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„Der Bleistift soll stehenbleiben“

Eine Limbacherin hat eine Petition zum Erhalt der Wilsdruffer Antenne gestartet. Einige Reaktionen haben sie überrascht.

Sabine Neumann möchte, dass die Wilsdruffer Riesenantenne stehenbleibt. Deshalb hat die 38-jährige Limbacherin eine Unterschriftenaktion im Internet gestartet. In verschiedenen Geschäften liegen auch Listen aus, in denen man sich eintragen kann.
Sabine Neumann möchte, dass die Wilsdruffer Riesenantenne stehenbleibt. Deshalb hat die 38-jährige Limbacherin eine Unterschriftenaktion im Internet gestartet. In verschiedenen Geschäften liegen auch Listen aus, in denen man sich eintragen kann. © Andreas Weihs

Kann die Riesenantenne am Wilsdruffer Stadtrand stehenbleiben? Viele Wilsdruffer wünschen sich das und hoffen, dass die Media Broadcast als Eigentümer umgestimmt werden kann.

Das Landratsamt Pirna hatte dem Unternehmen nach langem Hin und Her vor wenigen Tagen die Erlaubnis erteilt, den unter Denkmalschutz stehenden Mast abzureißen. Sabine Neumann möchte das verhindern. Der über 60 Jahre alte Mittelwellensender soll stehenbleiben. Die junge Frau, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Limbach wohnt und als Angestellte in der sächsischen Staatsregierung arbeitet, startete vor wenigen Tagen eine Unterschriftensammlung auf der Internet-Plattform „Openpetition“. Die Sächsische Zeitung wollte von der 38-Jährigen wissen, was sie sich davon verspricht.

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Frau Neumann, waren Sie schon mal in der ehemaligen Sendeanlage?

Nein, das habe ich noch nicht geschafft. Aber ich würde es mir gern mal ansehen. Technik interessiert mich. Ich kann mich noch schwach daran erinnern, wie es war, als man Radioprogramme hörte, die über Mittelwelle übertragen wurden. Ich war damals acht oder neun Jahre alt.

Ist das der einzige Grund, weshalb die Antenne stehen bleiben soll?

Nein. Der Mast ist nicht nur ein technisches Denkmal, sondern ein Wahrzeichen von Wilsdruff. Schon als Kind habe ich mich gefreut, wenn ich den Funkturm bei der Anfahrt auf Dresden entdeckt habe. Unter uns Kinder gab es immer einen Wettbewerb, wer ihn zuerst sieht. Inzwischen ist das auch bei meinen eigenen Kindern so. Auch sie freuen sich, ihn zu erblicken. Deshalb möchte ich, dass er stehenbleibt. Auch wenn es eigentlich eine Sendeantenne ist, für uns ist es der Funkturm. Liebevoll nennen wir ihn auch den Bleistift.

Und wie wollen Sie das erreichen?

Vor wenigen Tagen habe ich mich auf der Internetseite Openpetition an einer Unterschriftensammlung zur Abschaffung der Kitagebühren beteiligt. Als ich dann aus der Zeitung erfahren habe, dass der Funkturm abgerissen werden sollte, habe ich spontan gehandelt, einen Text verfasst und dort selbst die Petition eingestellt. Über Facebook habe ich meine Freunde und Bekannten darüber informiert. Und natürlich habe ich das auch in Gesprächen erwähnt. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert in Wilsdruff ganz gut. Die Kleinstadt hat noch einen dörflichen Charakter, und das ist nicht abwertend, sondern lieb gemeint.

Ihre Petition läuft seit dem 8. Februar. Haben Sie sich zuvor mit dem Technikverein Sender Wilsdruff abgestimmt?

Nein. Ich habe eher zufällig gesehen, dass es dort fast zeitgleich den Gedanken gab, Unterschriften für den Erhalt zu sammeln. Aber da war meine Petition schon im Internet. Inzwischen habe ich mit dem Vorsitzenden des Vereins gesprochen. Er fand es gut, dass ich so gehandelt habe.

Der Mast sorgt für Gesprächsstoff. Wie fielen die Reaktionen aus, die Sie bekommen haben?

Ich habe bisher nur eine negative Rückmeldung bekommen, ansonsten nur Zustimmung, auch von Leuten, die ich nicht kenne. Auch die Stadträte, mit denen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, wollen den Funkturm erhalten. Inzwischen haben wir in Geschäften und in der Bibliothek Listen ausgelegt, damit sich auch die Bürger an der Petition beteiligen, die nicht so im Internet unterwegs sind. Außerdem habe ich Abrisszettel mit QR-Code verteilt. Um auf die Abstimmungsseite zu kommen, muss man diesen einfach nur einscannen. Ich bin zuversichtlich, dass ich mein Ziel schaffe, 2 100 Unterschriften zu sammeln. Wenn es drauf ankommt, dann halten die Wilsdruffer zusammen. Und so ist es auch beim Funkturm.

Ihre Petition richten Sie an den Kreistag und Landrat Michael Geisler. Dabei hat doch gerade das Landratsamt Pirna den Denkmalschutz des Mastes aufgehoben und den Abriss genehmigt. Wie passt das zusammen?

Ich glaube, dass der Kreis der richtige Ansprechpartner ist, eben weil er den Abriss genehmigt hat. Warum sollte er diese Entscheidung nicht zurücknehmen? Ich bin mir aber auch bewusst, dass diese Petition keine rechtliche Wirkung hat.

Vorausgesetzt, Sie schaffen es, dass der Mast stehenbleibt. Wie soll er genutzt werden?

Die Sendeanlage sollte zu einem Museum werden. Der Technikverein hat schon ein paar gute Ideen. Ich persönlich fände es gut, wenn dort ein Schülerfunk fürs Gymnasium entstehen könnte.

Der Besitzer des Mastes sagt, dass dessen Unterhalt teuer ist. Genaue Zahlen werden zwar nicht genannt, aber im Internet kursieren Angaben, wonach der Erhalt des Masts im Jahr 150.000 Euro kostet. Wer soll die aufbringen?

Diese Frage kann vielleicht der Technikverein beantworten.

Innerhalb weniger Tage haben Sie schon mehr als 800 Unterschriften gesammelt. Was soll am Ende der Aktion passieren?

Die Petition läuft noch knapp vier Wochen. Bis dahin müssen wir 2 100 Unterschriften gesammelt haben, um erfolgreich zu sein. Haben wir das geschafft, werden wir sie öffentlichkeitswirksam an Landrat Michael Geisler übergeben.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

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Online-Petition für den Erhalt des Sendemastes Wilsdruff

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