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Bautzen: Angeklagter weist Stalking-Vorwürfe zurück

Mehr als zwei Jahre lang soll ein Mann eine Frau aus Neukirch ständig angerufen, gegen ihren Willen besucht und auch angegriffen haben. Er sieht das anders.

Ein Autohändler aus Bautzen soll seiner Ex-Freundin nachgestellt und sie mehrfach krankenhausreif geschlagen haben. Jetzt steht er deshalb vor Gericht.
Ein Autohändler aus Bautzen soll seiner Ex-Freundin nachgestellt und sie mehrfach krankenhausreif geschlagen haben. Jetzt steht er deshalb vor Gericht. © Lausitznews

Bautzen. Selten lacht ein Angeklagter, wenn die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verliest. Aber dass Josef A. sich nicht unbedingt verhält wie der klassische Angeklagte, wird schnell deutlich. Markanter als der Inhalt seiner Aussagen ist sein Auftreten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-jährigen Libanesen aus Bautzen vor, seiner 30 Jahre alten Ex-Freundin nachgestellt zu haben. Mehrfach soll er Alice Hartmann aus Neukirch kontaktiert haben, obwohl ihm das vom Gericht verboten worden war. Er soll in die Wohnung der Frau eingebrochen sein, sie mit einem Holzstab krankenhausreif geschlagen haben – und einen Besucher, der zu der Zeit bei der Frau war, ebenfalls. Bei weitem nicht das einzige Mal, dass der Mann gewalttätig gegenüber der Frau geworden sein soll. Und noch mehr: Er soll sie belästigt und ihr, Freunden und auch ihrer Familie mehrfach gedroht haben.

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Der Mann sitzt in Untersuchungshaft

Fast eine halbe Stunde braucht die Staatsanwältin, um die Anklage zu verlesen. Um fünf Anklageschriften mit jeweils mehreren Vorwürfen geht es an diesem Tag, weitere fünf liegen noch auf dem Tisch, sie sollen in einem anderen Verfahren abgehandelt werden. Seit einem halben Jahr sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Und Josef, der vielleicht auch Youssef heißt – so ganz eindeutig ist das auch für das Gericht nicht –, lacht.

Tat für Tat hält der Richter dem Mann vor – und der wird nicht müde zu erzählen. Wie er seine Ex-Freundin in Wirklichkeit nur habe beschützen wollen, wie er die Schuld bei ihr sieht, wie er doch der Polizei wegen des Besuchsverbots immer berichtet habe, wenn er zu ihr gefahren sei. Sie habe das oft gewollt, meint er. Alles in Ordnung also, findet er. Er erzählt viel und ausschweifend und vor allem wirr, tischt Geschichten über sein Autohaus auf, über Geld, um das es bei der ganzen Sache gehe, das er angeblich deponiert hat. Genaueres wolle er aber nicht erzählen. Auf die eigentlichen Fragen antwortet er zumeist aber nicht. Wenn, dann sagt er: „Das habe ich nicht gemacht.“

Angeklagter: „Ich war nie zweite Wahl“

Der Angeklagte sagt Dinge, wie „Wir sind Männer, ich war nie zweite Wahl“ und fällt der Anwältin des Opfers, Gesa Israel, mehrfach ins Wort. „Über dieses Thema haben wir nicht geredet“, erklärt er bestimmt und lässt ihre Frage unbeantwortet. Oder er sagt zu ihr: „Sie brauchen nicht zu grinsen, ich weiß Sachen über Sie.“

Statt kleinlaut und entschuldigend zu sein, wirft er mit Forderungen um sich. Wird laut und aufbrausend. Weil der Richter Fragen zu seinem Autohaus und seinen Kindern stellt, sagt der Angeklagte bestimmt: „Ich möchte wissen: Worum geht es hier? Entweder wir machen jetzt Autohaus, Kinder oder Alice Hartmann.“

Im Großen und Ganzen gesteht er zwei Taten: Ja, er hat in einer Polizeizelle randaliert und ja, er hat aus der Justizvollzugsanstalt trotz des Kontaktverbotes Briefe an die Frau geschickt. Geschlagen habe er sie nie. Bevor er keine Videoaufnahmen sehe, das fordert er immer wieder ein, glaube er das nicht.

Mit dieser Forderung vertröstet ihn die Staatsanwaltschaft auf eine der nächsten Sitzungen. Weiter geht es am 14. September. Dann sagt Alice Hartmann als Zeugin aus.

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