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Der Azubi aus Kozloduy

Pavlin Geraskov wird bei Walluszek in Riesa ausgebildet. Ein Programm der Agentur für Arbeit macht‘s möglich.

Von Stefan Lehmann

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Es war irgendwann im Juni 2014, als eine seltsame E-Mail in Torsten Kühnels Postfach auftauchte. „Ich las den ausländischen Namen in der Absenderzeile und dachte zuerst, das sei Spam“, erzählt Kühnel und muss bei dem Gedanken selbst schmunzeln. Schließlich siegte aber doch die Neugier des Geschäftsführers beim Messtechnik-Hersteller Walluszek. „Ich habe dann in den ersten Zeilen gelesen, dass sich der Absender bei uns bewirbt, im Rahmen eines Projekts des Jobcenters.“ Also erkundigte sich Kühnel beim angegebenen Kontakt nach dem jungen Mann und vereinbarte einen Gesprächstermin.

Der Absender des Bewerbungsschreibens, das ist Pavlin Geraskov. 32 Jahre ist er alt – und stammt aus Kozloduy im Nordwesten Bulgariens. Dort erfuhr er von „The Job of my Life“. Gefördert werden dabei Projekte, die Jugendlichen und Jungen Erwachsenen innerhalb der EU eine duale Ausbildung ermöglichen.

Es fehlen Fachkräfte

Seit 1993 bildet Walluszek aus, zwei Azubis werden im Jahr betreut. Als Torsten Kühnel die Bewerbung des Bulgaren liest, sind schon zwei Ausbildungsplätze für das kommende Jahr besetzt. „Eigentlich ist das auch das Limit“, sagt der Geschäftsführer. Es ist Geraskovs Erfahrung, die am Ende den Ausschlag gibt. Der 32-Jährige hat in einem Atomkraftwerk gearbeitet und davor bereits für eine Montagefirma Lüftungs- und Heizungsanlagen aufgebaut. Die Steuerungstechnik für solche Anlagen wiederum stellt das Unternehmen aus Riesa her. „Herr Geraskov bringt von seinem alten Beruf viele Grundlagenkenntnisse mit, die ihm und uns hier nutzen. Ein solches Potenzial wollten wir nicht liegen lassen“, sagt Torsten Kühnel. Denn der Fachkräftemangel macht sich auch bei der Walluszek GmbH bemerkbar. Vor allem Monteure sind rar. Noch im Juni trifft sich Kühnel mit Geraskov zum Gespräch.

Der junge Bulgare ist zu diesem Zeitpunkt noch Praktikant in einer Firma in Halle. „Dort habe ich das Gleiche gemacht wie in Bulgarien“, erzählt Geraskov. Dabei sei er doch nach Deutschland gekommen, um etwas dazuzulernen. Die Chancen dazu schätzt er bei Walluszek in Riesa als besser ein. Er absolviert ein vierwöchiges Praktikum, im September unterschreibt er den Ausbildungsvertrag zum Elektroniker für Automatisierungstechnik.

Die Entscheidung für den bulgarischen Azubi hat Torsten Kühnel seitdem nicht bereut. Wenn er von Geraskov erzählt, kommt er regelrecht ins Schwärmen – was vor allem an dessen Erfahrung liegt. „Er zeigt viel Einsatzbereitschaft, und er fragt auch immer wieder nach, ob er alles richtig erledigt hat.“ Da mache sich natürlich auch der Altersvorsprung gegenüber anderen Auszubildenden bemerkbar.

Auch die Sprache ist mittlerweile kein großes Hindernis mehr. „Ich hatte in der Grundschule Deutsch“, sagt Geraskov und lächelt schüchtern, „aber das hatte ich natürlich alles vergessen.“ Schon in Bulgarien habe er im Rahmen des Programms Deutschstunden genommen, drei Monate lang. Auch jetzt lernt er die Sprache, an der Volkshochschule. Mit Erfolg: In den ersten Gesprächen gab Pavlin Geraskovs Freundin die Dolmetscherin. Mittlerweile muss sie nur noch bei schwierigeren Wörtern helfen. Und wenn ihm auf Arbeit einmal ein Wort fehlen sollten, dann genüge meist ein schneller Griff zum Smartphone.

Dass die Sprache Probleme bei der Zusammenarbeit bereiten würde, habe er sowieso nie befürchtet, sagt Torsten Kühnel. Um die Schaltpläne zu verstehen, nach denen die Anlagen in der Firma gebaut werden, müsse man ja wahrlich kein Deutsch-Experte sein. Neben dem Sprachunterricht besucht Pavlin Geraskov wie jeder Azubi die Berufsschule und das Qualifizierungszentrum. Die praktischen Dinge seien kein Problem, sagt der Bulgare. „Die Berufsschule ist etwas schwieriger.“ Die Sprachkenntnisse fallen hier am meisten ins Gewicht. Torsten Kühnel macht sich darüber keine Sorgen. „Das erste Halbjahreszeugnis spricht nicht die schlechteste Sprache.“ Der Geschäftsführer ist überzeugt davon, dass sein Azubi aus Kozloduy den Abschluss schaffen wird. „Wer so einen Schritt tut wie er das getan hat, der hat den notwendigen Ehrgeiz.“

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