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Das Martha-Hospiz war einst Heim für weibliche Dienstboten

Immer nach Ostern kam neues Leben ins Haus Nummer 11 in der Nieritzstraße. Dann gingen die Mädchen vom Land auf Stellensuche in der Großstadt.

© André Wirsig

Von Dietmar Sehn

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1941 begann in Deutschland das neue Schuljahr nach den Osterferien. So packten viele Schulabgänger vor allem auf dem Land nach dem Osterfest ihre Koffer oder Rucksäcke, um in der Großstadt eine Stellung zu finden. Manches Mädchen kam so erst einmal ins Martha-Hospiz in der Dresdner Inneren Neustadt.

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Das Hospiz in der Nieritzstraße 11 war eine schlichte Herberge, geführt wurde es von christlichen Damen. Sie erwarteten die „Ostermädchen“ auf dem Neustädter Bahnhof, denn sie fürchteten Gefahr. Der Bahnhof war für „sündige Vergehen“ bekannt, und so befürchteten die Frauen, die jungen Mädchen vom Lande könnten in der Großstadt vom rechten Weg abkommen. Deshalb boten die Missionärinnen den „gefährdeten Mädchen“ eine vorübergehende Bleibe an. Außerdem unterstützten sie die „Ostermädchen“ bei der Stellensuche. In Annoncen wurde das Martha-Hospiz als „Damenheim für weibliche Dienstboten“ beworben.

Marthaheime waren im Königreich Sachsen von christlichen Vereinen gegründet worden und befanden sich in größeren Städten, so in Bautzen, Dresden, Chemnitz. Die Heime boten für eine geringe Vergütung Verpflegung und Schutz vor Gefahren. Aus dem Dresdner Hospiz wurde 1921 die Sophienschule, ein Pensionat für gebildete junge Mädchen. Während der DDR-Zeit nutzten christliche Vereine mehrere Räume des Hauses, unter anderem befand sich hier eine Mütterberatungsstelle.

Nach der Wiedervereinigung wurden die denkmalgeschützten Häuser in der Straße saniert, Haus Nummer elf zum Hotel umgebaut. Als „Hotel Martha“ wahrt es die christlichen Traditionen.