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Der Awo-Kandidat

Torsten Ruban-Zeh möchte in Hoyerswerda Oberbürgermeister werden.

Torsten Ruban-Zeh an seinem Schreibtisch in seinem Büro in Hoyerswerda. Die örtliche Arbeiterwohlfahrt führt er seit 2011.
Torsten Ruban-Zeh an seinem Schreibtisch in seinem Büro in Hoyerswerda. Die örtliche Arbeiterwohlfahrt führt er seit 2011. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Manch anderer hätte dieses Geschenk vielleicht in die Tiefen des Kellers verbannt. Aber Torsten Ruban-Zeh, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt in Hoyerswerda und von der SPD nominierter Oberbürgermeister-Kandidat, hat die Matrioschka auseinandergenommen und alle fünf Figuren in seinem Büro bei der Awo hinter seinen Schreibtisch gestellt: Lenin ist der Kleinste. Es folgen Stalin, Gorbatschow, Jelzin und als Größter Wladimir Putin.

„Es ist eben eine tiefe Liebe zu Russland“, sagt Ruban-Zeh. Nicht so sehr zu Putin und schon gleich gar nicht zu Stalin, aber doch zum russischen Volk. Diese Zuneigung wuchs früh. Vier Jahre seiner Kindheit verbrachte der heute 57-Jährige in Moskau. Vater Manfred Zeh, später Generalmajor der Nationalen Volksarmee, studierte von 1971 bis 1974 an der Generalstabsakademie der Roten Armee. Der Sohn besuchte die Schule der DDR-Botschaft und freundete sich beim Spielen auf der Straße mit einheimischen Kindern an. Manche dieser Freundschaften hält bis heute.

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Die Jahre in Moskau, sagt Torsten Ruban-Zeh, seien die prägenden seiner Kindheit gewesen, jene in Halle/Saale die prägenden seiner Jugend. Der Beruf des Vaters und später die eigene Karriere brachten zahlreiche Ortswechsel mit sich. Der Geburt in Dresden folgten Aufenthalte in Potsdam, Teltow, Moskau, Berlin, Halle-Throta, Löbau und dann wieder in Halle beziehungsweise Leipzig. Das Wurzelnschlagen dauerte entsprechend lange. „Ich hatte das Gefühl, hier angekommen zu sein“, bewertet Ruban-Zeh den Umzug nach Hoyerswerda im Jahr 2000, als er hier Globus-Geschäftsführer wurde. Er versuchte damals zunächst, in seiner Geburtsstadt Dresden zu leben und in Hoyerswerda zu arbeiten. Aber der Versuch dauerte nicht lange.

Der erste Beruf des heutigen Awo-Chefs war Maschinen- und Anlagenmonteur. Zumindest hat er ihn in Halle einmal gelernt. Später folgte in Löbau das Ingenieurs-Studium an der Offiziershochschule der NVA. Eigentlich sollte der Berufsweg zum Militär-Attaché führen. Doch als 1990 die DDR verschwand, verschwand auch dieser Plan. Ruban-Zeh wechselte in den Handel, erst zu Massa, dann zum Lebensmittelhändler Nanz, schließlich zu Globus. Dass er in Hoyerswerda landete, ist einerseits Zufall. Hier war gerade eine Stelle mit Entwicklungspotenzial frei. Andererseits war der damalige Mittdreißiger des Herumreisens überdrüssig, wollte sesshaft werden.

Er habe, sagt er, schnell gemerkt, dass er mit den Menschen hier kann. Es seien im Allgemeinen kreative Leute, die etwas bewegen wollten. „Heimat ist für mich Hoyerswerda“, stellt Torsten Ruban-Zeh heute fest. Als er 2007 für Globus nach Russland ging, war von Anfang an klar, dass das nur ein Gastspiel auf Zeit werden sollte, Aufbauhilfe für den Konzern im Osten. Dort wartete aber auch die Liebe. Nach Hoyerswerda zurück ging es 2010 in Begleitung einer Frau. Evgenia Ruban stammt aus Domodedowo bei Moskau. Sie war bis vor wenigen Tagen Russin. Offiziell mit Datum vom 23. Juli ist der Prozess der Einbürgerung für sie aber abgeschlossen. Die Lehrerin brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Heute besteht die Familie aus sechs Personen. Ruban-Zehs haben zwei Töchter im Alter von 9 und 14 Jahren sowie zwei vier beziehungsweise 18 Jahre alte Söhne.

Gleich neben der Kompanie der sowjetisch-russischen Staatenlenker in Torsten Ruban-Zehs Awo-Büro steht ein Plüschteddy mit einem Herz sowie einem Foto von Evgenia Ruban in den Armen. „Der wichtigste Lebensinhalt ist die Familie“ , sagt der Familienvater. Seine beiden betagten Eltern leben derzeit im Seniorenwohnheim der Awo an der Thomas-Müntzer-Straße. Dort hängt unter anderem in Form von Fahnen Reklame vor der Tür, auf denen auch die Unterschrift des Geschäftsführers prangt. Fast sieht es so aus, als sei die örtliche Arbeiterwohlfahrt ohne Torsten Ruban-Zeh nicht denkbar. „Das geht aus unserer Markenstrategie hervor“, erklärt der Unternehmens-Chef. Motto: Er stehe mit seinem Namen für die Awo.

Als er nach der Rückkehr aus Russland im April 2011 den Kreisverband und die zugehörige Awo Lausitz Pflege- und Betreuungs- gGmbH übernahm, war da Ebbe in den Kassen, wirtschaftliche Schieflage, und ein möglicher Gang zum Insolvenzgericht tatsächlich eine reale Gefahr. Mittlerweile schreibt das gemeinnützige Unternehmen positive Betriebsergebnisse. Der letzte veröffentliche Jahresabschluss stammt aus dem Jahr 2018. Er weist Umsätze in Höhe von 30,3 Millionen Euro und einen Mitarbeiterstand von 674 Personen aus.

„Arbeit spielt bei mir immer eine große Rolle, ja“, sagt Torsten Ruban-Zeh. Es gehe ihm dabei weniger ums Geld, als darum, sich einzubringen. Das erkläre auch den Umstand, warum seine Tätigkeit bei der Arbeiterwohlfahrt so wirkt, als ob er nicht gerade den Wechsel ins Rathaus vorhat. „Ich kann nicht heute sagen: «Ich kümmere mich nicht um die Awo und tue das erst wieder, wenn es mit der Wahl nicht klappt»“, ist die Erklärung. Die Tage seien eben einfach länger geworden. Womöglich ist der 57-Jährige ja eher ein Awo-Kandidat als ein SPD-Kandidat, obwohl die Arbeiterwohlfahrt aus der Tradition heraus ja durchaus sozialdemokratische geprägt ist.

Schon als Torsten Ruban-Zeh im vorigen Jahr in den Stadtrat einzog, tat er das als SPD-Mitglied auf der Liste der Partei, aber ohne Hinweis dazu in der Wahlwerbung. Im OB-Wahlkampf ist das nun wieder so. Eigentlich, sagt er, habe er ja parteilos bleiben wollen. Seine nun andauernde SPD-Mitgliedschaft versteht er ausdrücklich als Zeichen gegen die gestiegene Popularität der AfD. „Ich laufe da halt so nebenher“, sagt er über den SPD-Ortsverein. Offensiv aktiv ist er allerdings für den Sportclub. Der einstige Handballer steht an der Spitze des SC. 2013 ist er nämlich zum Präsidenten des größten Sportvereins der Stadtregion gewählt worden.

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