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Der Baum der Erinnerungen

Fast 100 Jahre lang stand eine Birke in einem Vorgarten an der Waldheimer Straße. Eine nostalgische Nachbetrachtung.

Die fast 100 Jahre alte Birke im Garten von Brigitte Gabsch (rechts) hat den letzten Sturm nicht überstanden, Ingolf Redling und Ines Köhler leisteten beim Zersägen des Baumes Nachbarschaftshilfe.
Die fast 100 Jahre alte Birke im Garten von Brigitte Gabsch (rechts) hat den letzten Sturm nicht überstanden, Ingolf Redling und Ines Köhler leisteten beim Zersägen des Baumes Nachbarschaftshilfe. © Jens Hoyer

Döbeln. Vier Menschengenerationen lang hatte die große Birke im Vorgarten des Hauses an der Waldheimer Straße gestanden. Dann legte sie sich beim Sturm am vorvergangenen Sonntag zur Seite. Und selbst das so passgenau, als wollte sie auch im Tode möglichst wenig Schaden anrichten. 

Sie ist in den Garten hineingefallen, knapp am Gerüst für die Wäscheleine vorbei. „Wäre sie nach der anderen Seite zum Nachbarn gekippt, das hätte mich viel Geld gekostet“, meint Brigitte Gabsch, der das Haus gehört. Sie trauert um den Baum, der sie ein Leben lang begleitet hat. „Als ich mit fünf Jahren hierherkam, hat die Birke schon gestanden. Da kam sie mir schon groß vor“, sagte die 86-Jährige. Wenig später war Brigitte Gabsch in der nahen Körnerplatzschule eingeschult worden. Das war 1939. Damals war das noch eine reine Mädchenschule. „Wir waren der letzte Jahrgang, der noch Ostern in die Schule kam.“

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Brigitte Gabsch schätzt das Alter der Birke auf 95 Jahre. „Ich habe den Baum geliebt und mich auch mit ihm unterhalten“, sagte sie. Er hatte bis zuletzt für Schatten im Schlafzimmer gesorgt. Statt ins Grüne, schaut die Hausbesitzerin jetzt auf die Fassade der gegenüberliegenden alten Fabrik.

„Horst Spieler hat die Birke gepflanzt. Den haben wir als Kinder gemocht. Er ist wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen“, erzählte Brigitte Gabsch. Sie hat ein Gedenkkreuz mit seinem Namen auf dem Niederfriedhof entdeckt.

Am Wochenende ist die Birke zu Kleinholz verarbeitet worden. Drei Nachbarn, Ingolf Redling, Andreas Riethig und Ines Köhler, haben das für die Seniorin übernommen. Wegen der beengten Situation kein einfaches Unternehmen. „Das gibt eine Menge Kaminholz“, sagte Redling.

Ein bisschen Schaden hat der gefallene Baum doch angerichtet. Der Zaun hat was abbekommen. Und auch eine danebenliegende Schleuse überstand die Entwurzelung nicht. „Dort muss ein neuer Abwasserschacht gesetzt werden“, sagte Brigitte Gabsch.

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