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Das sind die neuen B-178-Pläne

Lärmschutzwände sind auf dem Abschnitt Oderwitz-Oberseifersdorf nicht vorgesehen. Dafür eine über 60 Meter breite Brücke, Tempo 110 und der Schutz des Raubwürgers.

Damit die B178 hier zwischen Großhennersdorf und Oderwitz bald weitergebaut werden kann, liegen jetzt die Planungsunterlagen zur öffentlichen Einsichtnahme aus.
Damit die B178 hier zwischen Großhennersdorf und Oderwitz bald weitergebaut werden kann, liegen jetzt die Planungsunterlagen zur öffentlichen Einsichtnahme aus. © Rafael Sampedro

In der dritten, aus der Sicht der Straßenbau-Befürworter hoffentlich letzten Planungsschleife liegen seit Montag die Unterlagen des Freistaates für den B178-Abschnitt Oderwitz-Oberseifersdorf zur Kenntnis für die Öffentlichkeit aus. Sie können in den Rathäusern und Gemeindeverwaltungen in Zittau, Oderwitz, Mittelherwigsdorf, Herrnhut, Seifhennersdorf,  Kottmar, Löbau sowie hier im Internet eingesehen werden. Das sind die Eckpunkte:

Was wird gebaut?

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Der neue B178-Abschnitt soll die Lücke zwischen dem zurzeit zwischen Großhennersdorf und Oderwitz endenden Teil und der Nordumfahrung Zittau schließen, reichlich sechs Kilometer lang, 15,5 Meter breit werden und - wie von Oderwitz bis Löbau bereits gewohnt - drei Fahrspuren bekommen. Die Einzelspur wird 3,75 Meter breit, die rechte der Doppelspuren 3,50 Meter, die linke 3,25. Die ein- und zweispurigen Stücke wechseln sich ab. Die Kraftfahrstraße ist für eine Geschwindigkeit von 110 Kilometer pro Stunde geplant. 

Zwei Durchlässe und sechs Brücken werden auf den sechs Kilometern gebaut, fünf davon über die neue B178. Die zwischen Königsholz und Kohlige wird als Tierüberquerung über 60 Meter breit und begrünt. Die meisten werden für Straßen und Wege errichtet, sodass zum Beispiel Bauern weiterhin ohne große Umwege ihre Felder erreichen können. Ein paar der Wege müssen zum Teil verlegt werden. Dazu gehört auch die Kreisstraße zwischen Oberherwigsdorf und Oberseifersdorf. In Höhe Feldschenke rückt sie zum Beispiel um 70 Meter nach Norden, damit das Gebäude nicht von der geplanten Brücke beeinträchtigt wird und die Autofahrer nicht durch eine ansonsten nötige Kurve hinter der Brücke gefährdet werden.

Am Schnittpunkt mit der alten B178 bei Oberseifersdorf entsteht ein Knoten wie es ihn bereits an vielen Stellen der neuen Straße gibt. Damit auch dort der Winkel stimmt und nicht zu viel Flächen in Anspruch genommen werden müssen, wird die alte B178 ebenfalls ein Stück verlegt. Zudem entstehen zwei Regenrückhaltebecken.

Laut aktueller Verkehrsprognose sollen auf dem Abschnitt 2025 - wenn er denn dann fertig sein sollte - bis zu 15.500 Autos pro Tag rollen, darunter reichlich 2.000 Laster. Wie auf den anderen Abschnitten auch, dürfen Traktoren oder andere landwirtschaftliche Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer die Straße nicht benutzen. 

Den Preis für den Kauf des benötigten Bodens und den Bau der Straße gibt der Freistaat mit reichlich 32 Millionen Euro an. Da die Summe aber bereits ein paar Jahre alt ist, werden die tatsächlichen Kosten am Ende wohl höher ausfallen.

© SZ-Grafik

Wo genau wird gebaut?

Der neue Abschnitt befindet sich auf dem Territorium der Gemeinden Oderwitz und Mittelherwigsdorf. Er schließt östlich der S 128/Großhennersdorf-Oderwitz an die bestehende B178 an. Von dort führt er nach Südosten, quert die Mittelstraße, schwenkt zum Umfahren des Birkberges  in östliche Richtung und quert zwischen dem Königsholz und den Kohligen/Pferdeberg den Grenzweg. Der Abstand zu den beiden Waldrändern ist dabei etwa gleich. Ab Höhe Steinberg verläuft die Trasse in südliche Richtung, parallel und im Abstand von durchschnittlich 300 Metern zur alten B178, quert erneut den Grenzweg, die Kreisstraße von Oberseifersdorf nach Oberherwigsdorf und die Betonstraße. An die Nordumgehung Zittau wird sie unmittelbar vor der Talbrücke über den Eckartsbach angebunden.

Der Höhenunterschied zwischen höchstem und niedrigstem Punkt des Abschnitts beträgt 62 Meter. Maximal sechs Meter tief wird die Straße - zwischen Birkberg und Kohlige/Königsholz - ins Gelände geschnitten. Der Damm, auf dem die Straße an anderer Stelle verläuft, ist maximal sieben Meter hoch.

Was hat sich verändert?

Bereits im Februar 1998 hat die Bundesregierung - in deren Auftrag und auf deren Kosten der Freistaat die B178 plant - der Linie, auf der die Straße  prinzipiell verlaufen sollte - zugestimmt. 2005 begann die Planung für den jetzt zur Diskussion stehenden Abschnitt mit der Süd-Umfahrung des Pferdeberges. 2011 war nach der öffentlichen Auslegung und massiver Kritik klar, dass auch die Nord-Umfahrung näher untersucht werden muss. Das Ergebnis: Die Nordvariante ist zwar die teurere, aber auch die bessere. 

Gegen die Südvariante sprach zum Beispiel: 

- mehr Biotope würden verlorengehen

- größere Eingriffe in bedeutende Landschaftsbildräume und in ausgewiesene Erholungsgebiete wären nötig

-  Oberherwigsdorfer und Niederoderwitzer wären mehr Lärm ausgesetzt

- der Lebensraum des Raubwürgers, der die Halboffenlandschaft um den Pferdeberg als Winterrevier nutzt, wäre stark in Mittleidenschaft gezogen worden 

- zwei landwirtschaftliche Betriebe (davon ein Öko-Hof) wären in ihrer Existenz gefährdet

- die Auswirkungen auf das Grundwasser wären ungünstiger

2014 bekam die neue Linie vom Bund grünes Licht. Danach wurde geplant. Die Unterlagen wurden dann erneut öffentlich ausgelegt. Dabei kam es wieder zu Kritik, die der Freistaat nicht einfach vom Tisch wischen konnte. Die erneuten Änderungen betreffen Autofahrer allerdings nur am Rande. Dabei geht es zum Beispiel um die Optimierung des Abstandes zwischen Straße und Grundwasser.

Der nördliche Raubwürger.
Der nördliche Raubwürger. © Quelle: Wikimedia

Wird die Umwelt geschützt?

Zur Umwelt gehören Menschen, Tiere, die Landschaft und noch viel mehr. Zum Schutz der Menschen wurde unter anderem untersucht, ob die Straße dafür sorgt, dass das Grundwasser verunreinigt wird, die zusätzlichen Autos zu viele Schadstoffe in die Luft blasen oder zu viel Lärm entsteht. Tut sie laut der Planunterlagen nicht. Deshalb sind auch keine Gegenmaßnahmen wie beispielsweise Lärmschutzwände geplant. Allerdings soll die Straße vorsorglich als Oberfläche "Flüsterasphalt" bekommen.  

Fast 100 Maßnahmen zur Vermeidung, Schadensbegrenzung oder zum Ausgleich sehen die Pläne für Tiere und Landschaft vor. Das fängt mit einer weit über drei Millionen Euro teuren Tierbrücke an, reicht über Ausgleichspflanzungen von Bäumen und dem Anlegen von Fledermaus-Flugkorridoren bis hin zu Wirtschaftswegen, die nicht voll asphaltiert werden, damit möglichst wenige Flächen versiegelt werden.  

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Die Unterlagen liegen noch bis 15. Mai öffentlich aus. Dann prüft die Landesdirektion als oberste Baugenehmigungsbehörde des Landes, ob Kritiken eingegangen sind und wie stichhaltig diese sind. Voraussichtlich wird es im Sommer erneut eine Anhörung der Kritiker geben. Gibt es keine stichhaltigen Einwände, könnte die Landesdirektion noch in diesem Jahr die Pläne feststellen und damit Baurecht schaffen. Wenn nicht, droht aus Sicht der Straßenbefürworter die vierte Planungsschleife.

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