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Der Glücklichmacher

Der Einkaufsmarkt in Mücka ist einer der wenigen, die es auf den Dörfern um Niesky noch gibt. Und er hat Erfolg.

© André Schulze

Von Carla Mattern

Die Feier fällt aus. Es fehle die Zeit, sagt Ronny Schulze. Vor einem Jahr hat der 35-Jährige den Einkaufsmarkt in Mücka übernommen. Eigentlich sollte es ja aus diesem Grund ein kleines Fest geben. Aber es seien einige Mitarbeiterinnen zurzeit nicht da, Pfingsten steht vor der Tür. „Bestimmt feiern wir das fünfjährige Jubiläum“, sagt Ronny Schulze.

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Warum nicht? Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wer erst einmal hineingegangen ist in die Kaufhalle in Mücka, wie sie viele nennen, der kommt nicht umhin, dort auch etwas zu kaufen. Frisches Obst und Gemüse liegen gleich am Eingang in den Regalen, es gibt Toilettenpapier, Küchenrollen, Babywindeln und Zahnpasta, Socken und Strumpfhosen, Babymützen, Schals und Loops, Wein, Likör, Sekt und verschiedene Spirituosen, Brot, Brötchen und Kuchen am Verkaufsstand vom Bäcker Gerber, frische Wurst und Fleisch an einer anderen Theke. Auch Blumen und Pflanzen, Sonnenbrillen und Badelatschen, jede Menge Schokolade, Kekse und andere Süßigkeiten, alles, was man zum Kochen, Braten und Backen benötigt, eine Bücherkiste und nicht zu vergessen ein extra Ständer mit allerlei Fanartikeln zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft werden angeboten.

Helma Knetsch steht an einem Regal. „Ich kaufe jeden Tag hier ein“, sagt die Mückaerin. Sie sei mit dem Angebot sehr zufrieden, das Personal sei nett und hilfsbereit - und ganz besonders der Chef. In Niesky kauft sie nur ein, wenn sie dort noch etwas anderes erledigt. „Ich bin sehr zufrieden, dass es den Laden gibt“, sagt Helma Knetsch. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn als sich der langjährige Inhaber Frank Kruschinski zur Ruhe setzen wollte, gab es zwei Möglichkeiten: Den Einkaufsmarkt übergeben oder schließen. „Herr Kruschinski sprach mich an und ich habe zugesagt“, so Ronny Schulze.

Als gelernter Einzelhandelskaufmann wusste Ronny Schulze, worauf er sich einlassen würde. Und berufliche Neustarts hatte er ebenfalls bereits gemeistert. Wegen einer Mehlstauballergie musste er den Bäckerberuf an den Nagel hängen und umschulen. Er arbeitete in Nürnberg in einem 8 000 Quadratmeter großen Real-Markt, in einem Plus an der Reichenbacher Straße in Görlitz. „Dann war Schluss mit Plus“, sagt er. Er wechselte zu Edeka nach Sohland und Löbau. Im Juli 2009 machte sich Ronny Schulze selbstständig und übernahm in Förstgen den kleinen Landkauf von Annelies Zöllner, ein Jahr später den ehemaligen Konsum in Weigersdorf. Seine Frau, die den Ausschlag für den Wechsel aus Bayern zurück in die Heimat gab, ist Verkäuferin. Sie arbeitet in Weißwasser. Die Kinder des Paares sind zehn und drei Jahre.

Doch obwohl Ronny Schulze viele Erfahrungen in der Branche gesammelt hat, musste er auch schon unpopuläre Entscheidungen treffen. Den Landkauf in Weigersdorf schloss er im vergangenen Jahr. Auch die Tage des Landkaufs in Förstgen sind gezählt. Nur noch bis zum Monatsende bleibt er geöffnet. „Es ist nicht mehr machbar“, sagt Ronny Schulze. Er weiß, wie wichtig solch ein Tante-Emma-Laden vor allem für die älteren Einwohner ist. Aber es sei vom Umsatz her nicht mehr vertretbar. „Ich hoffe, dass die Förstgener dann auch in Mücka einkaufen kommen“, so der Geschäftsinhaber. Obwohl es in dem Heimatort von Thomas Mann einen Laden gibt, kauft er gerne in Mücka ein. „Ich finde das Geschäft super, das Warenangebot, die Vielfalt, die Qualität. Das hat sich im vergangenen Jahr um ein Vielfaches verbessert“, sagt der Klittener. Er kenne das Geschäft noch von vorher. Ihm gefällt, dass auf die Wünsche der Rentner eingegangen wird, zum Beispiel auch kleine Abpackungen und lose Ware angeboten werden. Und Thomas Mann lobt das Personal.

Das freut Ronny Schulze. Als er vor einem Jahr als Chef den Einkaufsmarkt übernahm, bot er den sechs Mitarbeiterinnen Arbeitsverträge an. Eine davon ist Ursula Birke. Obwohl sie schon Rentnerin und deshalb jetzt eine Pauschalkraft ist, geht die Mückaerin gerne zur Arbeit. Sie steht an der Fleischtheke. „Wir sind alle schon seit 1994 hier, als damals Herr Kruschinski den Konsum übernommen hat“, sagt sie. Sie seien eine gute Truppe und auch der Chef einwandfrei, sagt Ursula Birke.

So soll das auch bleiben, wünscht sich Ronny Schulze. Er will als nächstes in neue Lampen investieren. Auch die Kühlregale müssten ausgetauscht werden, sie sind Stromfresser. Aber eins nach dem anderen. Auch über die Öffnungszeiten denkt er nach. Wenn er am Sonnabend statt bis um 11 Uhr bis um 14 Uhr die Türen offen hat, fahren vielleicht weniger Mückaer zum Einkaufen nach Niesky, sagt er.