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Dem Unkraut wird Dampf gemacht

Eine Firma aus Lampertswalde zeigt im Stadtpark wie es geht. Und es ist billiger als Jäten?

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© KADEBRUEHL

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Der Wasserdampf, der aus der Lanze kommt, ist 98 Grad heiß – also fast kochendes Wasser. Da haben die Eiweißzellen des Unkrautes keine Chance: Sie platzen. Das heiße Wasser dringt auch ins Erdreich und tötet die Wurzeln ab. Und zersetzt die Samenkörner. Allerdings auch den Regenwurm, der sich gerade zur falschen Zeit am falschen Ort befindet.

Heißwasserentkrauten nennt sich die Technik, die Maik Rennert aus der Gärtnerei Vetter in Lampertswalde schon auf zahlreichen Firmengeländen anwendet. Der junge Mann ist Dienstleister in der Grünflächenpflege und will nun auch für die Stadt Großenhain tätig werden. Die hat bekanntlich eine Menge Unkraut. Man muss sich nur die Parks, die vielen Schnittgerinne, Pflasterflächen und Parktaschen ansehen. „Chemische Bekämpfung ist tabu, das bekommen wir nicht genehmigt“, sagt Martin Reichel, der Vorarbeiter der Stadtbauhof-Gärtner. Doch Arbeitskräfte sind in Zeiten von Mindestlohn teuer.

Chemische Keule ist verboten

Das Unkrautjäten kostet etwa einen Euro pro Quadratmeter, weiß Fachmann Maik Rennert. Wenn eine Fläche stark verkrautet ist und dazu knochenhart, kann das lange dauern, anstrengend sein und viel kosten. Der Heißwasserentkrauter aber schafft es spielend. 500 Liter Wasser hat Rennert in seinem mobilen Tank auf einem Anhänger. Ein Benzinmotor betätigt die Pumpe, ein Durchlauferhitzer heizt das Wasser auf. Die Arbeitsbreite der Ausbringlanze kann zwischen 20 und 80 Zentimeter variiert werden. „Ist eine grüne Sache ganz ohne Chemie“, wirbt der Lampertswalder. Zumal deren Einsatz sowieso gesetzlich verboten wurde. Denn Gifte wie „Round-up“ dringen in den Boden und das Grundwasser. Pflanzen können resistent dagegen werden. Auch private Grundstücksbesitzer müssten jetzt darauf achten, so Rennert.

Doch die Heißwassertechnik könne auf allen wasserdurchlässigen Flächen eingesetzt werden: auch auf Friedhöfen, in den Gärten der Kindereinrichtungen, auf Parkplätzen. Eine Anwendung zwei bis dreimal im Jahr – und der Unkrautbewuchs gehe zurück, meint Maik Rennert. Er behandelt mit dem Unkrautdampfer bei sich sogar kleine Rasenflächen. Nach der Anwendung muss das abgestorbene Unkraut allerdings noch abgerecht werden.

30 000 Quadratmeter Fläche hat der Lampertswalder im Vorjahr mit seinem Wasserdampfer, der auch auf einen Multicar passt, behandelt, sagt er. Das Gerät sei die Zukunft. Der Großenhainer Stadtbauhof überlegt nun, selbst so etwas anzuschaffen. Ein Kleingerät kostet 18 000 Euro.

Stadtrat müsste Technik beschließen

Das würde für die Anforderungen der Großen Kreisstadt aber wohl nicht ausreichen. Eine dem Bedarf angemessene Technik aber kostet etwa 60 000 bis 70 000 Euro, rechnet Maik Rennert vor. Er hofft vielmehr auf einen Pflegevertrag mit der Stadt Großenhain, so wie er auch für den speziellen Baumschnitt oder das Stubbenroden abgeschlossen wird. „Das muss der Stadtrat beschließen“, sagt Vorarbeiter Martin Reichel. Ihn hat der Test im Großenhainer Stadtpark an der Zufahrt zum Tennisgelände offenbar überzeugt.