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Der dritte Bürgermeister-Kandidat

Er ist jung, ambitioniert und bedacht. Ein Bartusch bewirbt sich um das höchste Amt in Nossen.

Christian Bartusch kandidiert für das höchste Amt in der Stadt Nossen.
Christian Bartusch kandidiert für das höchste Amt in der Stadt Nossen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Die Bürgermeisterwahl in Nossen steht nun schneller als gedacht vor der Tür. Termin ist der 11. Oktober. Zwei Kandidaten stellte die SZ bereits vor. Nun hat sie den dritten im Klosterpark Altzella getroffen. Christian Bartusch. Der 33-Jährige sitzt seit vorigem Jahr im Stadtrat für die SPD und gehört zur alteingesessenen, bekannten Bartusch-Familie.

Er ist kein Freund von Visionen. Er spricht lieber von „klar definierten, langfristigen Zielen. Wir müssen Nossen so entwickeln, dass wir den Bevölkerungsrückgang stoppen.“ Laut Prognosen sinken die Zahlen auch in den nächsten Jahren stetig. Das will der Diplom-Verwaltungsfachwirt (FH) ändern.

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 Eine lebenswerte Stadt, wo das Wohnen und Arbeiten attraktiv sind. So möchte er Wohnbauflächen anbieten. Dabei nicht zu viel neu  versiegeln. Denn Nossen sei gerade auch wegen seiner vielen Natur lebenswert. Aber, so sagt er, „wir brauchen Eigenheimstandorte“.

Der aktuelle und auch in Arbeit befindliche zukünftige Flächennutzungsplan ließe es zu. „Er hat nur einen Makel, er ist zu sehr auf die Kernstadt fokussiert.“ Das sei nachvollziehbar, aufgrund der Verkehrslage, „aber die Entwicklung im ländlichen Raum ist abgeschnitten.“ Auch dort könne man Brachflächen revitalisieren, Lücken bebauen. Geschlossene Ortschaften hätten dabei natürlich Vorrang. Die Förderquote für derartige Projekte sei sehr gut.

Ebenso den Mietwohnbau möchte Bartusch voranbringen. Und zwar auch mit größerem Wohnraum, für Familien geeignet. Als Speckgürtel von Dresden bietet sich das an. „Mit der WVG haben wir ein Instrument in der Hand.“ Denn die Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt, der Gesellschafter ist der Bürgermeister, „dessen Aufgabe es ist, die strategische Richtung vorzugeben.“

„Wenn wir nicht aktiv gegensteuern, wird das Marktleben sterben.“

In diesem Zusammenhang nennt Bartusch auch die wichtige Rolle des öffentlichen Nahverkehrs. Und dabei meint er nicht nur die Reaktivierung der Bahnstrecke, für die er sich massiv einsetzen will. Im gleichen Atemzug müsse an einem attraktiven Busnetz im ländlichen Bereich gearbeitet werden. Denn von der Bahn profitiert erst einmal nur die Kernstadt, die Anbindung über einen gut getakteten Busfahrplan muss erfolgen. 

Aktuell besteht das Problem, dass nicht die Kommune über die Fahrzeiten entscheiden kann. Die Entscheidungshoheit hat der Landkreis an die Verkehrsverbünde übergeben. Deshalb baut Bartusch auf die Gründung der Landesverkehrsgesellschaft, dann würde insbesondere der Schienenverkehr zentral auf Landesebene organisiert werden.

Als Bürgermeister will er sich stark machen für die Wiederbelebung der Bahn. Er sagt auch, „es wäre eine plumpe Lüge zu sagen: Wenn ich Bürgermeister bin, kommt die Bahn sofort.“ Aber, „man muss hartnäckig und penetrant sein, wenn man an Gelder kommen will.“

 Und für eine bessere Busanbindung könne er sich auch einen Bürgerbus wie den der Lommatzscher Pflege vorstellen. „Den Bedarf muss man abklopfen.“ Und natürlich auch Freiwillige finden, denn der Bus wird von Ehrenamtlichen gefahren.

Derzeit, so sagt er, gebe es eine gewisse Diskrepanz zwischen Stadt und Land. „Aber wir sitzen alle in einem Boot.“ Denn auch die Kernstadt ist ländlicher Raum und hat deshalb mit Problemen zu kämpfen. Ein Beispiel ist der Marktplatz. „Immer mehr Läden werden leerstehen, weil Inhaber keinen Nachfolger finden". 

Aber auch, weil der Markt durch den Umbau an Attraktivität verloren habe. „Wenn wir nicht aktiv gegensteuern, wird das Marktleben sterben.“ Deshalb will Bartusch der negativen Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Gespräche mit den Vermietern, eventuell eine städtische Wirtschaftsförderung, stelle er sich dabei vor.

Bartusch möchte Bürger viel mehr einbeziehen

Und den Tourismus möchte Bartusch ankurbeln. Ein Thema dabei ist auch ein nötiges Radwegekonzept. Mit Klosterpark, Schloss, Rodigtturm und der Lommatzscher Pflege habe Nossen schon einiges zu bieten. 

Jetzt gelte es, ein Konzept zu entwickeln. „Ich sage nicht, dass Nossen sich für zwei Wochen Urlaub eignet. Zumindest nicht heute und morgen. Aber zunächst für ein paar Tage.“ Dabei denkt Bartusch auch an einen möglichen Aktivurlaub, vielleicht auch mit Kanufahrten auf der Mulde.

Doch jetzt gilt es erst einmal die Krise aufgrund der Corona-Pandemie zu bewältigen. „Wir wissen nicht, wie künftig die Kommunen aufgestellt sind.“ Gerade auch deshalb bräuchte es engagierte Einwohner, die für Projekte brennen. 

Und die will Bartusch unterstützen, koordinativ und mit Fördermöglichkeiten. „Mir schwebt ja eine Kleinstförderrichtlinie vor, nach der man mit ein paar Hundert Euro Initiativen von Bürgern unterstützen kann.“

Überhaupt möchte er die Bürger viel mehr einbeziehen. Stichpunkte dazu seien Einwohnerversammlungen oder -spaziergänge, während der man locker ins Gespräch kommt. Und auf jeden Fall sollen alle Beschlussvorlagen vor Stadtratssitzungen online zur Verfügung stehen, damit die Einwohner rechtzeitig über alles informiert sind und mitdiskutieren können. Und nicht zuletzt soll die öffentliche Verwaltung digitalisiert werden, damit die langen Wege in das Rathaus bald der Vergangenheit angehören.

Als derzeit Sachgebietsleiter Haushalt und stellvertretender Leiter in der Zwickauer Verwaltung im Amt für Finanzen bringt Christian Bartusch jede Menge Erfahrung und Ideen mit. Denn dort hat er Einblick in die Projekte aller Ämter.

Ist er als „Verwaltungsmensch“ ein Schreibtischtäter, der nur die nackten Zahlen sieht und keine Kreativität für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Kommune mitbringt? Christian Bartusch lacht. 

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„Das ist keine Berufskrankheit. Wir müssen natürlich auf den Ausgleich schauen und Pflichtaufgaben erfüllen. Aber wirtschaftliches Denken bedeutet nicht, den Geldhahn zuzudrehen. Es geht darum, wie man mit dem vorhandenen Geld das Meiste erzielen kann.“ Sinnvolle Projekte voranbringen – und zwar schnell, das sei sein Anliegen.

https://christian-bartusch.de

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