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Harald Czudaj und der Fürst

Der Olympiasieger aus Coswig und Prinz Albert von Monaco – eine besondere Beziehung aus der Bobbahn und bis heute.

„Ein feiner Kerl“ – so beschreibt Bob-Olympiasieger Harald Czudaj seinen Sportfreund Prinz Albert von Monaco in der Laudatio für den St. Georgs Orden auf dem Semperopernball. Der Coswiger und das Staatsoberhaupt der Monegassen duzen sich.
„Ein feiner Kerl“ – so beschreibt Bob-Olympiasieger Harald Czudaj seinen Sportfreund Prinz Albert von Monaco in der Laudatio für den St. Georgs Orden auf dem Semperopernball. Der Coswiger und das Staatsoberhaupt der Monegassen duzen sich. © Jens Kalaene/dpa

Coswig/Dresden. Es ist sein erster Smoking, den Harald Czudaj auf dem Semperopernball am letzten Freitag trägt. „Der war teuer und muss jetzt lange halten“, sagt der Bob-Olympiasieger schmunzelnd, der in Coswig und Riesa zu Hause ist und dort die Sportzentren Olympia betreibt.

Ballsaal mit Smoking sind eigentlich nicht Tummelplatz und Alltagskleidung des sehr bodenständigen Elbländers. Doch es gibt den passenden Anlass – Harald Czudaj spricht die Laudatio zur St. Georgs-Orden-Verleihung für Fürst Albert II. von Monaco. Die beiden kennen sich gut, sind Sportfreunde seit fast 30 Jahren.

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Czudaj erinnert sich noch genau an Einzelheiten. Etwa beim Begehen der Strecke vor dem Rennen, die die Bobfahrer immer gemeinsam absolvieren. „In Altenberg, auf meiner Heimatbahn, kenne ich jeden Zentimeter. Die Kurven richtig zu nehmen, ist beim Rennen entscheidend. Zur schwierigen Kurve 9 habe ich ihm Tipps gegeben, wie die anzusteuern ist. Und er hat sie gut gemeistert.“

Bob-Olympiasieger Harald Czudaj (vorn) beim Start mit dem Viererbob. ©Ronald Bonß
Bob-Olympiasieger Harald Czudaj (vorn) beim Start mit dem Viererbob. ©Ronald Bonß
Prinz Albert von Monaco in in ungewohnter Montur. ©dpa
Prinz Albert von Monaco in in ungewohnter Montur. ©dpa
Der Prinz als Pilot: Albert (vorn) steuert seinen Bob ins Tal. ©dpa
Der Prinz als Pilot: Albert (vorn) steuert seinen Bob ins Tal. ©dpa

Die Wiedersehensfreude am letzten Wochenende war groß. „Wir sehen uns zwar ab und zu bei größeren Ereignissen, zuletzt beim Staatsempfang in Sachsen vor zehn Jahren oder in jüngerer Zeit bei Weltcups.“ Aber ansonsten habe Albert ja genügend um die Ohren als erster Staatsmann für Monaco, weiß der Coswiger.

Czudaj erinnert sich: „Als wir uns mal drüber unterhalten haben, was denn eigentlich Alberts Vater Rainier III. zur Bobfahrerei gesagt hat, die ja mit Stürzen in der Eisrinne nicht ungefährlich ist, habe es auch zwischen Vater und Sohn gegrummelt. Aber letztlich hat der Vater seinem fürstlichen Sohn seinen Willen gelassen.“ Selbst als die Bobfahrer im Fahrerlager nach Stürzen von Albert von der Prinzenrolle sprachen, wenn mal einer wieder die Kurve nicht gekriegt hat.

Zwischen 1986 und 2002 war Albert im Rennbob aktiv. „Er hatte schon damals wenig Zeit zum Trainieren“, erinnert sich Czudaj. Maximal 50 bis 100 Fahrten konnte der Adlige im Jahr steuern. Harald Czudaj und seine Mannschaft haben das Zehnfache absolviert, um sicher und vor allem schnell auf der Bobbahn zu sein.

In der Laudatio beim Semperopernball beschreibt der Coswiger seinen Sportfreund als einen „feinen Kerl“. Das höchste Lob von Sachsen, die jemanden so bezeichnen, der wirklich in Ordnung ist, auf den man sich verlassen kann. So war es auch, sagt Czudaj. 

Albert ist nicht nur schlicht unter seinem Namen Albert Grimaldi gestartet, er war hilfsbereit und hat auch immer unter widrigen Bedingungen versucht, sein Bestes zu geben. Während sich die Spitzenteams Ausscheidungstests um die kräftigsten Anschieber leisten konnten, hatte der Fürst zu tun, überhaupt Leute mit seiner Staatsbürgerschaft zu finden, die das Anschieben drauf haben.

Hinterste Plätze bei großen Rennen waren deshalb für den fürstlichen Bobpiloten nicht unüblich. Immerhin, 1999 gelangen ihm, trotz gerade überstandener Meniskusoperation, zwei Siege bei Rennen des Amerika-Cups in Calgary.

Fünfmal ist Albert für sein Land zu Olympia angetreten. Die beste Platzierung hatte er mit einem 25. Platz 1988 im Zweierbob. 2002 hat Albert seine Boblaufbahn beendet. Harald Czudaj steuerte 2000 seine letzte Bobfuhre als Aktiver zu Tale.

„Wir Ehemaligen treffen uns ab und zu noch zu Seniorenrennen“, sagt Czudaj. Da war Albert auch schon mit dabei. Aber seit 2005 hat er eben Staatsgeschicke zu lenken, da bleibt für die Seile im schnellen Schlitten eigentlich gar keine Zeit mehr.

Wie sehr ihn die Rede seines Bobfreundes Harald auf dem Semperopernball gerührt hat, war Albert anzusehen. Immer wieder hat der Sachse daran gefeilt und dann doch das Papierblatt beiseitegelegt, um frei zu sprechen. „Das liegt mir mehr, erst recht, wenn es um einen guten Sportfreund geht.“ In der Erinnerung kommt vieles aus der Eisrinne wieder hoch. „Albert spricht gut Deutsch. Wir haben uns oft unterhalten. Er war sehr offen zu mir.“

Nein, in Coswig oder Riesa war der Monegasse noch nicht zu Besuch. Harald Czudaj auch noch nicht auf dem Schloss der Familie Grimaldi auf dem Felsen über dem Mittelmeer. Aber was nicht ist, wird vielleicht doch noch irgendwann einmal. Dann hätte der Smoking einen weiteren Einsatz in Aussicht.