschäftigten und den Unternehmen Wege aufzeigen, wie sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen.“ Mit der Pandemie und Einschränkungen bei Schule und Kinderbetreuung hat dieses Thema noch an Gewicht gewonnen. „Jetzt durch Corona ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie präsenter denn je“, sagt Aline Lohse. „Im Moment betrifft es einfach alle.“

Es hapert an der Kommunikation

„Kafasax“ scheint also zur rechten Zeit am rechten Ort. Zunächst zogen die Wissenschaftlerinnen los, um – vornehmlich im Erzgebirge – Chefs und Personalleiter zu befragen. Noch können sich auch weitere Firmen beteiligen, sagt Aline Lohse. In Zeiten des Fachkräftemangels seien sich viele der Bedeutung des Themas bewusst: „Ein Drittel der Geschäftsführer sagt, das sei der Schlüssel zur Fachkräftegewinnung. Dieses Bewusstsein ist bei den allermeisten Unternehmen da.“ Dennoch fand sie Unterschiede. „Es gibt die eine Gruppe, da sind viele selbst betroffen, weil sie etwa selbst Eltern geworden sind.“ Die zweite Gruppe stehe dem Thema zwar offen gegenüber, wisse aber nicht so recht, wie sich die Vereinbarkeit stärken ließe. „Es gibt gerade für kleine und mittelständische Unternehmen keine systematische Vorgehensweise“, begründet Aline Lohse. 

Außerdem hat sie beobachtet, dass es mitunter an der Kommunikation hapert. „Manche Unternehmen ermöglichen eigentlich unglaublich viel – aber die Beschäftigten wissen das gar nicht.“ Das zu ändern, dazu will „Kafasax“ beitragen. Dabei kommen auch die Beschäftigten mit ihren Wünschen und Vorstellungen zu Wort. Die Befragungen waren schon angelaufen, könnten nun bald fortgesetzt werden. Am Ende werden beide Seiten verglichen, die Ergebnisse im Netz verfügbar gemacht.

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt moderne Technik generell eine große Rolle, sagt Aline Lohse. Das betrifft etwa die Kommunikation über Videokonferenzen, aber auch die Organisation dank entsprechender Portale. Auch bei „Kafasax“ selbst stehen digitale Möglichkeiten im Mittelpunkt. So wurde im Netz die Plattform Ideenfuervereinbarkeit.de freigeschaltet. Dort lassen sich nun Gedanken dazu austauschen. Die Firmen müssten mit ihren Angeboten offensiver werben, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, sagt Aline Lohse. „Heutzutage bewerben sich die Unternehmen mit dem, was sie haben“, betont sie. „Diesen Wandel müssen sie hinbekommen.“

Familienkompass 2020:

  • Hintergrund: Der Familienkompass ist eine große sachsenweite Umfrage zur Kinder- und Familienfreundlichkeit im Freistaat. Er ist ein gemeinsames Projekt der Sächsischen Zeitung, der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden.

  • Wann? Die Befragung endet zum Start der Sommerferien.

  • Wo? Leser der Sächsischen Zeitung finden den Fragebogen unter www.sächsische.de/familienkompass

  • Warum mitmachen? Mit jedem beantworteten Fragebogen helfen Sie mit, die Familien- und Kinderfreundlichkeit in Ihrer Stadt/Gemeinde zu verbessern. Nach der Auswertung konfrontieren wir Politik und Verwaltung mit den Ergebnissen und berichten in allen Ausgaben detailliert zur Situation in den Kommunen.

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