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„Der Bürgermeister muss heute ein Manager sein“

Fünf Kandidaten stellen sich am 7. Juni zur Wahl. Sie alle wollen der neue Bürgermeister von Weinböhla werden und für die nächsten sieben Jahre die Macht im Rathaus übernehmen. Die SZ stellt die Kandidaten vor dem Urnengang vor. Einer von ihnen ist Bäckermeister Stan Schirmer. Heute sagt der Parteilose im Interview, warum er die Amtsgeschäfte in Weinböhla übernehmen möchte.

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Herr Schirmer, mit 38 Jahren sind Sie der jüngste Bürgermeisterkandidat. Vielleicht zu jung für das Amt?

Das denke ich nicht. Das Alter spielt dabei keine Rolle, glaube ich. Ich bin jung und dynamisch, wurde letztes Jahr in den Gemeinderat gewählt. Das ist nicht verkehrt für diesen Posten.

Sie sind der einzige Amtsanwärter, der kommunalpolitische Erfahrung hat. Ist das ein Vorteil?

Aus meiner Sicht ist das ein großer Vorteil. Ich habe in diesem einem Jahr im Gemeinderat viele Erfahrungen gesammelt und Einblicke in die Verwaltung erhalten. Ich kenne die Abläufe und weiß, welche Themen aktuell sind und was auf die Gemeinde in den nächsten Jahren zukommt. Und das ich Bürgermeister werden möchte, habe ich damals auch von Anfang an gesagt. Das ist nicht nur so eine Laune von mir. Der Posten im Gemeinderat ist für die mich die Vorbereitung auf das Amt im Rathaus.

Bei der Kommunalwahl haben Sie als Novize das viertbeste Ergebnis erzielt. Das wird diesmal nicht reichen.

Das stimmt. Wir sind fünf Kandidaten. Ich rechne damit, dass der neue Bürgermeister nicht im ersten Wahlgang gewählt wird. Ich hoffe, dass ich wieder so viele Stimme erhalte, dass ich im vorderen Drittel lande.

Angenommen, es gibt einen zweiten Wahlgang, treten Sie dann wieder an?

Wenn ich nach der ersten Abstimmung mehr als 25 Prozent der Stimmen bekomme, ja. Ansonsten würde ich für einen anderen Kandidaten zurück zustecken.

Für wen würden Sie Platz machen?

Das kann und will ich jetzt noch nicht sagen. Lassen Sie uns erst einmal den ersten Urnengang abwarten.

Sie sind von Beruf Bäckermeister. Was qualifiziert Sie für das Bürgermeisteramt?

Das will ich nicht an meinem Job festmachen. Als Bürgermeister ist es wichtig, dass man sich im Ort auskennt und auch die Leute kennt. Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, habe hier meine Ausbildung gemacht, kenne viele Leute, habe im Fußballverein ehrenamtlich gearbeitet. Ich bin nah am Bürger dran und will das auch bleiben. Die Arbeit im Rathaus sehe ich für mich dennoch als große Herausforderung. Obwohl ich diese eher als Manager angehen würde. Die Mitarbeiter in der Verwaltung machen einen guten Job. Als Bäckermeister würde ich mir nicht anmaßen, denen von Anfang an zu sagen, was sie wie zu tun haben.

Bürgernah will jeder der Kandidaten sein. Was werden Sie anders als die übrigen Bewerber machen?

Ich weiß nicht, was die anderen machen. Der direkte Kontakt ist mir wichtig. Die Leute kennen mich und können mich immer ansprechen, mir ihre Probleme erzählen. Da muss man ein offenes Ohr haben. Eine Bürgersprechstunde will ich aber nicht einführen. Das wäre zwar neu, aber die Leute sind dann an einen festen Termin gebunden. Ich würde das individuell entscheiden und will jederzeit für den Bürger zu sprechen sein.

Angenommen, Sie werden gewählt. Was würden Sie als Erstes ändern?

Die Öffnungszeiten der Ämter im Rathaus. Einmal in der Woche bis 18 Uhr und einmal bis 16 Uhr – das ist nicht bürgerfreundlich. Die meisten sind berufstätig und haben tagsüber keine Zeit, Amtsgänge zu erledigen. Ich denke, die Ämter an drei Tagen bis 18 Uhr zu öffnen, sollte umsetzbar sein. Das Rathaus muss ein Dienstleister sein. Ich möchte mich auch an den verkaufsoffenen Sonntagen mit dem Rathaus beteiligen und unseren Gewerbetreibenden damit zeigen, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten.

Sie können nicht gleichzeitig Bürgermeister und Bäckermeister sein. Was passiert mit Ihrem Geschäft, wenn Sie gewählt werden?

Diese Frage beschäftigt mich schon seit einer Weile. Das ist nicht einfach. Einfach zu machen, kann ich nicht. Die Leute haben ja Arbeitsverträge bei mir. Und ich will die Bäckerei auch nicht schließen. Wir sind ein Familienbetrieb, hier hängt mein Herz dran. Ich würde vielleicht jemanden einstellen, der meine Arbeit weiter macht. Aber es gibt noch keine konkreten Pläne.

Manche in Weinböhla behaupten, Stan Schirmer will Bürgermeister werden, weil sich der Laden wegen des Mindestlohnes nicht mehr lohnt.

Das sehen meine Firmenberater anders. Die sagen ich sollte lieber weiterhin kleine Brötchen backen (lacht).

Lass Sie ihre einmal Fantasie spielen: Wie würde Weinböhla aussehen, wenn Sie alles frei entscheiden könnten?

Ich würde mehr aus unseren Stärken machen, etwa der zentralen Lage im Elbtal. Bisher gelingt es uns beispielsweise nicht, Touristen herzulocken. Ich hätte da schon Ideen. Ich würde beispielsweise eine ähnliche Erlebniswelt wie Karls Erlebnishof an der Ostsee in Weinböhla aufbauen – mit regionalen Produkten wie Wein, Erdbeeren, Aroniabeeren, Honig, Dresdner Stollen, Töpferei und, und, und. Platz dafür gibt es im Ort, genügend Angebote auch. Und das würde im Ort Arbeitsplätze schaffen. Wenn Weinböhlaer im Ort arbeiten können, wird die Gemeinde wieder lebendiger.

Braucht Weinböhla mehr Leben im Ort?

Ganz klar: ja! Die Leute wohnen hier und Arbeiten auswärts. Da geht das Leben verloren. Ich würde als Bürgermeister daher auch mehr mit den Vereinen zusammenarbeiten und sie unterstützen. Brechen die Vereine auch noch weg, wird es noch ruhiger in Weinböhla. Das darf nicht passieren.

Das alles kostet Geld. Wie wollen Sie das bezahlen?

Einerseits möchte ich dafür sorgen, dass das Gewerbe im Ort gestärkt wird. Weinböhla braucht mehr Gewerbeflächen, damit sich die Betriebe von hier auch hier und nicht in Coswig, Radebeul oder Meißen ansiedeln oder erweitern. Andererseits könnte der Tourismus in Zukunft eine Einnahmequelle für die Gemeinde sein. Nur auf die Erschließung neuer Wohngebiete zu setzen, wie in der Vergangenheit, reicht aus meiner Sicht nicht aus. Irgendwann ist Weinböhla zugebaut – und was dann?

Das Gespräch führte Philipp Siebert.