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„Das war Gänsehautfeeling pur“

Ein Sponsor des Bobteams Francesco Friedrich reiste extra aus Pirna nach Südkorea, um die Bob-Finalläufe zu sehen.

© Daniel Förster

Von Daniel Förster

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Pirna/Pyeongchang. „Das kann man nicht in Worten fassen, das muss man live erlebt haben.“ Gert Rabenstein (59) und seine Lebensgefährtin Bettina Sturm (51) waren dem Pirnaer Olympiahelden Francesco Friedrich (27) und seinem Team bei den Entscheidungen in der südkoreanischen Eisrinne so nah wie keine anderen Fans aus der Heimat. „Nach seinem Sieg im Zweierbob-Krimi fiel er uns euphorisch und völlig erleichtert in die Arme. Wir haben uns gemeinsam riesig über den Titel gefreut, das kann man nicht beschreiben. Das war Gänsehautfeeling pur.“ Als Francesco Friedrich und sein Anschieber Thorsten Margis (28) im vierten Lauf jubelnd ins Ziel rauschten – und das auf die Hundertstel genau zeitgleich mit dem Kanadier Justin Kripps (31) –, stand Gert Rabenstein mit seiner Freundin in der ersten Reihe.

Gert Rabenstein, der ein Detektivbüro in Pirna betreibt, gehört zur Sponsoren-Allianz Bobteam Friedrich, die von Beginn an den Erfolgspiloten unterstützt. Und nicht nur das. Die beiden, er und seine Partnerin, die als Speditionskauffrau arbeitet, sind eingefleischte Fans. „Als Franz für Olympia gesetzt war, stand für uns fest, wir möchten das mal live erleben und ihm mit allem Drum und Dran den Rücken stärken.“

Die Reise nach Südkorea hätten sie keinen Augenblick bereut, erzählen die beiden. Im Gegenteil: Hinter dem Paar aus Pirna liegen unvergessliche Momente. „Das vergisst man nicht so schnell.“ Einen niedrigen fünfstelligen Betrag haben beide dafür ausgegeben – Übernachtung, Essen und Eintritt inklusive. Um nach Pyeongchang zu kommen, waren sie abzüglich der Zeitverschiebung einen ganzen Tag unterwegs, 9 250 Kilometer in der Luft und 280 Kilometer im Zug und noch einige Kilometer mit dem Auto.

Das Paar und Francesco standen in engem Kontakt. „Wir haben uns oft gesehen. Mal früh, mal beim Mittag oder abends. Meistens kam er zu uns. Wenn er schon von Weitem den Daumen nach oben zeigte, wussten wir, alles ist gut. Nach seinen ersten beiden missglückten Läufen im Zweier hat er uns beruhigt: Wir sollten uns keine Gedanken machen. Er zieht das Ding durch.“ Einen Lauf zu verhauen, das passiere nun mal. Und so war es auch. Franz fuhr im dritten Lauf Bahnrekord und schnappte sich in der knappest möglichen Weise Olympia-Gold. „Dass es für Franz geklappt hat, ging uns so nah, dass wir vor Freude geweint haben.“ Wir haben mitgefiebert und gezittert. Es ist Wahnsinn, die Emotionen, die dort frei werden.“ Die Siegerfeier im Deutschen Haus war „grandios, die Stimmung absolut überwältigend“.

Nachdem Francesco sich sein ersehntes Olympia-Gold im Zweier geschnappt hatte, begegneten sie während der Viererbob-Durchgänge einem „viel entspannteren“ Piloten. „Er war viel lockerer drauf. Ihm war erst einmal eine große Last abgefallen.“ Im Finale stachen dann vor allem die Koreaner hervor. „Die waren eigentlich nur auf ihre eigenen Sportler fixiert. Wenn die am Start standen, haben denen ihre Leute einen unvorstellbaren Rabatz gemacht. Die haben so irre laut gebrüllt, da hat man das eigene Wort nicht verstanden.“

Am Dienstag kommen die beiden zurück. „Wir wollen ja pünktlich zum großen Empfang wieder in Pirna sein.“ Schließlich wollen sie am 1. März ihren Olympiahelden in der Heimat wieder in die Arme schließen und mit den anderen Fans ab 18 Uhr auf dem Markt vor dem Rathaus die Sportler begrüßen.