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Der freundliche Herr Gliemann

Der Linden-Gastwirt (Bürger für Freital) bewirbt sich als Rathaus-Chef. Er will mit Unternehmer-Ideen punkten.

Von Tobias Winzer

Pflegeleichter kann ein Fotomodell nicht sein. „Können wir die Leiter da im Hintergrund irgendwo anders hinstellen?“, fragt der Fotograf. „Natürlich“, antwortet Frank Gliemann, springt fix auf und trägt das Teil fort. „Können Sie Ihre Arme auf den Tisch aufstützen?“ – „Das kann ich gern machen.“ Und weiter: „Können Sie das Kinn etwas nach oben nehmen?“ – „Kein Problem, selbstverständlich.“ Man kann nicht anders als den Oberbürgermeister-Kandidaten der Bürger für Freital als freundlichen und zuvorkommenden Menschen zu bezeichnen. Drei Jahrzehnte Arbeit als Koch, Gaststättenleiter und Inhaber des Hotels und Restaurants „Zur Linde“ in Freital haben ihre Spuren hinterlassen – im positiven Sinn.

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Der 56-Jährige kommt Ende der 1980er-Jahre nach Freital. „Ich habe damals etwas Eigenes gesucht“, erzählt er. Ein befreundeter Arzt gibt ihm den Tipp: Die Pächterin des Gasthauses „Zur Linde“ sucht einen Nachfolger. Gliemann, der im Dresdner Hotel Newa gelernt hat, ist zunächst gar nicht begeistert, verliebt sich dann aber in das Haus an der Gitterseer Straße. Nach dem Mauerfall kauft er das Grundstück. 1995 eröffnet er einen Hotelneubau.

63 Betten im Hotel und fast 300 Plätze innen und außen im Restaurant kann Gliemann heute vorweisen. Zehn bis 15 Mitarbeiter beschäftigt er je nach Saison – zwei seiner fünf Kinder sind im Unternehmen beschäftigt. Seine Frau ist die Co-Chefin.

Seine Erfahrungen als Unternehmer will Gliemann nun auch als Oberbürgermeister einbringen. „Natürlich habe ich mich gefragt: Kann ich das? OB sein?“ – „Aber ich habe ein Geschäft seit 22 Jahren und ich habe auf alle Fach- und Sachfragen eine Antwort.“

Dabei war seine Kandidatur eine schwere Geburt. Lange taten sich die Bürger für Freital – immerhin zweitstärkste Fraktion im Freitaler Stadtrat – schwer, einen Bewerber zu finden. Finanzbürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan und Fraktionschef Chris Meyer sollten antreten, wollten aber nicht. Gliemann sieht sich aber trotzdem nicht als dritte Wahl. „Es gebot der Anstand, dass ich den beiden den Vortritt gelassen habe.“ Hätte es eine Kampfabstimmung gegen Meyer und Kretschmer-Schöppan gegeben, Gliemann ist sicher, er wäre nicht auf Platz drei gekommen.

Auch im Rennen um das Oberbürgermeisteramt rechnet er sich Chancen aus. Er kenne viele Freitaler, sei auch in der Verwaltung gut vernetzt. In der Öffentlichkeit zu stehen, das liege ihm. „Ich mache jeden Tag nichts anderes.“ Fünf Jahre hat er als Fernsehkoch für das Dresden Fernsehen gearbeitet. Eine Gesangausbildung an der Musikschule hat er auch absolviert.

Gliemann bezeichnet sich selbst als Pragmatiker. „Meine Frau hält mir den Rücken frei. Sie kümmert sich um die Buchhaltung, während ich dann lieber in die Küche gehe und eine Torte mache.“ Politisch wähnt sich der gebürtige Dresdner und Wahl-Freitaler als liberaler Demokrat der Mitte. „Ich neige dazu, allen zuzuhören.“ Nur mit der NPD würde er nicht verhandeln. „Das sind für mich keine Demokraten.“ Kurz vor dem Mauerfall trat er in die konservative Blockpartei NDPD ein, verließ die Gruppe aber schon kurze Zeit später wieder. „Die haben gar nicht mitbekommen, was los war“, sagt er. „Danach habe ich mir gesagt: Ich bin weiter politisch aktiv, aber nie wieder für eine Partei.“

Bislang hat er sich daran gehalten. Für die Wählervereinigung Bürger für Freital sitzt er seit sechs Jahren im Stadtrat. „Wir haben keinen Parteizwang.“

In der jetzigen Debatte um die Asylbewerber vermisst er das Gespräch zwischen Kritikern und Befürwortern. „Dieser Dialog ist wichtig.“ Und er würde Landes- und Bundesregierung ständig mahnen, bestehende Asylgesetze einzuhalten.

Konkreter wird der Unternehmer, wenn es um das Thema Tourismus geht. Er will Angebote schaffen, damit Touristen nicht nur zwei, drei Stunden, sondern den gesamten Tag in Freital bleiben. Das Schloss Burgk müsse deswegen endlich vermarktet werden. „Und wie wäre es, wenn man am Sächsischen Wolf ein neues Zentrum im Fachwerk-Stil bauen würde, in dem lokale Handwerker ihre Produkte anbieten? Das ist eine Vision.“

Um die Dresdner Straße wieder lebendiger zu machen, will Gliemann mit Hauseigentümern reden und eine mietfreie Zeit für die Ladengeschäfte aushandeln. „Die Läden stehen ja sowieso leer.“ Sollten sich die Geschäfte etablieren, könnte dann auch Miete gezahlt werden.

Seitenhiebe auf seine Konkurrenten ums Oberbürgermeisteramt spart er sich. Auch den amtierenden Rathauschef Klaus Mättig (CDU) attackiert er nicht. Nur so viel: Er wolle ein Teamplayer sein, nicht den Chef raushängen lassen. Da ist er wieder – der freundliche Herr Gliemann.