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Döbelns Stadtbad ist wieder schick

Vor fast 90 Jahren hat ein Döbelner Architekt das Bad entworfen. Aber erst Gips macht seine Idee anschaulich.

Simone Jentzsch (rechts) von den Stadtwerken und Badleiter Toni Bunzel (links) stehen mit Frank Dornacher an dem fast 90 Jahre alten restaurierten Architekturmodell des Stadtbades. Es wurde jetzt wieder im Foyer wieder aufgestellt.
Simone Jentzsch (rechts) von den Stadtwerken und Badleiter Toni Bunzel (links) stehen mit Frank Dornacher an dem fast 90 Jahre alten restaurierten Architekturmodell des Stadtbades. Es wurde jetzt wieder im Foyer wieder aufgestellt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Döbelner Stadtbad gibt es auch in klein. Der Architekt Werner Retzlaff hatte es 1933 als Architekturmodell nach seinen Plänen bauen lassen. „Dass sich so ein Modell erhalten hat, ist schon ungewöhnlich“, sagte Frank Dornacher. Oft hat der Dresdner Restaurator ein solches Objekt nicht unter seinen Händen. Das Döbelner Stadtbad ist da in trauter Einigkeit mit dem Architekturmodell des Dresdner Kulturpalastes, das Dornacher ebenfalls restauriert hatte und das jetzt im Dresdner Stadtmuseum ausgestellt wird.

Um das Modell des Döbelner Stadtbades zu sehen, braucht niemand ins Museum zu gehen. Ein Besuch des Foyers des Bades reicht. Dort ist es Ende vergangener Woche wieder aufgestellt worden, nachdem es Dornacher wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt hat. Früher stand es schon mal im Foyer in einer Vitrine, danach einige Jahre nicht mehr. 

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Ein Glaskasten schützt es vor Beschädigungen und Verschmutzungen. „Wir haben lange gesucht, bis wir in Dresden jemanden gefunden haben, der es restaurieren konnte“, sagte Simone Jentzsch von den Stadtwerken.

Gefertigt ist das Modell aus Stuck auf einem Holzunterbau, auf dem ein Drahtgeflecht aufgezogen wurde, erklärte Dornacher. Retzlaff hatte das Modell auch nicht selbst gefertigt. Ein Schild gibt über die Firma Auskunft: Birkenhauer, Bildhauer und Stuckgeschäft, Dresden. „Die Firma ist bekannt“, sagte der Restaurator.

Nach fast 90 Jahren macht das Modell immer noch einen frischen Eindruck. Es ist nicht mehr die originale Oberfläche. Irgendwann war das Modell schon einmal überstrichen worden, sagte der Restaurator. Er hat es mit Pinseln und Radierschwämmen vom Staub und Fliegendreck gereinigt, hat die Gipsmasse verfestigt und Risse verklebt. Einige Schadstellen wurden ergänzt – ein Stück vom Zaun und von der Straßenbrücke hatten gefehlt. Für die Darstellung der Bäume waren seinerzeit Naturschwämme verwendet worden.

Mit Architekturplastiken wie diesem stellen Architekten bis in die heutige Zeit den Bauherren ihre Entwürfe vor. Dornacher ist von Retzlaffs Entwurf begeistert. „Das ist Architektur von hoher Qualität“, sagte er. Offenbar hatte die funktionelle Strenge der Planung auch die Stadtväter überzeugt. Denn zwischen dem Modell und dem später ausgeführten Bau gibt es kaum Unterschiede. Auch über die Jahrzehnte haben sich die meisten architektonische Details erhalten.

Eine Besonderheit ist auf dem Modell aber noch zu sehen. Am Hang hinter dem Gebäude ist noch die Grabanlage von Daniel Wilhelm Beck dargestellt. Beck war 1860 gestorben und wurde in Döbeln in seinem Garten beerdigt. Er ist der Begründer der Döbelner Lederindustrie, die damals an der Staupitzstraße angesiedelt war. Die Grabanlage soll erst in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeebnet worden sein.

Der Bau eines Stadtbades in der „Beckschen Aue“ hatte die Stadt lange geplant. Schon 1914 hatte sie das dafür nötige Grundstück an der Mulde gekauft. Aber erst 1933 fasste der Stadtrat den Beschluss, mit dem Bau zu beginnen. Das Badgebäude mit Schwimmhalle, Sauna und Wannenbädern wurde 1936 im Olympiajahr fertiggestellt. Der Bau des Freibades erfolgte später.

Das Stadtbad reiht sich ein in eine ganze Reihe von Entwürfen von Werner Retzlaff. Er war zum Beispiel am Bau des Central-Kinos in Döbeln beteiligt und hatte das vor einigen Jahren abgerissene Astoria-Filmtheater in Roßwein entworfen. Auch den Umbau des Kinos „Capitol“ in Döbeln und der Bau der großen Wohnhäuser am Sonneneck in Döbeln gehen auf Entwürfe Retzlaffs zurück. Er siedelte gegen Ende der 1930er-Jahre nach Berlin um, wo er 1960 starb.

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